Acht Spieler hat Arminia nach dem Aufstieg geholt, ein Volltreffer ist bisher nicht dabei – doch woran liegt‘s?
Die Neuen fremdeln noch

Bielefeld -

Elf Tage bleiben den Arminen noch bis zum nächsten Fußball-Bundesligaspiel daheim gegen Bayer Leverkusen. Viel zu wenig Zeit für all die Baustellen, die nicht nur, aber ganz besonders das 0:5 am vergangenen Samstag bei Union Berlin offenbart hat.

Montag, 09.11.2020, 20:10 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 08:12 Uhr
Jacob Laursen einer von acht Neuzugangen beim DSC. Foto: Thomas F. Starke

 Eine der größten davon ist die mangelnde Integration der Zugänge. Acht Spieler hat der DSC im Sommer verpflichtet. Kein einziger von ihnen hat sich bislang uneingeschränkt als die erhoffte Verstärkung erwiesen. Liegt es an der Qualität der von Sport-Geschäftsführer Samir Arabi verpflichteten Profis? Oder liegt es daran, dass Trainer Uwe Neuhaus nicht das volle Potenzial der Spieler ausschöpft? Ein Überblick über den Status quo:

Ritsu Doanund Mike van der Hoorn: Die beiden spät verpflichteten Neuzugänge sind diejenigen mit den meisten Spielanteilen. Und unter den Neuen damit auch die beiden einzigen echten Stammspieler. Am auffälligsten im positiven Sinne agiert bislang Doan (22). Der von PSV Eindhoven ausgeliehene Angreifer vermag immer mal wieder Akzente zu setzen. Wenn nach vorne überhaupt mal etwas geht, dann über Doan. Es mangelt ihm jedoch an geeigneten Anspielmöglichkeiten. Hinzu kommt die Sprachbarriere, die es dem Japaner erschwert, seine zuletzt in Berlin lethargisch wirkenden Teamkollegen auch verbal mitzureißen.

Auch Innenverteidiger van der Hoorn (28, Swansea City) hat das Zeug, eine echte Verstärkung zu sein. Der Abwehrmann mit Premier-League-Erfahrung strahlt Ruhe aus – auch in kribbeligen Situationen. Aber auch er spricht wenig deutsch, was die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen nicht eben vereinfacht.

 In Berlin gingen beide, Doan und van der Hoorn, mit dem Team unter.

Sergio Cordova: Von Cordova, einer der ganz wenigen im Kader mit Bundesligaerfahrung, hatte man sich mit am meisten versprochen. Doch der Lieblingsplatz der Leihgabe vom Ligakonkurrenten FC Augsburg wird von Fabian Klos blockiert. Und dass Neuhaus seinen Kapitän nicht in Frage stellt, hat der Trainer bereits deutlich gemacht.

Für Cordova bleibt darum nur die Rolle als Flügelstürmer – und die behagt ihm nicht. Der 23-Jährige wirkt wie ein Fremdkörper. In Berlin hockte der Venezolaner bis wenige Minuten vor dem Ende sogar nur auf der Reservebank. Und als Neuhaus zuvor gegen Dortmund mal mit zwei Spitzen spielen ließ, zog der Trainer Schipplock als Partner von Klos vor, was Cordova mächtig ins Grübeln gebracht haben dürfte.

Nathan de Medina: Von der Startelf bis zur Tribüne hat der 23 Jahre alte Belgier bereits alles mitgemacht in seiner kurzen Arminia-Zeit. Pech für ihn und für den DSC: Außenbandprobleme im Knie setzten ihn mehrere Wochen außer Gefecht. Der Neue von Royal Mouscron hätte das Potenzial zum Stammspieler, muss sich auf der rechten Seite aber immer wieder mit Cedric Brunner abwechseln. Hier hat Neuhaus ebensowenig seine Stammbesetzung gefunden wie auf der linken Abwehrseite.

