Arminias neuer Trainer gilt als Teamplayer, der auch durchgreifen kann Jeff le Chef

Bielefeld (WB). Man muss Jeff Saibene nicht lange kennen, um zügig festzustellen: In der Unterhaltungsbranche Profifußball gibt Arminia Bielefelds neuer Trainer ungern den großen Entertainer.

Von Sebastian Bauer
Jeff Saibene (Mitte) ist der Chef, gibt aber nicht den Boss. Der neue DSC-Trainer vertraut voll auf seine beiden Co-Trainer Carsten Rump (links) und Sebastian Hille.
Jeff Saibene (Mitte) ist der Chef, gibt aber nicht den Boss. Der neue DSC-Trainer vertraut voll auf seine beiden Co-Trainer Carsten Rump (links) und Sebastian Hille. Foto: Starke

Diese sympathische, zurückhaltende Art allein genügt sicher nicht für die große Aufbruchstimmung beim abstiegsbedrohten Zweitligisten.  Aber es macht den Eindruck, als wenn sich Trainer und Verein zur richtigen Zeit aufeinander eingelassen hätten.

Denn das, was Saibene mitbringt, könnte genau das sein, was dem DSC in stürmischen Zeiten zuletzt zumindest in dieser Mischung fehlte : eine ruhige, aber bestimmte Hand, viel Erfahrung im Abstiegskampf und ein Arbeiten im Kollektiv. Zumindest verbal brachte Saibene diese Einstellung zum Job bei seiner Vorstellung gestern selbst auf den Punkt: »Ich werde mich hüten, alles umzustellen. Ich werde mit Carsten und Sebastian zusammen diese Mannschaft führen«, sagte der Coach und brach umgehend auf, um sich mit seinen beiden Co-Trainern Carsten Rump und Sebastian Hille auszutauschen.

Saibene gibt nicht den Zampano

Auch auf dem Platz gab der 48-Jährige am Nachmittag nicht den großen Zampano, sondern vor allem den Beobachter. Zu hören war zunächst meist nur Rump. Mittendrin stand Saibene. Er beobachtete, hielt hier einen Smalltalk, redete kurz dort, bekam ein Gefühl für sein neues Team. Erst später griff der neue Übungsleiter auch aktiver ein.

Bleibt natürlich die Frage, wie schnell das Team, die Fans und der Verein ein Gefühl für die große Unbekannte Saibene bekommen und so erfolgreich zusammenfinden. Gerade jetzt, wo die Zeit rennt. Saibene selbst fürchtet sich vor der neuen Liga und dieser sehr großen Aufgabe, den DSC in nur neun Spielen zu retten, nicht: »Ich habe keine Angst, nur Riesenfreude und Motivation. Man weiß nicht, wie oft man so eine Chance im Leben bekommt. Deshalb gibt es für mich keine negativen Punkte – im Gegenteil.«

»Ich bin Fußballfanatiker«

Jeff Saibene formulierte sein Selbstbewusstsein durchaus deutlich. Auch auf die Frage, wie genau er die 2. Liga überhaupt kenne, fand der Trainer eine klare Antwort: »Ich bin Fußballfanatiker. Ich kenne alle Ligen von Deutschland, England und Frankreich und natürlich auch die 2. Liga.«

Dort, wo Saibene sportlich bereits Spuren hinterlassen hat, wurde die Mischung aus Teamplayer und Mann ohne Allüren geschätzt. Genau wie die Tatsache, dass Saibene durchaus anders kann. »Jeff le Chef« taufte man ihn auf seiner Station beim FC St. Gallen. Mit dem Schweizer Erstligisten war Saibene abgestiegen, aufgestiegen und erreichte die Europa Leauge. Da Erfolg in den seltensten Fällen nur auf Kuschelkurs beruht, wusste Saibene in St. Gallen wie auch bei seinem letzten Klub FC Thun durchaus durchzugreifen, wenn der Erfolg ausblieb. Damit kam er an. So war nach seinem Rücktritt in St. Gallen im Schweizer »Tagblatt« zu lesen: »Auch der Abgang hat – wie alles, was Jeff in den vergangenen vier Jahren geleistet hat – großen Stil!«

Sein Stil: etwas beenden, bevor es beendet wird

Und es gehört auch zum Saibene-Stil, etwas zu beenden, bevor es beendet wird. In St. Gallen und in Thun kündigte der Coach jeweils selbst seinen Abschied an. Im Rauswurf-Geschäft Fußball eine Seltenheit. Eigener Antrieb und eine realistische Einschätzung der Situation dürften sich dabei die Waage gehalten haben. »Wenn Einigkeit darüber besteht, nicht mehr gemeinsam weiterarbeiten zu wollen, muss auch eine Uneinigkeit am Ursprung stehen«, schrieb die Neue Zürcher Zeitung zu Saibenes Ankündigung, den FC Thun im Sommer zu verlassen. Das zeigt: Ganz ohne Anecken geht es auch bei einem Teamplayer nicht.

Das ist menschlich. Unüblich für die Branche ist dagegen die Tatsache, dass der Trainer bei den Vertragsverhandlungen mit dem DSC nicht auf eine Weiterbeschäftigung im Falle des Klassenerhalts pochte. Dadurch lässt sich der Luxemburger mit Schweizer Pass noch schwieriger in die typische Trainer-Schublade stecken. Der Weg des zweifachen Familienvaters ist ein spezieller. Ob es der ist, der den DSC erfolgreich ans Ziel führt, bleibt allerdings abzuwarten. Immerhin einen hat der neue Coach schon jetzt überzeugt. »Ich bin positiv gestimmt. Er hat eine Aura, die Fans mitzunehmen«, schwärmte Präsident Hans-Jürgen Laufer.

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