Fußball-Zweitligist nutzt im Training dreieckige Spielgeräte eines Österreichers Der Ball ist rund? Bei Arminia nicht immer...

Bielefeld/Wien (dpa). Weltmeister-Trainer Sepp Herberger lehrte einst: Der Ball ist rund. Doch was, wenn nicht? Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld setzt im Training mit den Torhütern regelmäßig auf ganz spezielle, dreieckige Bälle.

Während DSC-Torhüter Stefan Ortega im Spiel nach einem runden Ball greift, bekommt es der 26-Jährige in den Trainingseinheiten auch schon mal mit einem dreieckigen Spielgerät zu tun.
Während DSC-Torhüter Stefan Ortega im Spiel nach einem runden Ball greift, bekommt es der 26-Jährige in den Trainingseinheiten auch schon mal mit einem dreieckigen Spielgerät zu tun. Foto: dpa

»Unser Torwart-Trainer Marco Kostmann nutzt die Bälle gerne zum Aufwärmen des Gehirns und der Hände«, erzählt Vereinssprecher Daniel Mucha. »Das kommt bei den Torhütern auch gut an.« Der Entwickler des besonderen »Leders« heißt Johannes Anderl und kommt aus Österreich. Er ist sich sicher: Unförmige Bälle können beim Fußball-Training besonders hilfreich sein.

Der DSC setzt die besonderen Bälle dosiert ein

Daher hat er dreieckige und tablettenförmige Fußbälle entwickelt, mit denen vor allem Reaktion, Koordination und Konzentration gefördert werden sollen. »Die Athletik der Spieler ist schon relativ ausgereizt. Aber bei der Handlungsschnelligkeit gibt es noch deutlich mehr Potenzial«, sagt Anderl. Genau dort sollen seine Entwicklungen Corpus I und II ansetzen - und das Konzept überzeugt auch manchen Bundesliga-Verein.

Johannes Anderl ist der Entwickler der dreieckigen Bälle. Foto: dpa

Bei Arminia Bielefeld soll der Einsatz der Bälle etwas Besonderes bleiben. Sie werden daher dosiert genutzt. »Schusstraining, um etwa abgefälschte Bälle zu simulieren, machen wir damit aber nicht«, betont DSC-Vereinssprecher Daniel Mucha.

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Schusstraining, um etwa abgefälschte Bälle zu simulieren, machen wir damit aber nicht

Daniel Mucha

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Sie ist eben schon sehr speziell – die pyramidenförmige Entwicklung aus Österreich. Ziel sei es gewesen, dass man mit seinen Produkten so fußballspezifisch arbeiten könne wie möglich. »Daher sind sie in Sachen Material, Größe und Gewicht einem gewöhnlichen Fußball nachempfunden«, erklärt Johannes Anderl. Doch schon bei einfachen Pässen wird klar: Bei diesen Bällen wird alles noch unberechenbarer, als das Spiel mit einem kugelrunden Ball sowieso schon ist.

Ziel: Neue Situationen sollen schneller eingeschätzt werden können

Anderls Corpus-Spielgeräte sind sogenannte Reaktionsbälle, die in verschiedenen Formen und aus verschiedensten Materialien erhältlich sind. Das Ziel des Trainings mit solchen Bällen ist es, neue Situationen schneller einschätzen zu können. Zwischen der Wahrnehmung und der Handlung erfolgen laut gängigen Entscheidungsmodellen im Gehirn die Schritte Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung. Dieser Ablauf soll beschleunigt werden.

Schwer vorhersehbare Umwelt fördert den Lernerfolg

Aus wissenschaftlicher Sicht hat ein solches Training tatsächlich seine Berechtigung. Eine variable Lernumgebung habe durchaus einen Effekt auf die motorischen Lernprozesse, sagt etwa Bewegungswissenschaftler Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule in Köln. »Es gibt Theorien und Befunde aus der Motorik-Forschung, dass variable Lernumgebungen etwas sind, wo Menschen eine kognitive Anstrengung machen müssen.« Für Lernerfolge sei es gut, wenn man die Umwelt nur schwer vorhersehen könne – was auch bei einem gewöhnlichen Ball schon zutrifft.

»Ob exakt diese Bälle beziehungsweise Formen dazu führen, dass man verschiedene Techniken oder Spielintelligenz besser lernt und kreativer wird, ist völlig unklar«, sagt Memmert. Es sei prinzipiell möglich, dies mit wissenschaftlichen Studien zu überprüfen. Stand jetzt seien ihm aber keine entsprechenden Ergebnisse bekannt.

Neben Arminia nutzt auch Hertha BSC die dreieckigen Bälle

Neben Arminia Bielefeld vertrauen aber auch einige bekannte Bundesliga-Vereine dem studierten Sportgerätetechniker Anderl ohne solche Studien. Dennoch will er keine Verkaufszahlen verraten. »Unsere Trainer nutzen die Bälle gerne, weil dadurch Aspekte wie Konzentration, Handlungsschnelligkeit und Koordination in spielerischer Form geschult werden«, teilte etwa Hertha BSC mit.

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