Jacob Laursen: Für den Dänen war es bisher eine Saison zum Vergessen. In jenen drei Partien, in denen die Arminen bisher den schlechtesten Eindruck hinterließen, zählte der 25-Jährige Linksverteidiger zur Startelf. Beim DFB-Pokal-Aus in Essen (0:1), beim 1:2 in Wolfsburg und zuletzt in Berlin ließ Laursen erhebliche Zweifel an seiner Bundesligatauglichkeit aufkommen. Allerdings wirkt der Neuzugang von Odense BK auch so, als würde ihn etwas blockieren, als sei er gedanklich zu sehr mit sich beschäftigt, was sich leistungshemmend auswirkt. Zuletzt wechselte Laursen sich hinten links regelmäßig mit Anderson Lucoqui ab. Auswärts durfte Laursen spielen, zu Hause Lucoqui.

Arne Maier: Zweimal stand die Leihgabe von Erstligakonkurrent Hertha BSC in der Anfangself, zweimal war nach 45 Minuten für ihn Schluss. Maier (21) ist noch überhaupt nicht in Bielefeld angekommen, wirkt auf dem Platz fast unsichtbar. Der deutsche U21-Nationalspieler, der sich immer wieder mit Knieproblemen herumplagt, ist Arminia in der aktuellen Verfassung im Mittelfeld keine Hilfe.

 Christian Gebauer: Er zählt zu den größten Mysterien unter den Sommerzugängen. Gegen die Bayern (4. Spieltag) gab Gebauer (26) überraschend sein Startelfdebüt. Nach 69 sicher nicht glanzvollen, aber keineswegs desaströsen Minuten war für den Ex-Spieler des österreichischen Erstligisten SCR Altach Schluss. Seitdem schaffte er es nicht einmal mehr in den Kader. Dem Vernehmen nach hat sich der pfeilschnelle Außenstürmer (26) nichts zu Schulden kommen lassen, was seine Nichtberücksichtigungen erklären könnte.

Noel Niemann: Der 20-jährige Offensivmann ist der einzige der acht Neuzugänge, der bisher noch keine Minute in der Bundesliga gespielt hat. Niemann schaffte es bisher nicht mal in den Spieltagskader. Seine einzigen 13 Pflichtspielminuten erlebte er beim Pokal-Aus in Essen (0:1).

Niemann teilt beim DSC das Schicksal einiger anderer junger Spieler. Auch DSC-Eigengewächs Jomaine Consbruch (18), der eine bemerkenswerte Vorbereitung absolviert hat, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Genau wie Niemann sammelte der Mittelfeldakteur bisher lediglich im Pokal Einsatzzeit (45 Minuten). Stürmer Sebastian Müller (19), den die Arminen im Januar vom 1. FC Köln verpflichtet hatten, ist komplett außen vor.

Samir Arabi unternimmt einen Erklärungsversuch. „Im Moment sind bis auf Andreas Voglsammer alle unsere Spieler einsatzbereit. Das macht die Aufgabe, die richtigen 20 für den Spieltagskader herauszupicken, zu einer Herausforderung. Dass es Härtefälle gibt, ist klar“, sagt der Sport-Geschäftsführer. Arabi ist von der Qualität des Bielefelder Low-Budget-Kaders grundsätzlich überzeugt: „Den Klassenerhalt zu schaffen ist möglich, wenn wir wieder und wieder an unser Maximum kommen. In Berlin ist uns das allerdings nicht annähernd gelungen.“

Dass die Arminen, die für keinen ihrer neuen Spieler eine Ablöse bezahlt haben, Niederlagen hinnehmen müssen, „war uns allen klar. Nur die Art und Weise, die können wir beeinflussen“, sagt Arabi. Der 41-Jährige fordert eine Pokalspielmentalität der DSC-Profis ein. Nur so könne es dem Aufsteiger gelingen, Qualitätsunterschiede auszugleichen.

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