1:1 – Osnabrücks später Ausgleich schockt Arminia – mit Video und Stimmen
30 Sekunden Derby-Fieber

Bielefeld (WB). Der Leiter des Corona-Krisenstabes der Stadt Bielefeld, Ingo Nürnberger, rollt mit seinem Fahrrad direkt bis vor den Eingang an der Südseite. Warum auch nicht, ist ja auch nichts los an der Schüco-Arena. Denn dort, wo sich an Heimspieltagen eine knappe Stunde vor dem Anpfiff sonst Arminias Stehplatzfans drücken, herrscht am Sonntag vor dem Zweitliga-Derby zwischen Bielefeld und Osnabrück tote Hose. Man könnte auch sagen: gespenstische Stille. Gleich steigt hier das erste Geister-Pflichtspiel in der Historie des DSC.

Sonntag, 17.05.2020, 15:32 Uhr aktualisiert: 17.05.2020, 18:42 Uhr
Vor leeren Tribünen mussten sich 1:0-Torscvhütze Fabian Klos (rechts) und die Arminen mit einem 1:1 begnügen. Foto: Thomas F. Starke/DSC Arminia

Rund um das Stadion patrouillieren in ihrem silberfarbenen Bulli die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Doch ebenso wie die Polizisten, die den Südeingang bewachen, verrichten sie einen wenig aufregenden Dienst. Die befürchteten Fanansammlungen bleiben aus.

Ein Radfahrer schießt ein Foto

Ein paar Jogger sind rund um die Alm unterwegs, Spaziergänger genießen das herrliche Wetter. Ein Radfahrer hält am Nordwesteingang, schießt ein Foto vom Stadiongelände. Menschen sind darauf nicht zu sehen, bloß ein Betonklotz mit blauem Dach. „Also ich wäre ja dafür, die Saison abzubrechen“, sagt er, „es gibt Wichtigeres“. Dann radelt er weiter.

Auch rund um die einschlägigen Bielefelder Kneipen deutet rein gar nichts auf ein Zweitliga-Fußballspiel hin. Die Straßen sind leer. Die „Three Sixty Sportsbar“ im Bahnhofsviertel hat 50 Reservierungen. Ein Mitarbeiter nimmt die Gäste in Empfang. Gäste und Mitarbeiter tragen Masken.

26. Spieltag: DSC Arminia vs. VfL Osnabrück (1:1)

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Foto: Thomas F. Starke/DSC Arminia
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Auch in der „Wunderbar“, eine Fan-Institution im Bielefelder Westen, herrscht kein dichtes Gedränge. Ordnungsgemäß sitzen die Fans auf Abstand.

Und im Stadion? Erstmal Fieber messen. Jedem Besucher wird sanft ein Thermometer an die Stirn gedrückt. „36,4 Grad. Bitte einmal zum nächsten Fenster, dort können Sie Ihren Fragebogen abgeben.“ Die Deutsche Fußball Liga will wissen, ob zuletzt Kontakt zu einem Corona-Infizierten bestand und ob Symptome auf eine mögliche Infektion hindeuten könnten.

Wer diese und andere Fragen mit Nein beantwortet, darf seinen Platz einnehmen. Mit Maske, das versteht sich von selbst.

Auf der Südtribüne haben Fans und Fanklubs ihre Fahnen an die Wellenbrecher gehängt. Die Stadionregie spult das gewohnte Musikprogramm ab. „Wer friert uns diesen Moment ein, besser kann es nicht sein“, singt Andreas Bourani. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Dann die Arminia-Hymne. „Ihr seid die besten Fans der Welt!“ Bloß was hilft’s, wenn keiner da ist?

Lohmann hat frei

Maskottchen Lohmann hat frei. Die Begrüßung der Mannschaften fällt aus, nur die Kapitäne Fabian Klos (Arminia) und Marc Heider (VfL) reichen sich zur Begrüßung den Ellenbogen. Ganz so vorsichtig geht es nicht weiter. Armine Reinhold Yabo holt sich ebenso die Gelbe Karte ab wie Cedric Brunner. Für den Schweizer ist es die fünfte in der laufenden Saison. Brunner ist damit beim Topspiel am kommenden Sonntag in Hamburg gesperrt.

Körperkontakt gibt es auch in der 16. Minute. Und zwar einen folgenschweren. Der Osnabrücker Joost van Aken stellt Klos im Strafraum ein Bein. Den fälligen Strafstoß verwandelt Arminias Kapitän gewohnt sicher.

Arminia führt. Überschwänglicher Jubel unter den Profis bleibt aus. Ein bisschen Abklatschen – weiter geht’s. Auf den Rängen, wo sich sonst 26.000 jubelnd in den Armen lägen, klatschen ein paar Klubangestellte Beifall.

