Marco Vogt aus Steinhagen sammelt die Hemden seiner schwarz-weiß-blauen Helden – Der Wert der Kollektion? Unbezahlbar! Der Mann mit den 111 Trikots

Bielefeld (WB). »Manchmal«, sagt Marco Vogt, »wundert sich meine Freundin, wenn der DHL-Mann mal wieder ein Päckchen für mich abgibt.« Aber sie ahne dann schon, was drin ist. Der 45-Jährige sammelt Trikots. Von Arminia. Vogt hat viele, sehr viele sogar. Vergangene Woche brachte der Bote das 111.

Von Dirk Schuster
In seinem Garten in Steinhagen hat Marco Vogt einen Großteil seiner Sammlung ausgebreitet.
In seinem Garten in Steinhagen hat Marco Vogt einen Großteil seiner Sammlung ausgebreitet. Foto: Thomas F. Starke

Pünktlich zum 111. Geburtstag des Vereins , wenn man so will. »Zufall«, sagt Vogt. Über die Menge ist er immer genau informiert. Der Steinhagener hat sich eine Liste angelegt. »Irgendwann hat das Sinn gemacht«, findet er. Dabei ist irgendwann noch gar nicht so lange her.

Vor acht Jahren hat Vogt angefangen, Arminia-Trikots zu sammeln. »Eine Sucht? Ich weiß nicht. Der eine sammelt Briefmarken, der nächste dies, ein anderer das. Und unsereins sammelt eben Trikots.« 60 Euro kostet der aktuelle DSC-Dress im Arminia-Fanshop. Vier Modelle gibt es. Vogt hat sie alle.

Je älter und seltener, desto kostbarer

Geburtstagsbeilage

Arminia und ihre Fans haben Grund zum Feiern, und das WESTFALEN-BLATT feiert mit: In unserer Beilage zum 111. Geburtstag des Klubs, die der Dienstagsausgabe (3. Mai) beiliegt, lesen Sie nicht nur über Trikotsammler Marco Vogt, sondern auch über Auf- und Abstiege, die Alm und Arminia aus gesellschaftspolitischer Perspektive – mit vielen historischen Fotos.

Was der Inhalt seines alten Ikea-Schrankes wert ist? So genau lässt sich das nicht sagen. Mit Trikots ist es ein bisschen wie mit Wein: Je älter und seltener, desto kostbarer. Doch über allem steht ja sowieso der ideelle Wert.

Die Märkte, auf denen Vogt hauptsächlich sucht, sind digitale: Ebay, Ebay-Kleinanzeigen, Sportauktion.de. Vor ein paar Jahren, erzählt er, habe jemand eine Arminia-Trikot-Sammlung aufgelöst und im Internet angeboten. »Da waren ein paar Schätzchen dabei: Ein altes mit Granini-Werbung, SportLepp, Forum Jahnplatz. Insgesamt um die 50 Stück.« Verkaufspreis? »Ein paar tausend Euro.«

Vogt hatte kurz überlegt mitzubieten, es dann aber doch gelassen. »Da waren zu viele gängige Trikots mit dabei, die man für 50, 60 Euro einzeln bekommt. Mit Gerry-Weber-Werbung aus den 90ern zum Beispiel. Das Gesamtpaket hat nicht gepasst.«

Poster, Lohmänner, Fahnen

Aber er sucht weiter. Auch nach einem weißen Trikot mit Seidensticker-Schriftzug. Das besaß er »als kleiner Steppke«, wie er sagt. Seine Eltern haben es ihm geschenkt. »Sie haben es in einem Bielefelder Sportladen gekauft. Bei Gerd Roggensack, der damals dort gearbeitet hat.«

Roggensack, der frühere Armine. Was gäbe Vogt dafür, wenn er das noch hätte. »Ich habe bei meinen Eltern alles durchsucht.« Was er gefunden hat, ist die schwarz-weiß-blaue Fahne, die damals zum Geschenk gehörte. Immerhin.

Ist ja nicht so, dass Vogt nicht auch andere DSC-Devotionalien sammeln würde. Lohmänner zum Beispiel. Und die witzigen, teils provozierenden Poster aus der Mitgliederwerbeaktion von vor zehn Jahren. »Eigentlich alles, was sich um Arminia dreht«, sagt er.

Tauschen ja, verkaufen nein

Aber vor allem Trikots. Sein bestes Stück? »Ich habe welche mit Seidensticker- und Abtei-Werbung. Und ein rotes mit dem 800-Jahre-Bielefeld-Logo, das Patrick Schönfeld 2014 im Spiel gegen Cottbus getragen hat.« Auch ein 99-Jahre-Rekordaufsteiger-Trikot von Jesus Sinisterra aus der Zweitligasaison 2002/03 nennt er sein eigen.

Für ein altes Seidensticker-Trikot aus der Saison 1984/85, in dem Arminia-Legenden wie Horst Wohlers und Franco Foda die Gegner von der Alm geschossen haben, habe ihm mal jemand 700 Euro geboten. Abgelehnt. »Ich hätte es auch für 2000 oder 3000 Euro nicht abgegeben. Verkaufen kommt nicht in Frage.«

Tauschen dagegen schon. Doch man müsse gut aufpassen. »Es ist viel Mist unterwegs. Plagiate, auf die jemand ein altes Werbe-Logo gedruckt hat und für eine Menge Geld anbietet.« Vogt kennt seine Pappenheimer. Die Begeisterung am Stöbern im Internet können sie ihm nicht nehmen.

»Du musst dir mal langsam einen neuen Schrank kaufen«

Vogt, von Beruf Personalleiter, besitzt eine Dauerkarte. Block J. Mit einem Kumpel. Und mit seiner Freundin. Seit drei Jahren geht Anne regelmäßig mit. »Sie ist inzwischen fast heißer auf Arminia als ich«, sagt Vogt. Seit 15 Jahren ist er Stammgast auf der Alm.

Angefangen hat alles noch viel früher. »Mit Sackewitz, Schröder und Co.« Am Ball sind die schon lange nicht mehr. Die Trikots, die sie trugen, faszinieren Vogt heute noch mehr als damals. »Du musst dir mal langsam einen neuen Schrank kaufen«, hat Anne neulich zu ihm gesagt. Er mochte nicht widersprechen.

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