Arminias Teamarzt Elsner über die Herausforderung Corona und Eigenverantwortung der Profis
„Unsere Spieler wissen, worum es geht“

Bielefeld (WB). Nur mit der Einhaltung des von der DFL vorgegeben Hygienekonzepts sind der Restart und die Durchführung der 1. und 2. Liga machbar. Beim Zweitligatabellenführer Arminia Bielefeld überwacht der leitende Mannschaftsarzt Dr. Andreas Elsner die Maßnahmen, worüber der Bielefelder Orthopäde im Interview mit Sebastian Bauer spricht.

Mittwoch, 06.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 05:04 Uhr
Wenn die 1. und 2. Liga den Spielbetrieb wieder aufnehmen, werden Coronavirus-Tests eine zentrale Rolle spielen. Foto: dpa

 

Wie groß wird für Sie die Herausforderung Corona in den kommenden Wochen?

Andreas Elsner: Dr. Tim Niedergassel und ich machen das zusammen. Er ist der Internist und Hausarzt in unserem Ärzteteam, daher hat auch er die komplexe Aufgabe des Hygienebeauftragten auf sich genommen. So eine Herausforderung hatten wir in der Historie noch nie. Neben der normalen Betreuung der Mannschaft ist das ein völlig neues Feld, wo wir mit größter Akribie und größter Konzentration permanent, täglich bis in den späten Abend, gefordert sind.

 

Sind Sie von der Task Force der DFL auf diese Herausforderung vorbereitet worden?

Elsner: Absolut. Die Task Force kümmert sich mustergültig darum. Es gibt sehr viele Videokonferenzen, die dazu abgehalten wurden. Wir haben einen dauernden Ansprechpartner und stehen da auch in ständigem Kontakt – bis in die höchste Ebene.

Arminias leitender Mannschaftsarzt Dr. Andreas Elsner.

Arminias leitender Mannschaftsarzt Dr. Andreas Elsner. Foto: Thomas F. Starke

Wie muss man sich die kommenden Wochen in Sachen Tests logistisch vorstellen?

Elsner: Es gibt von der DFL benannte Labore. Es ist ein Kontingent an Tests, die niemandem weggenommen werden, die extra dafür vorgesehen sind. Die Labore holen diese bei den Vereinen vor Ort ab. Die Tests werden am Trainingsgelände in einem isolierten Raum genommen, der einzeln betreten wird. Der Hygienebeauftragte führt dann den Test durch. In der Regel dauert es dann 24 Stunden, bis wir ein Ergebnis vorliegen haben. Ziel der Sache ist, dass es keine Störeffekte gibt. Wir sind also weit von dem entfernt, was man am Montag bei Hertha BSC Berlin zu sehen bekommen hat . Es ist bei uns sehr streng und unter höchsten hygienischen Bedingungen geregelt.

 

Es gibt viel Kritik am Restart. Wie beurteilen Sie eine Fortsetzung des Spielbetriebs unter Gesundheitsaspekten?

Elsner: Das werden die Testergebnisse zeigen. Wir hatten bei Arminia bislang jeden Test negativ. Wir haben schon kurz nach dem abgesagten Osnabrück-Spiel strenge Regeln ausgegeben. Und diese Regeln wurden sehr vorbildlich von den Spielern eingehalten. Das zeigen die negativen Testergebnisse. Unsere Spieler wissen, worum es geht.

 

Können Sie die Kritik aus medizinischer Sicht nachvollziehen, wenn gefordert wird, dass vor dem Fußball andere Bereiche zur Normalität zurückfinden sollten?

Elsner: Politisch als auch gesellschaftlich ist das ein sehr sensibler Bereich. Wir sind uns dieses sensiblen Bereichs aber bewusst. In dieser Form, mit einer regelmäßigen Testung und dem nötigen verantwortungsbewussten Umgang der Spieler, halte ich diesen aber für einen gangbaren Weg. Wir haben nun einmal eine einzigartige Situation, die diesen außergewöhnlichen Weg bedingt.