Arminia kontrolliert das Spiel, gönnt den Gästen im ersten Durchgang keine echte Torchance. Der DSC wird seiner Rolle als Spitzenteam gerecht, auch der etwas unerwartet anstelle von Cebio Soukou aufgebotene Nils Seufert fügt sich gut ein.

Andres Voglsammer erlebt den Treffer auf der Bank. Der Angreifer kommt nach seinem Ende Januar in Aue erlittenen Mittelfußbrauch später noch ins Spiel.

Aus der Kabine kehrt Arminia unverändert zurück. Und auch der Spielverlauf bleibt gleich. Yabo hat die Chance zu erhöhen, drängt in den Strafraum, zieht ab. VfL-Torwart Philipp Kühn ist zur Stelle, wehrt den Ball ab (55. Minute). Auf der Gegenseite stoppt DSC-Verteidiger Joakim Nilsson VfL-Angreifer Assan Ceesay in letzter Sekunde (70.).

Arminia tut am Ende nur noch das Nötigste, lässt Osnabrück immer weiter vor das Tor kommen. Die Quittung: In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielt Marcos Alvarez das 1:1, woraufhin die Gäste fast alle Abstandsregeln über Bord werfen. Ihr kollektiver Aufschrei, der in eine Jubeltraube an der Eckfahne mündet, sorgt sogar für 30 Sekunden echtes Derbyfieber. Dann ist es wieder still.

Statistik

Bielefeld: Ortega - Brunner, Pieper, Nilsson, Hartherz - Prietl - Seufert (72. Kunze), Hartel (90.+1 Salger) - Clauss (60. Soukou), Klos, Yabo (72. Voglsammer)

Osnabrück: P. Kühn - Heyer, Van Aken, M. Trapp - Ajdini (83. Farrona Pulido), Taffertshofer (74. Br. Henning), Blacha, Agu (83. Amenyido) - Nik. Schmidt (86. Girth) - Heider (74. Alvarez), Ceesay

Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)

Tore: 1:0 Klos (17./Foulelfmeter), 1:1 Alvarez (90.+4)

Gelbe Karten: Brunner (5), Yabo (4), Soukou (2) / -

 

Stimmen

Reinhold Yabo (Arminia Bielefeld): „Die Fans haben einfach gefehlt. Daran müssen wir uns gewöhnen. Der späte Gegentreffer ist sehr ärgerlich. Wir hätten gerne drei Punkte mitgenommen. Wir haben über weite Strecken gut gespielt. Am Ende haben die Kräfte nachgelassen. Die Situation hat sich für uns nicht verschlechtert. Nächste Woche gegen den HSV wird es ein sehr interessantes Spiel. Wir sind heiß darauf und werden uns gut vorbereiten.“

Uwe Neuhaus (Trainer Arminia Bielefeld): „Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Das war sicher kein gutes Spiel von uns. Wir hatten zu wenig Zug zum Tor, zu wenig Chancen. Der Ausgleich war zu dem Zeitpunkt glücklich, aber nicht unverdient. Ich kann mir vorstellen, dass es am Fernseher nicht schön anzusehen war. Trotzdem haben wir noch sieben Punkte Vorsprung. Jetzt haben wir ein schöne Aufgabe nächste Woche in Hamburg vor uns.“

Daniel Thioune (Trainer VfL Osnabrück): „Es ist ein Punktgewinn. Wir haben diszipliniert verteidigt und der Arminia wenig tiefe Räume geöffnet haben. In der zweiten Halbzeit haben wir weiterhin wenig Räume gegeben und haben uns immer mehr Chance erspielt. Es ist ein glücklicher Punkt, der aber nicht unverdient. Wir haben extrem viel Disziplin gezeigt in den letzten zwei Monaten und wenn du dann in der letzten Minute ein Tor erzielst, dann ist die Freude so groß, dass man uns da nicht böse sein darf.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare

H.E.W.  wrote: 18.05.2020 14:37
Etwas mehr Mut ist gefragt
Gestern wurden eindeutig 2 Pkt verschenkt.
Warum geht man nicht vehement auf das 2. Tor.
Dieses zögerliche Ballgeschiebe wurde zum Ende
bestraft. Die Taktik ist voll in die Hose gegangen.
Wer aufsteigen will, von muß auch Tore schießen
Pippo  wrote: 17.05.2020 18:55
Luft nach Oben
Der beste Armine war heute Prietel. Die Abwehr stand auf gut. Nach vorne ging wenig zusammen. Vor der Abwehr war meistens Schluss. Aber zum Glück ordentlich Dusel gehabt, das auch die Konkurenz Startschwierigkeiten hatte. Der Geisterspielstart ist gemacht, ab jetzt darf es auch gerne besser werden.
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