Arminia-Trainer Neuhaus erklärt die Konstanz zum entscheidenden Faktor Aufstieg? »Die Voraussetzungen sind da«

Bielefeld (WB). Von allen Erkenntnissen, die das 1:0 am Montagabend in Osnabrück den Arminen gebracht hat, zählen diese zwei zu den wertvollsten: 1. Die Bielefelder können auch ohne Fabian Klos gewinnen. 2. Die Mannschaft ist gefestigt genug, um Rückschläge wie das Last-Minute-0:1 im Topspiel gegen den VfB Stuttgart wegzustecken. Klar, dass sich die Fragen nach Arminias Aufstiegsambitionen mehren.

Von Dirk Schuster
Arminia macht die Welle: Andreas Voglsammer (rechts) erwies sich in Osnabrück im Bielefelder Sturmzentrum als starker Klos-Vertreter.
Arminia macht die Welle: Andreas Voglsammer (rechts) erwies sich in Osnabrück im Bielefelder Sturmzentrum als starker Klos-Vertreter. Foto: Thomas F. Starke

Was seinem Team denn noch fehle gegenüber den Topmannschaften Hamburg und Stuttgart, wurde Uwe Neuhaus gefragt. »Zwei Punkte«, antwortete der DSC-Trainer trocken, holte dann aber doch ein bisschen weiter aus. »Ich bin geneigt, den Ball flach zu halten, denn Rumspinnerei ist nicht mein Ding«, sagte Neuhaus. Aber: »Wir sind im Moment zurecht da oben, das steht für mich außer Frage.«

Denn in den neun Saisonpartien bisher habe sein Team keine richtigen Schwächen gezeigt, lediglich mal schlechte Spielphasen durchlebt, weshalb er der Mannschaft »schon einiges zutraut«. Neuhaus: »Die Spieler sind lernfähig und willig. Im Moment ist alles gut.« Jedoch sei es bis zum Traumziel Bundesliga »noch ein ganz, ganz langer Weg«. Neuhaus benennt, worauf es ankommen wird: »Konstanz ist im Fußball mit das Wichtigste. Ob die Qualität dann letztlich ausreicht, um den Zwei-Punkte-Schnitt zu halten, ist schon mit einem Fragezeichen zu versehen. Aber die Voraussetzungen sind da.«

Gierig und im entscheidenden Moment eiskalt

Wie reif der Zweitliga-Dritte an der Bremer Brücke auftrat, wie selbstverständlich er gegen den – allerdings auch zahnlosen – Aufsteiger den Ball zirkulieren ließ, nährt den Verdacht, dass er den gefühlten Erstligisten HSV und VfB lange, vielleicht sogar bis zum Schluss, Feuer machen und potenzielle Mitbewerber wie Nürnberg, St. Pauli und Hannover in Schach halten kann. »Nie locker zu lassen, die nötige Geduld an den Tag zu legen, souverän zu wirken, gierig zu sein und im entscheidenden Moment eiskalt« – alles das hatte Neuhaus seinen Spielern mit in die Partie gegeben. Hinterher durfte der 59-Jährige zufrieden feststellen: »Alles erfüllt.«

Und das, obwohl in Fabian Klos der Anführer dieser Mannschaft wegen einer Gelb-Rot-Sperre gar nicht mit dabei war. »Seine Qualitäten sind unbestritten, seine Bedeutung für die Mannschaft ebenfalls. Aber ich finde es auch wichtig, dass wir in Zeiten, wenn es bei ihm mal nicht so läuft oder er so wie diesmal gänzlich fehlt, in die Bresche springen können«, befand Andreas Voglsammer. Der sonst vorne links eingesetzte Angreifer entschied diesmal als Mittelstürmer in der Klos-Rolle mit seinem traumhaften Treffer ein einseitiges Derby. Voglsammer: »Wir haben defensiv nichts anbrennen lassen. Ich habe zu keiner Zeit gedacht, dass wir noch ein Gegentor fressen könnten.«

Voglsammer spielt gerne auf der linken Seite

Hinten standen die Arminen stabil, und vorne konnten sie sich auf ihren Klos-Vertreter verlassen. »Das diskutieren wir jetzt aus, wer nächstes Mal Mittelstürmer spielt. Es wird richtig eng für ihn«, grinste Voglsammer. Der kleinen Frotzelei in Richtung Klos ließ Voglsammer einen kleinen, aber spannenden Einblick in seine Gedankenwelt folgen: »Im Prinzip ist die Rolle des Mittelstürmers schon meine Lieblingsrolle. Aber ich habe mich richtig gut angefreundet mit der linken Seite. Es macht megaviel Spaß, so wie wir das spielen. Und ich weiß ja auch, wen wir normalerweise da vorne drin haben.«

Dass Arminia das beste Auswärtsteam der 2. Liga ist, liegt nicht zuletzt an Voglsammer. Von seinen fünf Saisontreffern gelangen ihm vier in der Fremde.

Nach der Länderspielpause geht es für den DSC mit dem »geilen Spiel« (Florian Hartherz) daheim gegen Hamburg weiter. »Das wollen wir natürlich gewinnen«, sagt Hartherz. Das Aufstiegsthema, es würde dann erneut hochkochen. Hartherz: »Wir sind gut dabei und wir sind ein eingeschworener Haufen. Aber ich habe schon viel erlebt im Fußball. Wenn wir an den letzten drei Spieltagen noch da oben stehen, können wir gerne darüber reden.« Und auch Sport-Geschäftsführer Samir Arabi denkt fürs Erste nur in kleinen Schritten: »Wir freuen uns, dass wir am übernächsten Montag gegen den HSV vor ausverkauftem Haus wieder ein super Spiel haben – und um nichts anderes geht es.«

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