Russland fühlt sich bereit für die Fußball-WM, doch ein paar Fragen bleiben Noch 100 Tage bis zum Anpfiff

Moskau (dpa). Der Countdown läuft. 100 Tage bleiben Russland von Dienstag an noch, um sich auf die Rolle als WM-Gastgeber vorzubereiten. Die Fifa ist mit den Planungen zufrieden, die Logistik stimmt. Was im alten Fußball-Europa aber immer noch mitschwingt, sind die Problemfelder Doping, Hooliganismus und Korruption.

Im Luschniki-Stadion (80.000 Plätze) eröffnet Russland am 14. Juni gegen Saudi-Arabien die WM. Drei Tage später trifft Deutschland in der Moskauer Arena auf Mexiko.
Im Luschniki-Stadion (80.000 Plätze) eröffnet Russland am 14. Juni gegen Saudi-Arabien die WM. Drei Tage später trifft Deutschland in der Moskauer Arena auf Mexiko. Foto: dpa

Ist Russland bereit für das große Fußballfest?

Der Confed Cup 2017 glückte als Generalprobe. Jetzt geben sich alle Verantwortlichen selbstbewusst. Fifa-Chef Gianni Infantino: »Ich bin überzeugt, dass es keinerlei Probleme geben wird.« Cheforganisator Alexej Sorokin sagte an Fans aus aller Welt gewandt, viele Milliarden Rubel seien ausgegeben worden, und er könne versichern, dass alles in wenigen Wochen bereit sei: »Wir arbeiten hart, damit Russland in 100 Tagen für Sie ein Zuhause wird.«

Wie weit sind Stadien und Infrastruktur in Russland?

Inzwischen kommen aus den meisten WM-Städten Mitteilungen, dass die Arenen und die In­frastruktur rechtzeitig fertig seien. Auch das Stadion in der Wolga-Stadt Samara – eines der Sorgenkinder – wird nach Angaben von Vizeregierungschef Witali Mutko bald bereit sein. In Kaliningrad haben die Behörden einen Test des örtlichen Klubs Baltika gegen Schalke 04 auf unbestimmte Zeit verschoben – um den Rasen zu schonen, wie es hieß.

Welche Rolle spielt das Thema Doping?

Das Thema beschäftigt vor allem die westliche Presse. Die russischen Medien steigen nur vereinzelt auf die Debatte über mögliche Vergehen im Fußball ein. Dabei hatte Vizeregierungschef Mutko kürzlich eingeräumt, dass gegen zwei russische Fußballer ermittelt werde. Im McLaren-Report gibt es Anschuldigungen, die aber nicht so hohe Wellen schlagen wie die Vorwürfe gegen Leichtathleten und Wintersportler.

Muss man Angst vor Hooligan-Gewalt haben?

Die russischen Behörden versuchen, westlichen Fans mit allen Mitteln die Ängste zu nehmen. Bei der WM sollen Tausende Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Die Organisatoren verweisen auf die Fan-ID, die jeder Zuschauer neben einem Ticket braucht, um ins Stadion zu gelangen. Vor Ausgabe der Fan-ID werden Antragsteller einem Sicherheitscheck unterzogen. Zudem haben die Behörden eine Liste mit Hunderten bekannter Hooligans erstellt, die nicht zu den Spielen kommen dürfen. So versucht Russland, mögliche Gefährder kalt zu stellen.

Was ist übrig geblieben von den Korruptionsvorwürfen um die WM?

Als die Fifa im vergangenen Sommer den Garcia-Report zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 veröffentlichte, fühlten sich die Gastgeber von allen Vorwürfen reingewaschen. Ungereimtheiten, ja, kleinere Vergehen wie Gefälligkeiten der Kategorie Theaterkarten für Fifa-Funktionäre, ja, aber keine Bestechung im großen Stil. Was im speziellen Fall der russischen Bewerbung als Geschmäckle blieb, war die Tatsache, dass die Computer des Bewerbungskomitees nach dem Zuschlag 2010 vernichtet wurden – und damit auch mögliche Beweise? Fakt bleibt jedoch auch: Im damaligen Fifa-Klima wurde Fair Play von praktisch allen WM-Bewerbern ignoriert.

Können sich Fans auf faire Preise in Russland verlassen?

Die Behörden versuchen, Preistreiberei zu vermeiden. So hat der Verbraucherschutz Dutzende Hotels im Visier, die ihre Tarife zur WM um ein Vielfaches des Normalpreises erhöhen wollten. Auch hat Präsident Wladimir Putin Strafen verhängt für den illegalen Verkauf von Tickets. Dennoch dürften die Kosten für ausländische Fans höher ausfallen als für Russen. Denn nicht nur bei den Eintrittskarten bekommen Russen Vergünstigungen. Der Chef der staatlichen Airline Aeroflot hat beim Treffen mit Putin angekündigt, russische Fans könnten Flüge zu den Spielen der Sbornaja für symbolische fünf Rubel kaufen.

Wie komme ich noch an Tickets?

4,9 Millionen Ticketanfragen gingen bei der Fifa bislang für die 64 Spiele schon ein, 338.414 davon aus Deutschland. Vom 13. März an können sich Fans via Fifa-Homepage bis zum 3. April wieder bewerben, dann entscheidet der Eingang der Bestellung über den Zuschlag und nicht das Los.

Die Kontingente für die deutschen Spiele laufen über den DFB. Acht Prozent der Stadionkapazität stehen den Fans jedes Teams zur Verfügung. Für das erste Spiel im Luschniki-Stadion von Moskau gegen Mexiko also etwa 6400 Karten, für die beiden weiteren Spiele in Sotschi gegen Schweden und in Kasan gegen Südkorea je knapp 4000. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, kommt vom DFB ein Verteilungsschlüssel zum Einsatz, der langjährigen Begleitern des Teams größere Chancen gibt.

Unabhängig von der Kategorie der Karte benötigt jeder Fan eine sogenannte ID, die in Kombination mit dem Ticket auch als Visum für Russland gilt. Sie wird parallel zum Kartenkauf beantragt. Theoretisch kann man mit dieser ID auch an Spieltagen noch Karten erwerben, sofern es dann noch welche gibt.

Der Fahrplan des DFB:

Die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) geht in ihre heiße Phase. Mit dem Testspiel am 23. März gegen Spanien beginnt der Countdown. 23. März: Deutschland - Spanien in Düsseldorf (Test) 27. März: Deutschland - Brasilien in Berlin (Test) 15. Mai: Benennung des vorläufigen WM-Kaders 23. Mai: Abreise ins Trainingslager in Eppan/Südtirol 2. Juni: Österreich - Deutschland in Klagenfurt (Test) 4. Juni: Benennung des endgültigen WM-Kaders 8. Juni: Deutschland - Saudi-Arabien in Leverkusen (Test) 12. Juni: Bezug des WM-Quartiers in Watutinki 17. Juni: Deutschland - Mexiko in Moskau (1. WM-Spiel) 23. Juni: Deutschland - Schweden in Sotschi (2. WM-Spiel) 27. Juni: Deutschland - Südkorea in Kasan (3. WM-Spiel)

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