Verfahren geändert, aber Dauerkarteninhaber beschweren sich weiter – Präsident Laufer spricht von Hacker-Angriff aus Russland und China
Arminia und der Karten-Ärger – Hacker-Angriff?

Bielefeld (WB). Arminia und die Kartenvergabe für das Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr): Eine glückliche Beziehung ist das nicht. Nachdem am Sonntagabend der Server des Aufsteigers komplett überlastet war, wurde das Verfahren geändert. Doch auch das neue System schien für viele Fans nicht zu funktionieren. Dazu kam dann laut Verein auch noch ein Hacker-Angriff.

Dienstag, 22.09.2020, 09:12 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 16:16 Uhr
Zu 20 Prozent darf die Schüco-Arena am Samstag ausgelastet werden. Die Registrierung für die etwa 5400 Karten sorgt für Probleme. Foto: Thomas F. Starke

Der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek hatte sich am Montagabend mit einer Videobotschaft an die Fans gewandt und erklärt: „Unsere Seite ist zusammengebrochen, der Server ist abgeschmiert. Wir haben mit 10.000, 20.000, 30.000 Zugriffen gerechnet, es waren aber weit mehr als 100.000. Wir hatten Störangriffe, ob gezielt oder nicht.“ DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer erklärte am Dienstagnachmittag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, es habe einen Hacker-Angriff aus Russland und China gegeben. „Es gibt immer Scharlatane, die meinen, im Netz anderen den Spaß zu verderben. Anhand der IP-Adressen haben wir viele Zugriffe aus Russland und China entdeckt. Deswegen wissen wir, dass wir quasi belagert worden sind”, sagte Laufer. „Wir haben es gut gemeint, jetzt kriegen wir auf deutsch gesagt den Hintern versohlt. Was ich aber überhaupt nicht gutheißen kann, sind die Beleidigungen, die sich unsere Mitarbeiter am Telefon anhören müssen. Das geht so nicht“, hat der Klub-Boss bei allem Ärger der Fans kein Verständnis für persönliche Angriffe.

Auch am Montagabend (um 18 Uhr begann die Registrierungsphase) taten Anhänger ihren Ärger in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter kund. „Seit einer Stunde versuche ich mich anzumelden, und immer die gleichen Fehlermeldungen. Heute nix besser als gestern“, schrieb da einer. Und ein weiterer Dauerkarteninhaber meinte: „Ihr wollt 1. Liga und stellt euch an wie eine A-Jugend-Mannschaft, die zu Hause eine kleine, eigene Homepage zusammengestrickt hat.“ Natürlich gab es auch Fans, die bestätigten, dass ihre Registrierung geklappt habe. Häufig allerdings erst nach mehrmaligen Versuchen.

Der DSC kann für das Heimspiel gegen Köln etwa 5400 Karten an Dauerkarteninhaber vergeben. Das sind 20 Prozent der Kapazität. 74 Prozent der Tickets gehen laut Verein an die Dauerkarteninhaber (knapp 4000), 14 Prozent gehen an die Sponsoren und Partner des Vereins (etwa 800), etwa 12 Prozent (knapp 700 Karten) gehen an „Sonstige“, Sehbehinderte, Rollifahrer, Arminis, Angehörige etc.

Anders als in der Vorwoche kommuniziert, änderte der Verein das Verfahren. Zunächst sollten am Sonntagabend die Schnellsten die größte Chance haben. Das wurde von Teilen der Fans schon im Vorfeld kritisiert. Nach dem Server-Zusammenbruch hatte auch der Klub ein Einsehen. „Natürlich auch wegen der technischen Probleme“, so Rejek. Die Frist galt zunächst bis 11 Uhr am Dienstag (22.9.) und wurde bis 14 Uhr verlängert. 6300 Dauerkarten-Inhaber haben sich laut Vereinsangaben von Dienstag, 15.30 Uhr, erfolgreich über das Registrierungs-Tool für das Heimspiel angemeldet. Unter allen, die sich registriert haben, wird gelost. „Wir werden dann natürlich rechtzeitig informieren“, sagte Rejek und warb um Verständnis. Man habe nur wenig Zeit gehabt. Generell sei man „eine relativ kleine Truppe, wir machen es mit sehr viel Herzblut“.

Kommentare

Beutelipper  wrote: 22.09.2020 12:06
In der Corona-Zeit müssen sich alle mit unvorhersehbaren Problemen herumplagen. Die eine oder andere Privatperson oder Organisation kämpft um ihre Existenz, manche Firma muss unverschuldet zwei verschiedene Mehrwertsteuersätze berücksichtigen oder anderem Irrsinn begegnen, und Arminia, der einzige Verein im deutschen Profifußball übrigens, dem trotz Corona mehr Geld zur Verfügung steht als im letzten Jahr, muss eben einen Weg finden, die zur Verfügung stehenden Karten fair zu verteilen.

Zu loben ist zunächst, dass man Stehplatzfans, die in schlechten Zeiten das Gros der Zuschauer ausgemacht haben, dieselbe Chance auf ein Ticket einzuräumt wie Sitzplatzbesuchern, trotz momentaner Sperrung der Stehplatzbereiche, dazu ohne Zuzahlung.

Zu kritisieren ist, dass man auf ein Szenario, das sich glasklar angekündigt hat, offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet ist: dass es eine Phase geben würde, in der es mehr verkaufte Tickets als verfügbare Plätze geben würde.

Abgesehen von Widersprüchen, was die Übertragbarkeit von Tickets im engsten familiären Kreis betrifft, wo telefonische Auskünfte nicht mit Infos der FAQs auf der Homepage übereinstimmen, sind Szenarien denkbar, die nicht im Sinne des Vereins sein können. Folgende Fragen sollten daher grundsätzlich geklärt und in den FAQs berücksichtigt werden:

1) Wird die Ticketvergabe generell als immer wieder neues Losverfahren pro Heimspiel aufgefasst oder bleiben vergebene Tickets "im Gedächtnis"? Im ersten Fall wird es sowohl Fans gegen, die alle Spiele sehen können, während andere völlig leer ausgingen. Eine für die Begegnungen gegen Bayern und Dortmund angedachte Lösung sollte für alle Spiele gelten, um eine möglichst gute Gleichverteilung zu erreichen. Fans, die bereits für ein Spiel berücksichtigt wurden, müssten sich wieder hinten anstellen, wie wir das in Corona-Zeiten beim Kauf von Brötchen gewohnt sind. Dieses Verfahren wäre stabil und würde allen kommenden Änderungen der Stadionkapazitäten gerecht werden, ohne einzelne Fans zu benachteiligen. Auf First-Come-First-Serve-Verfahren sollte generell verzichtet werden, da unarminenhaft.

2) Ich bewerbe mich mit meiner Partnerin um zwei Karten. Meine Partnerin wird ausgelost, ist aber kurzfristig verhindert. Ich bekomme keine Karte, die Karte meiner neben mir sitzenden Partnerin kann jedoch nicht auf mich übertragen werden.

3) Der Erstattungsanspruch ist missverständlich formuliert. Eine Karte der Kategorie I wird erstattet, wenn man sich erfolgreich registriert habe. Eine erfolgreiche Registrierung ist aber nur die Grundvoraussetzung für die tatsächliche Zuteilung einer Karte. Hier sollte der Text angepasst werden.

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