Der DSC bezieht sein einwöchiges Quarantäne-Trainingscamp in der Klosterpforte
„Arminia bringt Leben in das Hotel“

Marienfeld/Bielefeld (WB). Dass die Fußballprofis von Arminia Bielefeld vor einem Zweitligaspiel das Hotel Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld (Kreis Gütersloh) beziehen, ist nicht neu. Neu sind aber die Umstände, unter denen der Tross des Zweitliga-Spitzenreiters am Montagmorgen einchecken wird. Wegen der Corona-Pandemie sind die Teams der 1. und 2. Liga vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs am kommenden Wochenende verpflichtet, sich für eine Woche in Quarantäne zu begeben. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) fordert dabei die Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Hoteldirektor Christopher Schemmink spricht mit Redakteur Dirk Schuster über die Krise, die besondere Verbindung zu Arminia und einen Rezeptionisten hinter Plexiglas.

Samstag, 09.05.2020, 05:00 Uhr
Der DSC Arminia weiß die Vorzüge der Anlage in Marienfeld bereits seit vielen Jahren zu schätzen. Hier ein Trainingsbild von 2006 mit (von links) Petr Gabriel, David Kobylik, Heiko Westermann, Artur Wichniarek, Co-Trainer Frank Geideck und Rüdiger Kauf. Foto: Stefan Hörttrich

 

Die Klosterpforte ist ein traditionsreiches Haus, das schon viele Vereine und auch Nationalmannschaften beherbergt hat. Inwieweit stehen Sie und Ihr Team dennoch vor einer neuen Herausforderung, Herr Schemmink?

Christopher Schemmink: Diese Situation hat noch keiner von uns erlebt, weder die Arminen noch wir. Auf beiden Seiten arbeiten Profis, dennoch betreten alle Neuland. Wir stehen mit den Verantwortlichen des Klubs wie Sport-Geschäftsführer Samir Arabi, Teammanagerin Caroline Klose und dem Hygienebeauftragten Dr. Tim Niedergassel in engem Austausch. Doch vieles ist ganz einfach ungewohnt.

 

Können Sie das genauer erläutern?

Schemmink: Unser Servicepersonal kennzeichnet außer einer hohen Kompetenz vor allem Herzlichkeit, die sich stark über den Mund und die Mimik ausdrücken lässt. Wenn nun alle Mitarbeiter Masken tragen und ohnehin die Interaktion mit den Gästen auf ein Minimum beschränkt ist, fällt das weitgehend weg. Wir müssen erhe

Christopher Schemmink (links) mit DSC-Sportchef Samir Arabi

Christopher Schemmink (links) mit DSC-Sportchef Samir Arabi Foto: Wolfgang Wotke

blich passiver sein als gewohnt. Das heißt, dass wir den Service in gewisser Weise neu erlernen müssen.

 

Wie viel Zeit hatten Sie, um sich vorzubereiten?

Schemmink: Wir kennen das Hygienekonzept der DFL seit Mitte April und haben die Zeit genutzt. Wir haben ausreichend Mundschutz bestellt sowie Handschuhe für das Servicepersonal und Einmalhandschuhe für das Küchenpersonal. Und wir haben sogar eine Plexiglasscheibe an der Rezeption installieren lassen, um auf Nummer sicher zu gehen. Es geht darum, Arminia zu schützen – aber natürlich auch unsere eigenen Mitarbeiter.

 

Welche Maßnahmen werden noch getroffen, die sich von dem Besuch einer Fußballmannschaft in normalen Zeiten unterscheiden?

Schemmink: Der Tisch wird zum Essen gedeckt, bevor die Mannschaft in den Raum kommt. Es wird, um direkten Kontakt zu vermeiden, auch kein Büffet angeboten. Abgedeckt wird, wenn die Spieler den Raum wieder verlassen haben. Außerdem haben wir den Platz zwischen den Stühlen vergrößert, damit der Mindestabstand zwischen den Personen gewährleistet ist. Zum Glück verfügen wir in unserem Haus über genügend Platz.

 

Wie viele Mitarbeiter werden sich um die Arminen kümmern?

Schemmink: Unser Personal arbeitet in zwei Schichten, insgesamt sind es circa 15 Personen.

Gab es auch Anfragen anderer Klubs, die Ihre Räumlichkeiten und Ihr Know-how gern genutzt hätten?

Schemmink: Ja, die gab es.

 

Von wem?

Schemmink: Das waren einige: Köln, Werder Bremen, Hoffenheim.

 

Hätten Sie mit anderen Klubs mehr Geld verdienen können?

Schemmink: Ja, aber wir haben vor einigen Jahren eine Kooperation mit Arminia geschlossen. Der Klub ist ein langjähriger Partner. Und Tradition verbindet. Für uns war darum klar, Arminia in dieser für alle schwierigen Zeit zur Seite zu stehen und die Partnerschaft zu leben. Mehr noch: Wir sind superglücklich, dass Arminia und damit Leben in das Hotel kommt.

 

Wo und wie ist Arminia untergebracht?

Schemmink: Arminia ist in unserem Sporthotel 11 untergebracht, das wir damals zur WM 2006 errichten ließen. Die Spieler und Verantwortlichen beziehen ausschließlich Einzelzimmer. Wir hätten aufgrund der insgesamt drei Fußballplätze und unserer Kapazitäten in einem anderen Gebäude sogar noch eine weitere Mannschaft unterbringen können. Aber wir wollten hinsichtlich einer Ansteckungsgefahr ganz bewusst kein Risiko eingehen.

 

Inwiefern hat die Corona-Krise auch Ihr Haus getroffen?

Schemmink: Wir sind in erster Linie ein Event- und Veranstaltungshotel. Davon leben wir zu 60 bis 70 Prozent. Aber diese Veranstaltungen, von denen wir leben, wird es auch weiterhin zunächst einmal nicht geben, was einen tiefen Einschnitt bedeutet.

 

Müssen Sie sich Sorgen um Ihr Hotel machen, wenn sich die Situation in absehbarer Zeit nicht ändert?

Schemmink: Man macht sich viele Gedanken. Wir hatten auf 100 Prozent Kurzarbeit umgestellt. Jetzt kommt zum Glück Arminia. Aber im Falle dauerhafter Einbußen kann es eng, womöglich sogar existenzbedrohend für uns werden. Wir hatten im April null Euro Umsatz.

 

Demgegenüber dürften enorme Fixkosten stehen.

Schemmink: So ist es. 180.000 Quadratmeter wollen instand gehalten werden. Denn wenn wir es nicht tun und der Betrieb eines Tages wieder hochgefahren wird, dann wird es noch teurer, alles wieder herzurichten. Dass dieses Haus schon vor langer Zeit auf die Karte Fußball gesetzt hat, erweist sich in der jetzigen Situation einmal mehr als Volltreffer. Denn ohne das hätten wir jetzt gar nichts zu tun.

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