Kacper Przybylko aus Bielefeld lebt in Philadelphia – auch dort ist Fußball derzeit nicht möglich
Teppich statt Rasen

Bielefeld/Philadelphia (WB). Kacper Przybylko macht sich Sorgen. Der gebürtige Bielefelder lebt in Philadelphia, weniger als zwei Autostunden von New York City entfernt. „Es ist schlimm, was dort passiert. Das scheint man kaum in den Griff zu kriegen“, sagt der Fußballprofi angesichts der schnell steigenden Zahlen von Menschen, die in New York am Coronavirus sterben.

Mittwoch, 08.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 05:01 Uhr
Kacper Przybylko muss seine Stabilitätsübungen im Wohnzimmer machen. Foto: privat

Przybylko ist der Meinung, die Gefahr sei zu lange unterschätzt worden. „Jetzt tragen Mitarbeiter in Krankenhäusern in New York Müllsäcke zum Schutz, weil richtige Schutzkleidung Mangelware ist“, sagt der 27-Jährige, der seit Mitte September 2018 in Philadelphia lebt. In der 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt im Bundesstaat Pennsylvania selbst gehe es derzeit noch „entspannt“ zu, berichtet Przybylko. Die Zahl der Infizierten liegt bei etwa 3700, gestorben sind an Covid-19 in Philadelphia etwas mehr als 40 Menschen.

Ähnlich zu Deutschland sollen die Menschen zuhause bleiben („stay-at-home order“), die Regelung gilt bis Ende April. „Einkaufen kann man jetzt auch nicht mehr rund um die Uhr, die Supermärkte schließen abends um acht“, erzählt Przybylko, der als Zehnjähriger zu Arminia Bielefeld kam und als Profi in der Rückrunde der Saison 2013/14 zum DSC zurückkehrte. In Deutschland stand er zudem noch beim 1. FC Köln, bei der SpVgg Greuther Fürth und beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag. Aus der Pfalz ging es dann in die USA.

Laufen im Park

In Philadelphia lebt Przybylko in einer Wohnung in einem Gebäudekomplex, zu dem auch ein Fitnessraum gehört. „Leider ist der im Moment auch geschlossen.“ Also macht der Stürmer seine Übungen im Wohnzimmer. Außerdem stehen natürlich Läufe auf dem Programm. Dabei trifft er schon noch auf Menschen, die Abstandsregeln werden aber eingehalten. Schilder weisen darauf hin. Viele Menschen tragen auch in Philadelphia Mundschutz und Handschuhe.

Jeden Tag bekommen die Spieler ihren Trainingsplan zugeschickt. Auch seine Freundin Kinga, die in der Software-Industrie arbeitet, ist derzeit im Homeoffice. Nach mehreren Wochen zuhause „macht mich das Rumsitzen verrückt“, sagt Przybylko. Das bestärkt ihn in seiner schon länger gefassten Absicht, nach der Karriere unbedingt einer Beschäftigung nachgehen zu wollen, die seinen Tag (aus-)füllt.

Das Wichtigste in diesen Zeiten: „Mir geht es blendend, bei uns in der Familie sind alle gesund“, sagt er. Den ersten Corona-Infizierten in der amerikanischen Fußballliga (MLS) musste Philadelphia Union vermelden, der Name bleibt geheim. Przybylko steckte sich nicht an, seine Teamkameraden hat er schon seit Wochen nicht gesehen. Reisen sind nicht erlaubt. Das letzte Ligaspiel war am 9. März. Lediglich zwei Partien wurden absolviert, die MLS spielt in der Regel von Anfang März bis Oktober. Wann es weitergeht, ist offen.

Kontakte im virtuellen Raum

Die Spieler halten über das Internet Kontakt. Mannschaftskapitän Alejandro Bedoya informierte sein Team über ein Gespräch, das er mit MLS-Verantwortlichen führte. „Darin ging es auch um das Thema Gehaltsverzicht“, berichtet Przybylko. Bisher ist dazu keine Entscheidung gefallen. MLS-Boss Don Garber und weitere Topmanager bekommen laut US-Medienberichten ab dem 16. April 20 Prozent weniger Gehalt ausbezahlt.

Wie mit den Teamkollegen beschränken sich auch die meisten anderen Kontakte Przybylkos auf den virtuellen Raum. „Mit meinen Eltern in Bielefeld spreche ich in der Regel täglich, sie sind zum Glück auch gesund“, berichtet er. Auch mit seinen Brüdern Matheus (Hochsprung-Europameister 2018) und Jacub (Fußballer beim Oberligisten SC Wiedenbrück) tauscht er sich oft aus.

Auch über US-Präsident Donald Trump. „Ich denke, er hat das Virus zu locker genommen. Jetzt spricht er von bis zu 200.000 Toten und meint, er mache einen guten Job. Das sagt viel aus“, meint Kacper Przybylko und hofft, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommt.

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