Beim 1:5 in Köln präsentiert sich Arminia wie im Ausflugsmodus In Ehrfurcht erstarrt

Köln (WB). Wenn man den Arminen wenigstens etwas zugute halten wollte nach dem Fünf-Tore-Untergang am Rhein, dann war es die Tatsache, dass sich wirklich niemand beim DSC von der Selbstkritik ausnahm. Nur reifte die Erkenntnis am Samstag deutlich zu spät.

Von Sebastian Bauer
Und wieder ist der Ball im Tor: Jhon Cordoba (auf dem Boden) konnte zuvor nahezu ungestört von Brian Behrendt (Mitte) einschießen.
Und wieder ist der Ball im Tor: Jhon Cordoba (auf dem Boden) konnte zuvor nahezu ungestört von Brian Behrendt (Mitte) einschießen. Foto: imago

Die schonungslose Selbstanalyse hätten sich die Bielefelder natürlich ersparen können , nur wäre dafür der Auftritt eines Zweitligisten statt dem einer Fußballmannschaft im Ausflugsmodus nötig gewesen. »Ich habe schon früh gespürt, dass irgendwas anders ist. Das hat sich durchs komplette Spiel gezogen«, sagte Arminias Trainer Uwe Neuhaus nach dem 1:5 (0:2) bei Tabellenführer 1. FC Köln.

Was der Coach meinte: Kaum war der Anpfiff verklungen, schienen die Gäste in Ehrfurcht vor dem Gegner und vor der Kulisse mit 50.000 Zuschauern (darunter 4000 DSC-Fans) zu erstarren – den DSC verließ umgehend der Mut. Das alles verstärkte sich durch die Kombination von vollkommen überforderten Arminen und völlig fokussierten Kölnern. »Man hatte das Gefühl, als wenn wir die Party hier nicht verderben wollen. Von Anfang bis Ende waren wir chancenlos«, ärgerte sich Sportgeschäftsführer Samir Arabi.

Terodde, Terodde, Terodde

Es war beinahe überraschend, dass es bis zum ersten kölschen Torjubel 14 Minuten dauerte, hatten die Hausherren doch schon zuvor beste Chancen. So durfte Dominick Drexler das Kölner Torfest mit seinem 1:0 eröffnen. Begleitschutz bekam er vom sich raushaltenden DSC-Verteidiger Stephan Salger, der Drexler so gut wie gar nicht auf seinem Weg in den Strafraum störte.

Mann des Tages war allerdings ein anderer: Simon Terodde. Ihn kannten die Arminen bestens. Mit ihm hatten sie so einige Rechnungen offen, hatte Terodde mit Bochum, Stuttgart und eben Köln doch insgesamt schon zehnmal gegen die Arminen getroffen. Am Samstag schenkte er den biederen Bielefeldern gleich noch drei Dinger ein. 21., 69., 90. Minute. 2:0, 4:0, 5:1. Terodde, Terodde, Terodde. Bei seinen zwei Treffern mit dem Kopf wurde nicht nur der wegen eines grippalen Infekts fehlende starke Kopfballspieler Julian Börner schmerzlich vermisst. Was fehlte war die grundsätzliche Bereitschaft zur Defensive. »Wir haben als Mannschaft nicht gut verteidigt – bei den Stürmern angefangen«, kritisierte Angreifer Fabian Klos sich und die Kollegen.

Angefressener Ortega Moreno

Deutlich angefressener war Stefan Ortega Moreno. Bei allen fünf Gegentreffern war der DSC-Schlussmann und am Samstag beste Armine chancenlos gewesen und von der Abwehr im Stich gelassen worden. »Ich muss mich ein bisschen zusammenreißen. Es war von vielen heute viel zu ängstlich. Ich kann mir auch nicht erklären, warum man so ein Spiel hier nicht genießen kann und man ganz anders auftritt. Gerade bei den Gegentoren war das schon ziemlich scheiße«, redete der Keeper Klartext.

Er könnte damit etwa das 3:0 (48.) von Jhon Cordoba gemeint haben. Auf der linken Seite zog der FC-Stürmer davon und Brian Behrendt erst neben- und dann hinterher. Dabei verpasste Arminias Abwehrmann mehrmals die Chance, den Kölner entscheidend auf seinem Weg zum Tor zu stören.

»Ein kleines bisschen kam es mir so vor wie das Kaninchen vor der Schlange. Mit so viel Passivität ist es eine Frage der Zeit, bis die Tore fallen«, sagte Neuhaus: »Wir wollten die Zweikämpfe nehmen, um ihnen Respekt einzuflößen. Es war eher anders herum: Wir haben uns mehr oder weniger gar nicht hingetraut.«

Die Klatsche kam vor dem Westfalenderby gegen den VfL Bochum am Sonntag in der Schüco-Arena. Neuhaus glaubt aber nicht, dass die Niederlage großen negativen Einfluss darauf haben wird: »So gut kenne ich die Mannschaft noch nicht. Aber ich denke nicht, dass es nachwirkt.« Vizekapitän Fabian Klos kündigte nach der Schmach im Rheinland dennoch an, den ein oder anderen im Notfall noch einmal an die korrekte Ausführung seines Jobs gegen Bochum zu erinnern: »Falls es einer noch nicht weiß, dann werde ich es den Jungs sagen: Für die Fans ist das nächste Woche auch ein extrem wichtiges Spiel.« Es ist also Wiedergutmachung angesagt.

Kommentare

Entschuldigung, aber dass Ortega in diese Kritik mit aufgenommen wird, halte ich für - Verzeihung - Stuss!
Wenn irgendjemand in dieser Truppe das Format hat, dann der Torwart.
Begleitschutz laufende, ständig den Aufbau abbrechende und zurück spielende Inneverteidiger oder den Ball weit nach vorne holzende Innenverteidiger sehe ich gleichwohl richtig in der Kritik aufgeführt.
Und ja, in der defebsive ist dringender Handlungsbedarf an wirklich guten Leuten, die das Team weiter bringen.
IV, AV (speziell links), Außenbahnspieler und spielstarke 6er.
Also, da steht so einiges auf dem Zettel.

Abwehrschwäche

Dieses Spiel hat wieder einmal deutlich unsere
Abwehrschwächen aufgedeckt.
Ortega und seine Vorderleute haben nicht das
Format im oberen Drittel der Liga mitzuspielen.
Ausnahme Börner in guter Verfassung.
Ich hoffe Uwe Neuhaus zeigt dem sportlichen
Leiter S. Arabi mal, wie man sich verstärkt
und nicht nur den Kader mit verletzungsanfälligen
und schwachen Spielern auffüllt.
Davon könnte ich hier eine ganze Reihe aufzählen,
aber die sind ja allen Kennern bekannt.
Leider hat S. A. hier Narrenfreiheit, was ich
pers. sehr bedauere.

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