Meier-Wechsel nach Darmstadt rückt immer näher
Meinke: »Reisende soll man nicht aufhalten«

Bielefeld (WB). Die Zeit von Norbert Meier bei Arminia Bielefeld geht zu Ende. Der Erstligist SV Darmstadt 98 hat beim DSC angefragt, um den 57-Jährigen aus seinem bis 30. Juni 2017 gültigen Vertrag zu kaufen. Jetzt laufen die Verhandlungen über die Ablöse. Mit den Darmstädtern soll sich Meier einig sein.

Dienstag, 07.06.2016, 07:41 Uhr aktualisiert: 07.06.2016, 14:51 Uhr
Die Zusammenarbeit von Trainer Norbert Meier (links) und Sportchef Samir Arabi endet wohl in Kürze. Foto: Thomas F. Starke

Im Gespräch ist eine Summe von 400.000 Euro, die sich erhöhen könnte, sollte Meier mit den Hessen den Klassenerhalt schaffen.  Wie berichtet, ist Meier der Topfavorit auf die Nachfolge des von Darmstadt zum FC Augsburg gewechselten Dirk Schuster. Für den 48-Jährigen sollen die 98er 1,1 Millionen Euro aus Augsburg erhalten.

»Darmstadt hat uns ein Angebot gemacht«, bestätigte DSC-Sportchef Samir Arabi am Montag. Meier selbst habe sich immer noch nicht bei ihm gemeldet, aber er gehe davon aus, dass der Trainer wechseln wolle – sonst hätte es wohl kein Angebot aus Darmstadt gegeben. »Ich hätte erwartet, dass er sich meldet, aber das muss jeder selber wissen«, sagte Arabi.

Meinke: »Reisende soll man nicht aufhalten«

Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer stellte klar, dass ihm Meiers Schweigen missfällt. »Ich bin traurig und menschlich enttäuscht. Wir sind gestandene Männer, da kann man zum Telefon greifen. Dieser Verein hat es verdient, dass man ihn höflich behandelt«, sagte Laufer dem WESTFALEN-BLATT. Er sei auch in dieser Hinsicht »Fußballromantiker, und das möchte ich bleiben, dann macht die Arbeit mehr Spaß«. DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke bekräftigte am Dienstag »Reisende soll man nicht aufhalten.«

Meier ist seit dem 24. Februar 2014 beim DSC und hatte Anfang Januar seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. »Ich fühle mich in Bielefeld wohl, und die Arbeit mit der Mannschaft macht mir Freude. Für mich gab es keinen Grund, hier nicht weiterzumachen«, waren damals seine Worte. Jetzt will sich der 57-Jährige noch einmal in der 1. Liga versuchen, und Arminia sucht einen Nachfolger, der den DSC in der 2. Liga etabliert. 

Auf dem Markt: Möhlmann, Rehm, Walpurgis

»Ich hoffe stark, dass der nächste Trainer hier wirklich langfristig etwas aufbaut«, sagte Laufer. Die Trainersuche liege in den Händen von Arabi und Geschäftsführer Meinke. Auf dem Markt sind Routiniers wie Ex-Arminia-Coach Benno Möhlmann (61, zuletzt 1860 München) und jüngere Kandidaten wie der mit dem Drittligisten Sonnenhof Großaspach sehr erfolgreiche Rüdiger Rehm (37) und Maik Walpurgis (42, zuletzt VfL Osnabrück). Rehm soll zu den Favoriten zählen. Maik Walpurgis gilt derweil als einer der Favoriten auf den Trainerposten beim Drittligisten FSV Frankfurt.

Wer auch immer Bielefeld kommende Saison trainiert, findet einen zweitligatauglichen Kader vor. Dennoch ist Arabi auf der Suche nach Verstärkungen, zum Beispiel für die offensiven Außenbahnen.

Verhältnis hat massiv Schaden genommen

Sollten die Verhandlungen zwischen Arminia und Darmstadt scheitern, soll laut »Bild« Alois Schwartz (49, SV Sandhausen) zu den »Lilien« gehen. Dritter Kandidat sei Holger Stanislawski (46). Doch ein Wechsel Meiers ist deutlich wahrscheinlicher, da das Verhältnis zu den Arminia-Bossen durch die Darmstadt-Geschichte massiv Schaden genommen hat.

Dass Meier ausgerechnet nach Darmstadt gehen soll, hat eine pikante Note. Schließlich waren es die Hessen, die Arminia in der Relegation 2014 in die 3. Liga schossen. Meier blieb trotz des bitteren Abstiegs und führte den DSC direkt zurück in Liga 2 – garniert mit dem Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale. Zuletzt gelang der souveräne Klassenerhalt. »Wir haben einige Erfolge mit Norbert Meier gefeiert«, gab Laufer zu.

