Zwölf Abgänge: So starteten die Ex-Arminen bei ihren neuen Klubs
Einer ist sogar besser als Neymar

Bielefeld (WB). Arminia Bielefeld hat nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga den Kader verschlankt. Acht Spieler kamen, zwölf gingen. Doch wie verlief für diejenigen, die dem DSC den Rücken kehrten, andernorts der Start? Ein Überblick.

Freitag, 09.10.2020, 03:00 Uhr
Topleistung: Jonathan Clauss (rechts, RC Lens) überzeugte zuletzt gegen AS Saint-Etienne. Foto: imago

 

Jonathan Clauss (28, RC Lens, 1. Liga Frankreich): Der ablösefreie Abschied des Franzosen, der eine ganz starke Aufstiegssaison für Arminia spielte, schmerzt noch immer. Dass Clauss das Zeug zum Erstligaprofi hat, stellt er in seiner Heimat gerade eindrucksvoll unter Beweis. Nach dem jüngsten 2:0 seines RC Lens gegen AS Saint-Etienne wurde Clauss in die Elf des Tages der Sportzeitung „L’Equipe“ gewählt. Dabei verlief der Start für den Flügelspieler alles andere als nach Plan. Weil er sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte, verpasste Clauss den Saisonauftakt. Beim zweiten Spiel gegen Paris Saint-Germain saß er 90 Minuten auf der Bank. Doch dann startete er durch. Clauss (Vertrag bis 2023) bekam immer mehr Einsatzzeit. Gegen Saint-Etienne spielte er zum ersten Mal durch. Lens ist das Team der Stunde in Frankreich. Der Aufsteiger belegt nach sechs Spieltagen und nur einer Niederlage Platz drei mit nur einem Punkt hinter Spitzenreiter Stade Rennes – und mit einem Punkt vor Paris mit den Superstars Neymar und Mbappé.

 

Keanu Staude (23, Würzburger Kickers, 2. Liga): Für den 23-Jährigen war nach 15 Jahren bei Arminia der Wechsel nach Würzburg ein harter Schnitt. Doch unter Trainer Uwe Neuhaus spielte er in Bielefeld zuletzt keine Rolle mehr. Aber auch in Würzburg ist aller Anfang schwer. Zumal die Kickers in der noch jungen Saison bereits den Trainer wechselten. Marco Antwerpen löste Aufstiegscoach Michael Schiele ab. Beide Trainer setzten den Offensivakteur bisher nur als Joker ein. Staudes Saisonziel: „Klassenerhalt.“

 

Patrick Weihrauch (26, Dynamo Dresden, 3. Liga): Bei Arminia gelang dem Mittelfeldakteur nie der Durchbruch, bei Dynamo wurde er auf Anhieb Stammspieler. Zum Start in Kaiserslautern legte er eine Topleistung hin (Kicker-Note 1,5), baute dann aber ein wenig ab. Zuletzt gab’s bei der Rückkehr zum FC Bayern, wo Weihrauch Teil der ersten und zweiten Mannschaft war, ein 0:3 gegen die Reserve. Der unbekannteste Triplegewinner von 2013 holte mit Dynamo bisher vier Punkte aus drei Partien. Die Dresdner setzen auf Weihrauchs „Laufstärke“ und dessen „gutes Positionsspiel“, wie Sportgeschäftsführer Ralf Becker formulierte. Das bisherige Highlight für Weihrauch (Vertrag bis 2022): Das furiose 4:1 im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV.

 

Florian Hartherz will mit Düsseldorf in die 1. Liga.

Florian Hartherz will mit Düsseldorf in die 1. Liga. Foto: imago

Florian Hartherz (27, Fortuna Düsseldorf, 2. Liga): Lange ließen sich die Arminen Zeit, ehe sie sich schließlich doch gegen die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Florian Hartherz entschieden. Der Linksverteidiger, dessen Vertrag auslief, war beim DSC zwar Stammkraft, aber nie restlos unumstritten. Gegenüber dem DSC hegt er keinen Groll: „Wir sind zurecht Meister geworden und ich bin dankbar dafür, dass ich das erleben durfte.“ In Düsseldorf unterschrieb er nun einen Vertrag bis 2022. Und hofft, am Ende der Saison erneut einen Erstligaaufstieg feiern zu können. Der Start verlief für Fortuna allerdings unrund. Erst ein Sieg aus drei Spielen – beim 1:2 zuletzt in Kiel unterlief Hartherz sogar ein Eigentor. Obwohl der 27-Jährige dreimal durchspielen durfte, gilt nicht nur für die Fortuna, sondern auch für ihn: Es ist noch Luft nach oben.

