Im Oktober wird der Wimbledonsieger 50 – im Juni spielt er zum letzten Mal in Halle - mit Video Es naht der Stich-Tag

Hamburg (WB). Es gibt sie, diese Momente. Aber nur noch ganz selten. Doch dann bleibt Michael Stich auch mal bei einem fünften Satz aus der eigenen Vergangenheit hängen. So wie neulich, als sein Vater zu Weihnachten eine alte VHS-Kassette hatte digitalisieren lassen: Stich gegen Muster, Deutschland gegen Österreich, Davis Cup, 1994.

Von Hans Peter Tipp
Stammgast bei der Champions Trophy: Michael Stich, hier 2016 mit Sabine Lisicki.
Stammgast bei der Champions Trophy: Michael Stich, hier 2016 mit Sabine Lisicki. Foto: Oliver Schwabe

Nach seinem größten Triumph in Wimbledon ging Michael Stich vor 27 Jahren in die Knie. Foto: imago

»Irgendwie ist das mal witzig, weil es natürlich Erinnerungen hervorruft. Vor allem aber merkt man, dass man älter geworden ist«, sagt der frühere Weltklasseprofi, der am 18. Oktober seinen 50. Geburtstag feiert, beim Gespräch in einem Hamburger Hotel: »Generell bin ich jedoch keiner, der die alten DVDs rausholt und sich anschaut.« Er habe zwar seine »wichtigsten sechs, sieben, acht Pokale«, wie er sagt, zuhause am Hamburger Stadtrand in einer Bücherwand stehen, aber fest verankert ist Stich im Hier und Jetzt.

Anders als mancher seiner früheren Tenniskollegen hat der Wimbledonsieger von 1991 – unvergessen der Triumph im Endspiel gegen Boris Becker – sein Leben im Griff. Nach dem frühen Karriereende mit 28 Jahren hat Stich ein Unternehmen im Gesundheitswesen mit aufgebaut, ist mit seiner Stiftung im Kampf gegen Aids aktiv, hält Beteiligungen sowie Investments und ist – in diesem Sommer allerdings letztmalig – Turnierdirektor am Hamburger Rothenbaum. Trotz des anstehenden runden Geburtstages werde sich für ihn nichts Wesentliches ändern, sagt Stich: »Ich werde ja nur 50. Es wird jetzt nicht mehr oder weniger Zeit zur Verfügung stehen als vorher. Das Leben geht einfach ganz normal weiter.«

Mit fünfjähriger Verspätung will Stich nun aber einen Entschluss umsetzen, den er angeblich schon 2013 gefasst hat. Vom kommenden Jahr an will der gebürtige Pinneberger keine Showmatches mehr bestreiten. Wie beim Ende seiner Profikarriere ist es Stich sehr wichtig, diese Entscheidung selbst zu treffen und nicht durch äußere Umstände dazu gezwungen zu sein. Auch das Spätwerk seines Sportlerlebens möchte er erhobenen Hauptes abschließen. »Dass die Entscheidung nun gerade in das Jahr meines 50. Geburtstags fällt, ist eher Zufall«, sagt Stich: »Irgendwann muss ich ja mal aufhören. Schließlich muss man die Fans auch mal davon erlösen, dass sie einen noch sehen.«

Der Facebook-Post wird geladen

Der Gedanke daran sei 2013 beim Legendendoppel während der French Open gereift. Stich erinnert sich: »Ich habe zusammen mit Peter McNamara, damals auch schon 58, gegen John McEnroe und Adriano Panatta gespielt, der Anfang 60 war. Da ist mir aufgefallen, dass das mit Tennis nicht mehr viel zu tun hatte. Das war eher ›Betreutes Tennisspielen‹. Und das will ich für mich nicht.«

Einer seiner letzten Showauftritte führt Stich in diesem Jahr noch einmal zu den Gerry Weber Open. Beim Mixed um die Champions Trophy tritt die deutsche Tennislegende am 16. Juni mit Laura Siegemund gegen Julia Görges/Tommy Haas an. Im Juli spielt Stich am Rothenbaum noch einmal gegen John McEnroe, mit dem er 1992 in Wimbledon das längste Männerdoppel-Finale (5:01 Stunden) gewann.

Dass es anschließend irgendwo zu einem allerletzten Match kommen könnte, will der Hamburger nicht ausschließen. Geplant sei jedoch noch nichts. Danach aber schlägt Stich unwiderruflich nicht mehr für Geld auf, sondern nur noch dann, wenn ihm wirklich danach ist. Zum Glücklichsein braucht er das Tennisspielen jedenfalls nicht mehr.

Eintrittskarten für das Mixed mit Michael Stich um die Champions Trophy bei den 26. Gerry Weber Open am Samstag, 16. Juni, gibt es in allen Geschäftsstellen dieser Zeitung und in unserem Kartenshop im Internet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.