Kommentare

Ron Sommer  wrote: 07.06.2016 22:04
Macht Euch nix draus ...
Vielleicht steigt Ihr auf - und wir ab ...
Ist doch alles nur ein Spiel ;-)
Don  wrote: 07.06.2016 19:36
... schön das er geht !
Meier hat mit seiner betonmischerei bei den Heimspielen einen für mich nicht guckbaren Fußball in Bielefeld spielen lassen, so da ich micht entschloss, für die nächste Saison auf eine Dauerkarte zu verzichten !
Sollte ein junger dynamischer Trainer mit mehr Mut zur Offensive bei Heimspielen den Weg zum Teutoburger Wald finden, wäre ich geneigt mir doch wieder eine Dauerkarte zuzulegen !

tschüss Norbert - gut das du selber abdankst !!!
Frank Rischmüller  wrote: 07.06.2016 17:04
Das "Wie" ist der Punkt
Dass ein guter Trainer im Profifußbal, der bei einem Zweitligisten unter Vertrag steht,l bei einem Angebot aus der 1. Liga, noch dazu, wenn es von einem alten Weggefährten unterbreitet wird, ins Grübeln kommt ist verständlich. Die Entscheidung für die größere sportliche Herausforderung zu besseren finanziellen Konditionen ist auch nachvollziehbar, erst recht in Zeiten, in denen Ablösesummen für Trainer gerade in Mode gekommen sind.
Allerdings darf man vom Cheftrainer eines großen Clubs wie Arminia Bielefeld erwarten, dass er sich in so einer Situation in den Flieger setzt, seinen Vorgesetzten in die Augen schaut und seinen Wunsch, den Vertrag gegen eine Ablösezahlung aufzuheben, offen äußert. Ein Gespräch unter Männern sozusagen, die einiges miteinander erlebt haben. So bleibt ein fader Beigeschmack.
Sicher ist allerdings: Arminia ist soviel größer und wichtiger als Norbert Meier, dass der Verein, nachdem er den Darmstädtern eine halbe Million +X aus dem Kreuz geschraubt hat, weiter als munterer Zweitligist existieren wird. Die Entscheidungsträger beim DSC haben in der jüngeren Vergangenheit so viele richtige Entscheidungen getroffen, dass ihnen auch in der Nachfolgefrage eine solche zuzutrauen ist. Glück auf, Arminia!
Frank Rischmüller
Freiburg
Phoenix  wrote: 07.06.2016 14:07
Enttäuschung auf der ganzen Linie
Das charakterlose Verhalten unseres (noch) Trainers
ist menschlich absolut enttäuschend.
Schade Norbert, dass es ein derart unrühmliches Ende nimmt.
Klaus Müller  wrote: 07.06.2016 11:11
Wappenküsser kommt?
Ich kann die Aufregung bei den Arminen verstehen. Aber sie sollten sich endlich mal damit abfinden ein Teil des Fußballgeschäfts zu sein. Es zählt nur das Geld, egal ob Spieler, Trainer oder Physio. Der Zeitpunkt ist natürlich blöd und Meier hätte schon eher sein Interesse gegenüber Arabi bestätigen müssen. Aber der Arabi ist ja auch ne Plaudertasche, wie man beim Hartherz-Deal gesehen hat. Vielleicht kommt mit Breitenreiter ja wenigstens einer, der offen dazu steht, dass er kein Wappenküsser ist. ;-)
Leo-Armine  wrote: 07.06.2016 09:18
Romantisch, naiv, oder was?
Sicherlich wäre es guter Stil von Norbert Meier gewesen, sich beim Verein zu melden. Spätestens als Fach in Darmstadt Tempo in die Sache gebracht hat. Aber "gestandene Männer" hätten ebenso dann zum Hörer greifen müssen, und den verhandelnden Urlauber fragen müssen "Hey, was ist da los?"
Daran bestand aber seitens des Managements anscheinend ebenso wenig Interesse. Meiner Meinung nach läßt es darauf schließen, daß das Innenverhältnis zum Trainer ohnehin nicht das Beste gewesen sein kann. Dazu Meiers Ansage nach Saisonende, nun echte Verstärkungen zu wollen. Ist da schon etwas in Sicht?
In Darmstadt hat Meier einen Sportdirektor, der ihn kennt. Der - Achtung - bundesligaerfahren ist! Und mit den Ablösesummen, die Darmstadt beim Ausverkauf erzielt, läßt sich schon einiges gestalten. Wenn die Lilien absteigen, wäre es zu erwarten. Insofern hat Meier dort nichts zu verlieren. Und natürlich reizt auch ein Bundesliga- Comeback mit 57.
Herrn Laufer heißen wir willkommen im Profisport und Herr Meinke muß bald zum Zweitjob nach Frankreich. Da wird sich dann die T-Frage schon schnell klären. Arabi hat ja angeblich auch den Trainermarkt beobachtet. Warum wohl...?
is nich wahr ?!  wrote: 07.06.2016 09:12
Charakterlos
N Meier Charakterlosigkeit zu unterstellen ist wohl noch harmlos ausgedrückt, mehr muss man zu dem Thema nicht sagen.
Total 7 comments
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