DSC-Präsident Laufer über sportlichen Erfolg und die Corona-Krise
Freude und Wehmut

Bielefeld (WB). Hans-Jürgen Laufer ist am Donnerstagmittag bester Laune. Die gute Stimmung hat natürlich einen guten Grund: Arminias Frauen sind einen Tag zuvor überraschend ins DFB-Pokal-Halbfinale eingezogen . Der Frauenfußball, es ist eben ein Herzensprojekt des DSC-Präsidenten. Dazu der nahende Bundesligaaufstieg der Männer – der Klubchef hat sportlich schon ganz andere, schwierigere Zeiten erlebt.

Freitag, 05.06.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 05:01 Uhr
Hans-Jürgen Laufer ist seit fast sieben Jahren Präsident des DSC Arminia Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

„Der Sieg der Frauen macht mich absolut glücklich. Es zeigt, dass wir die vergangenen Jahre mit unseren Entscheidungen nicht falsch gelegen haben. Es ist der Lohn für die Aufbauarbeit der Vergangenheit“, sagt Laufer zum Sieg der Bielefelder Zweitligafrauen gegen den Erstligisten SC Sand (3:2) am Mittwoch. Halbfinalgegner ist nun der VfL Wolfsburg. Der amtierende Meister und Pokalsieger ist ein Schwergewicht der Branche. Der Präsident lässt sich davon aber nicht entmutigen: „Jetzt wollen wir auch ins Pokalfinale nach Köln.“

Wehmut schwingt mit

Ein wenig Wehmut schwingt trotz des sportlichen Glücks in dieser Saison aber auch mit. Zum einen ist da die Corona-Krise mit Spielen in leeren Stadien und ohne Emotionen. Und zum anderen läuft das letzte Amtsjahr Laufers, der dem Klub seit August 2013 als Präsident vorsteht. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung, die spätestens zu Beginn des kommenden Jahres über die Bühne gehen soll, scheidet der 71-Jährige aus diesem Amt aus – die Statuten wollen es so. Ein DSC-Präsident darf bei seiner Wahl nicht älter als 70 Jahre alt sein.

Geprägt sind die letzten Monate als Arminia-Präsident nun von einer ungewöhnlichen Zeit und einem Fußball, der in dieser Form viel an Attraktivität eingebüßt hat. „Ich bin traurig, wenn ich mir Spiele anschaue, die in leeren Stadion stattfinden. Das hatten wir uns alle anders vorgestellt, aber wir müssen mit der Situation umgehen. Jammern hilft überhaupt nicht und das ist auch nicht meine Mentalität. Es ist eine Gnade, dass wir überhaupt spielen dürfen und die Saison sportlich zu Ende spielen können“, sagt der Klubchef und ergänzt: „Ziel muss es sein, jetzt alles zu tun, um den Virus zu besiegen. Nur so können wir zur Normalität zurückkehren.“

Resthoffnung bei Laufer

Läuft sportlich alles weiter normal, dürfte dem Bundesligaaufstieg nichts mehr im Weg stehen. Es könnte der krönende Abschluss einer Präsidentenlaufbahn werden. Ein sportlicher Höhepunkt, der mit großer Wahrscheinlichkeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Auch wenn bei Laufer ein kleines Stück Resthoffnung besteht, dass eine Aufstiegsfeier – in welcher Form auch immer – Ende Juni möglich sein könnte: „Es geschehen immer mehr Lockerungen und immer mehr Lockerungen werden gelebt. Es lässt mich zumindest hoffen, dass bis zum Monatsende weitere Lockerungen dazu kommen. Aber das müssen andere Leute entscheiden. Und dafür müssen wir erst einmal aufgestiegen sein, dann können wir uns darüber Gedanken machen.“

Fest steht für den Präsidenten aber: „Irgendetwas müssen wir uns für diesen Fall aber sicher überlegen. Das haben die Spieler einfach verdient.“

Kommentare

Michix2  wrote: 05.06.2020 13:03
Weise Worte eines klugen Präsidenten
In Zeiten von Corona, die das ungebremste wirtschaftliche Wachstum des Fußballs mindestens unterbrechen wird und dem Fußball eine gewisse Selbstreflexion zwischen den Werten von Wirtschaft und Gemeinschaft abverlangen dürfte, wäre eine weitere Präsidentschaft von Laufer eigentlich ideal. Laufer findet hier wohltuend weise Worte.

Die Satzung ist in dieser starren Form in der alternden Gesellschaft auch nicht mehr zeitgemäß und ohnehin diskriminierend. Klar, alle denken an die siechen FIFA-Gremien, wo mit dem Alter die Korruption noch zunimmt. Aber deshalb kann man nicht Leute wie Laufer jetzt aus dem Amt drängen.

Wie wäre es mit einer Satzungsänderung? Corona und die Folgen für den Fußball und d.h. auch für die Arminia sind Grund genug dafür. Denn wir brauchen nun einen Präsidenten, der glaubhaft zwischen den Werten von Wirtschaft und Gemeinschaft vermitteln kann und der überzeugend die Fans auf bescheidenere Zeiten einzustimmen vermag. Es ist ein Moment für das Präsidiale und nicht für eine forsche Haltung von "immer mehr" und von "Arminia dauerhaft in Liga 1".
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7436774?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Infektionsrate sinkt unter Grenzwert
Ein Helfer in einem der Corona-Testzentren im Kreis Gütersloh legt ein Röhrchen mit einer Probe in eine Box. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker