Markus Anfang über Kiels Höhenflug, Arminia und die Köln-Gerüchte Kiel-Trainer: »Können jedes Spiel genießen«

Bielefeld(WB). Als Markus Anfang (43) Ende August 2016 Trainer bei Holstein Kiel wurde, hatte der damalige Drittligist die gerade abgelaufene Saison auf Platz 14 beendet. Jetzt klopfen die »Störche« ans Tor zur Bundesliga. In Bielefeld wollen Anfang und seine Kieler einen weiteren Schritt Richtung Aufstieg machen. Zuvor beantwortete er die Fragen von Jens Brinkmeier.

Der Durchmarsch ist zum Greifen nah: Markus Anfang hat Aufsteiger Kiel auf den dritten Tabellenplatz geführt, Rang zwei ist in Reichweite.
Der Durchmarsch ist zum Greifen nah: Markus Anfang hat Aufsteiger Kiel auf den dritten Tabellenplatz geführt, Rang zwei ist in Reichweite. Foto: Thomas F. Starke (Archiv)

»Störche« kommen in Bestbesetzung

Holstein Kiel kann das Spiel bei Arminia Bielefeld am Ostersonntag (13.30 Uhr) aller Voraussicht nach mit der Erfolgself der vergangenen Wochen bestreiten. Innenverteidiger Dominik Schmidt hat seine Rückenverletzung, die ihm zuletzt im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (2:1) zu schaffen machte, nahezu auskuriert und trainiert wieder voll mit dem Team.

Auch die angeschlagenen Tom Weilandt und Aaron Seydel sind für Trainer Markus Anfang wieder Optionen. »Alle konnten heute am Training teilnehmen. Jetzt müssen wir abwarten, wie die Reaktion auf die Belastung ist«, sagte der 43-jährige Coach des Tabellendritten am Donnerstag in Kiel.

Herr Anfang, Sie haben mit Holstein Kiel die Chance zum Durchmarsch in die Bundesliga. Denken Sie manchmal noch, dass Sie vielleicht träumen?

Markus Anfang: Nein, das tue ich nicht. Ich war und bin überzeugt von meiner Mannschaft. Wir haben uns im vergangenen Sommer nach dem Aufstieg ja bewusst dazu entschieden, die Mannschaft weitestgehend zusammen zu halten. Wir hatten das Vertrauen in die Jungs, dass sie auch in der 2. Liga mithalten und guten, attraktiven Fußball zeigen können. Das einzige, was mich vielleicht überrascht, ist, dass wir uns so oft auch mit Ergebnissen belohnt haben.

Der Klassenerhalt ist geschafft, Platz zwei ist in Reichweite. Wären Sie nach der bisher grandiosen Saison enttäuscht, am Ende nicht mindestens Dritter zu werden?

Anfang: Nein, absolut nicht. Natürlich will man das Optimum herausholen. Aber wir dürfen nie vergessen, wo wir herkommen. Wir sind nach 36 Jahren wieder in der 2. Liga angekommen. Und spielen dann so eine Runde. Es ist Ende März und wir können jede Woche die Spiele genießen. Und das ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Liga.

Sie haben Holstein aus dem Schatten des THW Kiel herausgeholt. Merken Sie die neue Fußballeuphorie in der Stadt?

Anfang: Seitdem ich vor eineinhalb Jahren nach Kiel gekommen bin, ist schon einiges passiert hier. Das Stadion ist immer ausverkauft, auswärts begleiten uns so viele Kieler, und das trotz der etwas ungünstigen Lage am Rande der Republik. Aber wir sehen uns in keiner Weise als Konkurrenten, der THW und wir. Kiel ist eine Sportstadt, da gehören auch noch die Segler, Surfer, Beachvolleyballer usw. dazu. Und wir wollen die Region gemeinsam stärken.

Was sind die Gründe für Platz drei?

Anfang: Dieses Jahr ist die Liga brutal ausgeglichen. Es gibt keine klaren Favoriten wie im letzten Jahr Stuttgart und Hannover. Wir sind gut in die Runde reingekommen, hatten im Herbst eine Phase, die war einfach überragend. Du gewinnst Spiele oder holst noch Unentschieden nach Rückstand, dadurch wächst das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die Mannschaft steigt, die Automatismen greifen. Aber eine Saison ist lang, und wir wussten, dass auch mal eine Durststrecke kommen kann. So wie bei uns im Winter, wo wir uns mal einige Wochen lang nicht mit Ergebnissen belohnt haben. Da ist es dann einfach wichtig, fokussiert zu bleiben, den Glauben nicht zu verlieren und weiter hart zu arbeiten.

Es waren insgesamt elf Spiele, die sie in Folge nicht gewonnen haben, jetzt sind Sie wieder in der Spur. Wie haben Sie die Durststrecke überwunden?

Anfang: Wie ich schon sagte: indem man weiter arbeitet und nicht unruhig wird. Wir haben in den meisten Spielen guten Fußball gespielt, haben es aber nicht geschafft, diese Spiele in Siege umzumünzen. Da muss man dann alles tun, um sich diese wieder zu erkämpfen.

Die 2. Liga ist so eng wie nie, das Hinspiel gegen Arminia gewann Ihr Team knapp (2:1). Was macht für Sie als »Neuling« die 2. Liga aus, und wie sind Ihre Erinnerungen an das Hinspiel?

Anfang: Alle Mannschaften sind auf Augenhöhe, jeder kann in dieser Liga jeden schlagen. Das Hinspiel im Oktober war umkämpft. Die Bielefelder sind aggressiv aufgetreten und haben in den Zweikämpfen gezeigt, was 2. Liga bedeutet. Der 2:1-Erfolg war für uns ein schöner Sieg, weil wir mal einen Ein-Tore-Vorsprung über die Zeit gebracht haben.

Was erwarten Sie am Ostersonntag auf der Bielefelder Alm, wo der DSC Arminia wohl nur mit einem Sieg seine kleine Aufstiegschance wahren kann?

Anfang: Ich erwarte ähnliche 90 Minuten wie im Hinspiel. Ein zweikampfbetontes Spiel auf Augenhöhe, die Arminen werden auf Sieg spielen und die Fans werden sie richtig unterstützen.

Wie schätzen Sie Arminia generell ein?

Anfang: Die Arminia ist ein Traditionsklub mit viel Geschichte und Erfahrung, einem tollen Stadion und euphorischen Fans. Mit diesen Attributen steigt zwangsläufig die Erwartungshaltung in solchen Vereinen.

Sie werden seit Monaten als neuer Trainer des 1. FC Köln gehandelt. Inwieweit beeinflussen Sie die Gerüchte bei Ihrer Arbeit?

Anfang: Die beeinflussen mich in meiner Arbeit gar nicht.

Haben Sie als gebürtiger Kölner denn generell das Ziel oder den Traum, einmal beim »Effzeh« zu arbeiten?

Anfang: Ich habe im Moment das Ziel, die Runde mit vollem Einsatz zu Ende zu spielen. Dafür tun wir alles. Wir wollen die letzten sieben Spiele bestmöglich bestreiten und dann schauen, was am Ende dabei rauskommt. Mit etwas anderem beschäftige ich mich nicht.

Wie lautet Ihr Tipp für das Spiel in Bielefeld?

Anfang: Ich tippe nicht. Aber wir werden alles dafür tun, um ein gutes Spiel zu machen. Und dann hoffe ich, dass wir uns am Ende auch belohnen werden.

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