Moderator Jan Stecker über die Faszination Football und den Super Bowl - mit Grafik »Es kracht halt richtig«

Bielefeld (WB). Das größte Einzelsportevent der Welt zieht in der Nacht von Sonntag auf Montag (ab 22.40 Uhr auf Pro Sieben, Kickoff 0.30)  nicht nur in den USA viele Millionen in seinen Bann . Auch in Deutschland werden die Fans beim Duell der New England Patriots gegen die Philadelphia Eagles mitfiebern. Moderator Jan Stecker wird live im Stadion in Minneapolis dabei sein. Vorher hat Sebastian Bauer mit dem ehemaligen Footballspieler gesprochen.

Jan Stecker kommentiert den Super Bowl mit Patrick Esume (links) und Christoph Dommisch.
Jan Stecker kommentiert den Super Bowl mit Patrick Esume (links) und Christoph Dommisch. Foto: dpa

American Football hat sich in Deutschland bei ProSieben MAXX und ran zum Hype entwickelt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Jan Stecker:  Wir waren selbst überrascht, das muss ich ehrlich sagen . Aber wir haben uns im Vorfeld auch viele Gedanken gemacht, wie man so eine Sendung aufziehen muss. Im Grunde haben wir so ein bisschen neues Fernsehen gemacht. In der Form gab es das noch nicht. Da sitzen zwei Leute, die nicht nur kommentieren, sondern auch im Bild zu sehen sind. Dann haben wir einen Netman dabei, der eine ganze Community mobilisiert. Es gab Sendungen in der ähnlichen Form, aber nicht in der Art und Weise. Und wir dürfen uns auch umgangssprachlich ausdrücken. Die Kombination aus allem hat den Hype hervorgerufen. Eine Sportart, die sowieso schon in den Köpfen der Leute war, haben wir mit einer neuen Art und Weise den Menschen näher gebracht. Dass es aber so durch die Decke geht, damit hat niemand gerechnet.

Wie nehmen Sie diese Entwicklung von Football Im Fernsehen als Moderator wahr?
Stecker: Ich habe schon 1995 Football kommentiert. Da haben einige Menschen den Super Bowl geguckt und sich dafür interessiert – zumindest bis zur Halbzeitshow. Das war es, danach waren die meisten raus. Heute schauen die Leute sogar mitten in der Nacht die Playoffs.

»Hype kommt bei deutschen Teams an«

Wie sind die Auswirkungen des Hypes auf die deutsche Footballszene?
Stecker: Der Hype ist bei den Mannschaften angekommen, sie haben wahnsinnig viel Zulauf. Früher waren beim Jugendtraining einer Mannschaft vielleicht 20 Menschen. Als ich nun mit meinem Sohn dahin gekommen bin, waren dort 80 Leute. Das war wirklich erstaunlich. Viele Jungs probieren es jetzt, aber es bleiben natürlich auch viele auf der Strecke. Aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass sich an den Zuschauerzahlen der GFL (German Football League) viel ändern wird. Der Hype hängt stark mit der NFL zusammen. Mit den schillernden Persönlichkeiten wie Cam Newton, Tom Brady und Odell Beckham. Ich bin immer mal wieder bei meinem alten Verein, den Cologne Crocodiles, aber da hat sich an den Zuschauerzahlen nicht viel geändert. Es ist auch sportlich ein qualitativer Unterschied. Das ist oft weit entfernt von dem, was in den USA gespielt wird. Am Ende machen die Stars den Football aus.

Was macht den American Football für Sie so besonders?
Stecker: Es ist die Mischung. Zum einen ist es ein sehr körperlicher Sport. Das weiß ich selbst noch aus meiner aktiven Zeit in Deutschland. Montagmorgens bin ich aus dem Bett gekrochen, weil jeder Knochen weh getan hat. Es kracht halt richtig. Auf der anderen Seite baut das Spiel unglaublich auf Taktik auf. Es gibt mehr als 100 Spielzüge pro Spiel, die man kennen, die man einstudieren muss. Man hat es im Halbfinale zwischen den Patriots und den Jaguars gesehen. Die Jaguars haben die erste Halbzeit komplett dominiert. Sie sind nach der Pause dabei geblieben, aber die Patriots haben sich komplett umgestellt und haben eine ganz andere Defense auf dem Platz. Plötzlich geht nichts mehr bei den Jaguars und die Patriots gewinnen das Spiel. Das ist eine Charakteristik des Footballs. Es sind nicht nur die Spieler, die gegeneinander antreten. Es ist das Spiel Coach gegen Coach, sich gegenseitig auszutricksen. Die Kombination aus beiden ist der Reiz, der Football ausmacht.

Was erwarten Sie für ein Spiel im Super Bowl zwischen den Philadelphia Eagles und den New England Patriots?
Stecker: Es gibt zwei Herzen in meiner Brust: einmal was ich hoffe und dann was ich erwarte. Ich hoffe, dass die Eagles ein brillantes Defensespiel machen, dass der Backup-Quarterback Nick Foles ein gutes Spiel macht und dass wir am Ende ein schönes, enges Spiel haben, dass die Eagles gewinnen.  Nicht, dass ich was gegen die Patriots habe , aber man möchte auch mal einen anderen da oben stehen haben. Am Ende werden es die Patriots wohl wieder machen. Es würde mir das Herz brechen, weil ich immer für den Underdog bin. Vor allem hoffen wir aber auf ein spannendes Spiel.

»Super Bowl 2004 hat mich am meisten beeindruckt«

Der wievielte Super Bowl im Stadion ist es für Sie?
Stecker: Es ist der achte. Schon vor 20 Jahren habe ich den Super Bowl für andere Sender gemacht. Und fünf sind es jetzt auch schon mit ran.

Welcher dieser Super Bowls hat Sie am meisten beeindruckt?
Stecker: Großartig war es 2004, die Patriots gegen die Carolina Panthers in Houston. Es stand kurz vor Schluss 29:29. Dann kamen die Patriots zu einem Field Goal und haben das Ding 32:29 gewonnen. Das war der Super Bowl, bei dem Justin Timberlake in der Halbzeitshow Janet Jackson die Brust freigelegt hat. Es war also in jeder Hinsicht ein Erlebnis.

Für welchen Verein in der US-Liga schlägt denn Ihr Herz?
Stecker: Das sind die Green Bay Packers. Sie haben die gleichen Trikots wie die Köln Crocodiles, bei denen ich früher gespielt habe. Deshalb war ich von jeher Packers-Fan. Für mich sind es die Packers, auf ewige Zeiten.

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