Arminia auf dem Boden der Tatsachen, Union auf dem Höhenflug
Gefühlt Welten

Bielefeld -

Gerade mal ein Jahr spielt der 1. FC Union Berlin länger in der Fußball-Bundesliga als der DSC Arminia Bielefeld. Und doch fühlt es sich vor dem direkten Duell zwischen Berlin und Bielefeld am Samstag (15.30 Uhr) im Stadion an der Alten Försterei gerade so an, als trennten diese zwei Klubs Welten.

Donnerstag, 05.11.2020, 20:41 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 21:58 Uhr
Nur gut eineinhalb Jahre ist es her, dass Arminia zum bisher letzten Mal in Berlin zu Gast war. Die Zweitligapartie endete 1:1. Diesmal geht Union (links Prömel, rechts Hübner) jedoch als klarer Favorit in das Erstligaduell gegen Reinhold Yabo und den DSC. Foto: Starke

 

Grund dafür ist zum einen die aktuelle Formkurve beider Teams. Denn während die Bielefelder zuletzt vier Mal in Serie auf die Mütze bekamen, sind die Berliner seit fünf Spielen unbesiegt. Zum anderen verfügt der Union-Kader über ein paar Spieler, die für Aufsteiger Arminia finanziell (noch) komplett außer Reichweite liegen.

„Wenn man nur mal die Neuzugänge vergleicht: Pohjanpalo, Kruse, Knoche – das sind Kategorien, die wir uns nicht erlauben können“, zählte DSC-Trainer Uwe Neuhaus bereits unter der Woche im Interview mit dieser Zeitung auf. „Das zeigt, dass schon noch ein Abstand herrscht zwischen beiden Klubs.“

Obwohl die Köpenicker Tabellensiebter und die Ostwestfalen 15. sind, will Union-Trainer Urs Fischer von einer Favoritenrolle seines Teams gegen Arminia nichts wissen. „Das dürfen gerne Sie beurteilen. Ich werde mich über die Favoritenrolle nicht äußern. Für mich ist es ein Spiel auf Augenhöhe“, erklärte er.

Der jüngste 3:1-Auswärtssieg am Montagabend bei 1899 Hoffenheim habe seinem Team „drei wichtige Punkte“ gebracht: Die würden bei der Erfüllung der Zielsetzung helfen, bemerkte Fischer zurückhaltend: „Bielefeld ist eine ganz andere Aufgabe.“ Leistungen zu bestätigen, sei ein Punkt, auf den er derzeit viel Wert lege. „Das machen wir im Moment nicht schlecht“, sagte Fischer. Neun Punkte haben die Eisernen in sechs Spielen schon eingesammelt – mehr als doppelt so viele wie Bielefeld (vier).

Doch alles das bedeute nicht, „dass wir deshalb den Schaden nur so gering wie möglich halten wollen“, betonte Neuhaus. „Wir können in jedem Spiel punkten, wir können überraschen.“

Nachdem seine Mannschaft im Anschluss an das jüngste 0:2 gegen Dortmund „ein bisschen bedröppelt“ gewesen sei, sei die Stimmung „nun wieder gut“. Ob die DSC-Profis auch mental bereit seien für das Spiel gegen Berlin, sei jedoch schwer zu prognostizieren.

„Gute, saubere, ehrliche Arbeit“, für die sein Team stehe, „hilft auch gegen Kopfprobleme“, sagte Neuhaus. Eine Mixtur aus „Kommunikation, Anfeuerung und Teamgeist“ sei das richtige Rezept, um negative Gedanken zu bekämpfen. Neuhaus versicherte: „Wir sind als Mannschaft absolut bereit.“

Das Momentum ist dennoch auf Seiten der Berliner. „Der Zeitpunkt des Duells spielt immer eine Rolle – Union hat die letzten fünf Spiele nicht verloren“, bremst Neuhaus die Erwartungen derer, die am Samstag den Zeitpunkt für eine Trendwende des DSC als gekommen ansehen. Neuhaus nüchtern: „Es gibt in der Liga vier, fünf Topvereine. Und alle anderen sind schwer zu spielen.“

Ohne die Zuschauer wird es zwar nur halb so emotional. Und doch wird die Rückkehr ins Stadion an der Alten Försterei für Uwe Neuhaus speziell. Sieben Jahre (2007 bis 2014) war Arminias heutiger Coach Trainer des 1. FC Union Berlin. Mit den Eisernen schaffte er den Aufstieg in die 2. Liga und klopfte mit den Köpenickern sogar an das Tor zur Bundesliga. „Natürlich ist für Gefühle Platz, das waren sieben überragende Jahre. Der Verein geht mir alles andere als am Hintern vorbei“, sagt Neuhaus vor dem Wiedersehen am Samstag. „Ich fiebere mit dem Verein mit – wenn wir nicht gerade gegeneinander spielen.“ Über Dynamo Dresden führte Neuhaus‘ Weg im Dezember 2018 nach Bielefeld.

Derweil hat sich Max Kruse  für seine Beschimpfungen bei der Berliner Polizei entschuldigt, sieht die Radarkontrolle kurz nach einem Tempo-30-Schild aber weiter als „asoziale Aktion“. Auf seiner Instagram-Seite hatte der Union-Stürmer am Donnerstag ein Foto vom angeblichen Tatort, an dem er geblitzt worden war, mit der Aufschrift „Schweine“ gepostet und die „liebe Polizei“ zu einer Überprüfung ihrer Blitzer-Praxis aufgefordert, „ansonsten muss ich da leider gegen vorgehen“.

Kruse erklärte in einem weiteren Video: „Entschuldigung an die Polizisten, wenn sie sich beleidigt gefühlt haben. Vielleicht bin ich im Unrecht, vielleicht auch nicht. Ich werde die Strafe so oder so bezahlen.“ Er sei höchstens 40 oder 42 km/h gefahren, sagte er über den Zeitpunkt, zu dem er geblitzt wurde.

Er wollte mit seiner Beschwerde nicht sagen, „dass ich über 30 fahren darf und andere nicht“, sagte Kruse. Er habe nur in Frage gestellt, ob das Blitzen nur fünf Meter hinter dem Schild rechtens sei. Ein weiteres Verkehrsschild auf seinem veröffentlichten Foto weist auf eine Kindereinrichtung in unmittelbarer Nähe hin. „Ich weiß, dass natürlich Kinder dort spielen. Natürlich muss ich da aufpassen wie jeder Verkehrsteilnehmer auch, das tue ich auch. Ich wollte auch niemanden beleidigen“, bemerkte er.

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