 

Stephan Salger (30, 1860 München, 3. Liga): „Ich blicke auf unfassbar tolle Momente zurück“, sagte Salger, als er Arminia im Sommer nach acht Jahren verließ. „Zwei Aufstiege in die 2. Liga, DFB-Pokal-Halbfinale, Aufstieg in die 1. Liga – ich glaube, das ist eine runde Sache.“ Der aufstiegserprobte Salger – in München möchte er wieder feiern. Die Löwen wollen zurück in die 2. Liga. Salger (Vertrag bis 2022) spielt in den Planungen von Trainer Michael Köllner eine tragende Rolle. Der Routinier spielte in allen drei Saisonspielen durch und hat seinen Anteil daran, dass München mit sieben Punkten prima dasteht.

 

Alex Perez (29, UD Logrones, 2. Liga Spanien): Arminia hatte den Spanier in der Vorsaison auf den letzten Drücker verpflichtet. Nach einem vielversprechenden Debüt in Hannover verletzte Alex Perez sich und hatte fortan kaum noch Spielanteile. Der neue Klub des Innenverteidigers wartet nach drei Spieltagen noch auf den ersten Sieg. Logrones belegt einen Abstiegsplatz, Alex Perez (Vertrag bis 2022) bestritt bislang jede Partie über die volle Distanz.

 

Philipp Klewin (27, Erzgebirge Aue, 2. Liga): Beim DSC war für Klewin an Stefan Ortega Moreno kein Vorbeikommen. Und auch in Aue (Vertrag bis 2023) dürfte er es schwer haben, hütet doch kein Geringerer als Klublegende Martin Männel das Tor der Sachsen.

 

Agoston Kiss (19, Szombathelyi Haladas, 2. Liga Ungarn): Beim DSC blieb das Torwarttalent unter dem Radar und kehrte nach einjähriger Leihe zurück nach Haladas. Der Zweitligist reichte ihn direkt weiter zum Erstligisten Puskas Akademia (Vertrag bis 2022). Über die Rolle des Ersatzmannes kam er aber auch dort noch nicht hinaus.

 

Die beiden Profis Prince Owusu (23, SC Paderborn, 2. Liga, Vertrag bis 2022) und Can Özkan (20, Naestved BK, 3. Liga Dänemark, Leihe für eine Saison) wurden erst so kurz vor dem Ende der Transferfrist abgegeben, dass sie bisher noch keinen Einsatz für ihren neuen Klub haben konnten.

 

In Tom Schütz (32) und Nils Quaschner (26) sind zwei Abgänge dabei, die bisher noch vereinslos sind – und es womöglich auch bleiben werden. Mittelfeldspieler Schütz hält sich zwar weiterhin fit und würde gerne noch spielen, doch auch ein Wechsel in den administrativen Bereich des DSC, wo Trainer Uwe Neuhaus in der 1. Liga keine Verwendung mehr für Schütz hatte, erscheint möglich.

Quaschner, der in drei Jahren beim DSC nur vier Einsätze hatte, begann nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen zuletzt ein Fernstudium in Sportmanagement sowie eine Ausbildung zum Golftrainer. Im Gespräch mit sportbuzzer.de sagte er unlängst: „Ich muss mir Gedanken machen, ob es sinnvoll ist, weiter Sport zu machen oder ob das eher kontraproduktiv ist. Ich will meinen Körper nicht kaputt machen.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7623563?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Arminia: Mittwoch erster Corona-Test seit dem Bayern-Spiel
Bayern-Profi Serge Gnabry (rechts) beim Spiel am Samstag in Bielefeld Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker