Aber Arminias Sporchef Samir Arabi warnt vor zu hohen Erwartungen für die nächste Saison »Wir sind alle heiß auf Erfolg«

Bielefeld (WB). Der vorzeitige Klassenerhalt von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld ist für den Verein ein großer Erfolg, aber längst kein Grund um abzuheben. So sieht es Samir. Im Gespräch mit Sebastianerklärt der Sportchef des DSC, warum Arminia gut beraten ist, die Politik der kleinen Schritte fortzusetzen, den Klub zu stabilisieren und auf einen zu frühen Flirt mit der Bundesliga zu verzichten.

Nach dem Klassenerhalt folgt der nächste Schritt: Samir Arabi will den DSC als stabilen Zweitligisten etablieren.
Nach dem Klassenerhalt folgt der nächste Schritt: Samir Arabi will den DSC als stabilen Zweitligisten etablieren. Foto: Thomas F. Starke

Noch gibt es drei Spiele. Wie würden Sie die Saison Stand jetzt zusammenfassen?

Samir Arabi: Unser Ziel haben wir souverän erreicht. Und das ohne einmal auf dem Relegations- oder Abstiegsplatz gestanden zu haben. Für einen Aufsteiger ist das, wenn er nicht gerade RB Leipzig heißt, eine ordentliche Runde. Ohne spektakuläre Ausreißer nach unten. Es gab kein Spiel, in dem wir total chancenlos waren. Im Prinzip waren wir in allen Spielen konkurrenzfähig. Oft vielleicht sogar die ein wenig bessere Mannschaft. Wir wollen ein stabiler Zweitligist werden. Und das haben wir in der ersten Saison bestätigt.

Was sind die Ziele für die letzten drei Saisonspiele?

Arabi: Wir wollen jetzt so gut wie möglich punkten. Perspektivisch ist das für das TV-Ranking wichtig, um uns dort besser zu platzieren.

Was bedeutet Ihnen der Klassenerhalt persönlich? Ist es eine Genugtuung oder Stolz?

Arabi: Wir hatten in den letzten fünf Jahren unterschiedliche Ziele bei Arminia. Jedes für sich hatte höchste Priorität. Mit Ausnahme des Abstiegs nach der  Saison 2013/14  wurden alle Ziele erreicht. In dieser Saison haben wir wieder unser Ziel erreicht – nicht mehr und nicht weniger. Ich würde jetzt aber nicht von Genugtuung für mich persönlich sprechen. Ich hatte ja nicht das Gefühl, dass mir irgendwelche Leute etwas nicht gönnen und man es denen beweisen will. So bin ich  nicht strukturiert. Es freut mich einfach sehr, dass Sachen aufgehen, die wir im Team erarbeitet haben.

Was hat den DSC in dieser Saison ausgezeichnet?

Arabi: Wir waren absolut davon überzeugt, dass wir mit diesem Kader unser Ziel erreichen können. Grundsätzlich spielt während einer Saison der mannschaftliche Zusammenhalt eine wichtige Rolle, aber darüber hinaus haben wir unserem Team auch im spielerisch-taktischen Bereich einiges zugetraut und wurden bestätigt.

Erfolg bringt Ansprüche mit sich, vermutlich steigende. Was glauben Sie wird vom DSC nächste Saison erwartet?

Arabi: Vereinsintern glaube ich nicht an steigende Ansprüche. Das heißt nicht, dass wir keine Euphorie schüren wollen. Natürlich sind wir alle heiß auf Erfolg. Und wir sind selbstbewusst. Der Auftritt gegen Greuther Fürth hat gezeigt, was wir leisten können. Aber Arminia hat in der Vergangenheit oft den Fehler gemacht, Luftschlösser zu bauen. Wir sind gut beraten, dass wir den Weg in kleinen Schritten, aber stabil weitergehen. Wir haben ja immer betont, dass wir uns mittelfristig in der 2. Liga stabilisieren möchten. Nach einem Jahr können wir davon sicher noch nicht sprechen. Deshalb geht es uns in erster Linie darum, auch nächstes Jahr wieder eine stabile Saison zu spielen. Es gibt keinen Grund, nun eine überzogene Erwartungshaltung zu haben.

Das Ziel Bundesliga-Aufstieg wird von Arminia diesen Sommer also nicht ausgerufen?

Arabi: Davon kann man zu 100 Prozent ausgehen.

Noch lief spielerisch nicht alles rund. Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf, um sich in der kommenden Saison weiter zu verbessern?

Arabi: Es gibt immer Verbesserungspotenzial. Gemeinsam werden wir analysieren, an welchen Stellschrauben wir für die neue Saison drehen müssen. Wir werden uns eine Strategie für die neue Saison erarbeiten und den Kader dahingehend optimieren.

Was wird die Zielsetzung bei Neuverpflichtungen sein: forsche Jugend oder geballte Erfahrung?

Arabi: Es geht letztendlich darum, Spieler zu gewinnen, die uns in der Spitze direkt verbessern, die für die Startelf gedacht sind. Aber wir werden uns auch wieder nach Perspektivspielern umschauen, die den nächsten Schritt gehen wollen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Der Mix aus Perspektivspielern und gestandenen Spielern ist unser Ziel.

Sie sind seit fünf Jahren Sportchef und haben mit dem Klassenerhalt ein großes Ziel erreicht. Wie sieht Samir Arabi Arminia Bielefeld nach den kommenden fünf Jahren: als gestandenen Zweitligisten oder als Mitglied der Bundesliga?

Arabi: Fußball ist schnelllebig. Alle Leute hier sind ehrgeizig. Aber es ist schwierig, fünf Jahre in die Zukunft zu blicken. Wir sollten auf uns schauen und unseren Weg weitergehen. Das ist die Stabilisierung in der 2. Liga, um den Klub substanziell weiterzuentwickeln. Es gibt viele Faktoren, die wir nicht unmittelbar beeinflussen können. Wir wissen nicht, mit welchen Konkurrenten wir es in vier oder fünf Jahren zu tun haben werden und können auch noch nicht abschätzen, welche Investitionsmöglichkeiten Arminia Bielefeld haben wird. Vielleicht gelingt es uns in fünf Jahren nach der Zertifizierung unseres Nachwuchsleistungszentrums drei Eigengewächse in der Profi-Startelf einzubauen. Oder wir haben eigene Spieler für Millionen nach England verkauft. Vieles lässt sich nicht vorhersagen. Wir sind gut beraten, nun keinen Fünfjahresplan auszurufen. Man muss nur einige Kilometer weiter nach Paderborn oder Hannover schauen, wo man in dieser Saison sicher auch anders geplant hat. Hannover hat vor einigen Jahren sogar noch international gespielt.

Kommentare

Sehr stark!

Erneut ein aussagekräftiges Interview des Managers. Was hat er noch gleich zu all denen gesagt, die nur wenig oder gar nicht gespielt haben?

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