 

Das alles kann aber nur funktionieren, wenn die Profis eigenverantwortlich handeln. Das Beispiel Salomon Kalou bei Hertha hat gezeigt, dass das in Einzelfällen womöglich nicht gegeben ist. Ist ein mögliches Fehlverhalten das größte Restrisiko?

Elsner: Das Virus ist das größte Risiko. Und ja, das verantwortungsvolle Verhalten, etwa der Spieler und Betreuer sowie deren Angehörigen, ist wichtig.

 

Muss man immer wieder an die Eigenverantwortung der Spieler appellieren?

Elsner: Wir, der Trainer- und Betreuerstab, appellieren nachhaltig und regelmäßig an die Spieler. Das ist einer der großen Aufträge, die wir als Mannschaftsärzte jetzt haben.

 

Die Spieler sollen sich in einer Art Quarantäne bewegen. Dürfen Sie noch einkaufen, tanken oder mal an den Geldautomaten gehen?

Elsner: Wir werden hoffentlich keinen Spieler ohne Mundschutz in den notwendigen Bereichen sehen. Und natürlich werden sie die gängigen Abstandsregeln unter Wahrung des Eigen- und des Fremdschutzes einhalten. Man kann wohl tanken gehen, aber ansonsten sind die Spieler maßgeblich alleine in ihrem Auto unterwegs, kommen gezielt zum Trainingsgelände und nutzen am Trainingsgelände zum Beispiel auch nicht die Duschen und die Aufenthaltsräume.

 

Wie sieht es bei den Partnerinnen der Spieler aus, die Kontakt nach außen haben und sich infizieren könnten?

Elsner: Wir haben gewährleistet, dass die Partnerinnen, das häusliche Umfeld, getestet werden. Das ist eine Empfehlung der DFL, die wir umsetzen.

 

Wäre eine Mannschaftsquarantäne bis zum Saisonende nicht sinnvoller?

Elsner: Nach den ersten beiden Testreihen mit negativen Tests sehe ich eine gute Absicherung. Vor den Spielen gibt es eine quarantäneartige Situation, mindestens eine Woche lang vor effektivem Spielbeginn. Und die weiteren Tests werden zeigen, ob die verabredeten, sehr strengen Maßnahmen ausreichen. Im Moment sieht das so aus.

 

Reichen zwei Tests pro Woche aus?

Elsner: Es ist nicht nur die zweimalige Testung. Auch die Abstandsregeln und die Fast-Quarantäne-Situation der Spieler wird so angesehen, dass es möglich ist, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Wir halten uns dabei auch strikt an die Regelungen des Robert-Koch-Instituts. Die Quarantänebestimmungen etwa werden in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in Bielefeld organisiert. Wir entscheiden das ja nicht selber. Im Falle eines positiven Tests identifizieren diese die möglichen Quarantäne-Personen nach den infektiologischen Standards und die möglichen Kontakte. Bei allen Spielern entscheidet dann wieder der nächste Test.

 

Kann der Saisonabschluss so funktionieren?

Elsner: Hoffentlich ja! Wichtig ist, dass auch von Fanseite her trotz wieder stattfindender Spiele die Abstandsregelungen gewahrt bleiben. Das heißt: Wir können mögliche Fanversammlungen in keiner Weise empfehlen. Das wäre falsch verstandene Unterstützung. Wenn es dazu käme, müsste man fast davon ausgehen, dass das Konzept nicht aufgeht. Was die Mannschaft betrifft, kümmern wir uns um alle Hygienemaßnahmen. Wir werden beispielsweise, wenn nötig, mit zwei Bussen fahren, um die Abstandsregeln zu wahren. Dann geht es nicht, wenn Fans als Gruppe am Stadion auftauchen oder wenn sich Fans zuhause treffen, um gemeinsam die Spiele zu schauen. Das muss bitte vermieden werden.

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