DFB-Präsident über den Amateurfußball und das Ehrenamt Reinhard Grindel: »Wir sind nicht abgehoben«

Herford (WB). Die CDU im Kreis Herford hatte sich zu ihrem Neujahrsempfang einen prominenten Gast eingeladen: Reinhard Grindel. Mit dem 56 Jahre alten Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sprach Hendrik Fahrenwald über Söldner im Amateurfußball, die Probleme im Ehrenamt und die Verbundenheit des DFB zur Basis.

DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach auf Einladung der CDU in Herford.
DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach auf Einladung der CDU in Herford. Foto: dpa

Herr Grindel, welches Amateurfußballspiel haben Sie zuletzt gesehen?

Grindel: Das war bei meinem Heimatverein, dem Rotenburger SV, in der niedersächsischen Landesliga. Ich bin beinahe häufiger auf Plätzen im Amateurfußball unterwegs als in den Stadien der Bundesliga.

Sorgen Ihre Besuche für Verwunderung bei den Amateuren und Ehrenamtlichen?

Grindel: Ich mache dort zumindest die Erfahrung, dass alle überrascht sind, wie viel der DFB-Präsident über die Sorgen und Nöte und die ganz konkreten Themen vor Ort in den Vereinen weiß. Und sie freuen sich, dass ich auch an der einen und anderen Stelle Hinweise geben kann, wie Schwierigkeiten gelöst werden können. Denn eins ist ganz klar: Ohne die gute Arbeit an der Basis ist keine Spitzenleistung im Profisport möglich.

»Ohne die gute Arbeit an der Basis ist keine Spitzenleistung möglich«

Was machen eben jene Besuche von unterklassigen Spielen für Sie aus?

Grindel: Ich bekomme bei jedem Besuch anschauliche Hinweise, was die Probleme der Basis sind. Es ist wichtig zu signalisieren, dass wir im DFB nicht abgehoben sind, sondern sehr wohl ein Ohr an der Basis haben. Außerdem sehe ich dort den Fußball so, wie ich ihn kennengelernt habe. Beim Amateurfußball ist man sehr nah an den Spielern. Je mehr die Amateurvereine übrigens auf Spieler aus der Region setzen, umso größer ist auch die Zuschauerzahl.

Dennoch fühlen sich einige Amateurvereine mit den Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen, Spielern und bürokratischen Hürden alleine gelassen. Wie unterstützt der DFB vor allem die kleinen Vereine außerhalb seiner 366 Stützpunkte und seines Talentförderprogramms?

Grindel: Die Aufgabe, den engen Kontakt zur Basis herzustellen, haben die Landesverbände und die Kreise, die wir deutlich finanziell gestärkt haben. Wir selbst haben über unseren Masterplan Projekte gestartet, die konkret helfen. So bieten wir beispielsweise über unser Amateurfußballportal praktische Hilfen für Vereine an. Dazu gehören E-Learning-Programme für den Theorieteil des Fußballtrainer-C-Scheins. Außerdem haben wir das Projekt Schiedsrichterpaten ins Leben gerufen.

»Fußball ist ohne Ehrenamtliche schlicht nicht vorstellbar«

Weil auch dort ein Rückgang zu spüren ist?

Grindel: Nach unseren Erfahrungen machen viele den Schiedsrichterschein, doch es hören zu viele im ersten Jahr wieder auf, weil sie negative Erfahrungen gesammelt haben. Der Pate soll in dieser Zeit den Jungschiedsrichter unterstützen und in Konfliktsituationen vermitteln. Das sind ganz praktische Hilfen, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und die ehrenamtliche Tätigkeit zu stärken.

Warum ist das Ehrenamt so wichtig?

Grindel: Weil die ehrenamtliche Arbeit unserem gesamten Gemeinwesen zu Gute kommt. Und wir alle sollten an einem lebendigen Gemeinwesen, das vom Ehrenamt getragen wird, Interesse haben. Und natürlich ist Fußball an der Basis ohne Ehrenamtliche schlicht nicht vorstellbar.

Wegen der vielen bürokratischen Hürden, des hohen zeitlichen Aufwands und der ausbleibenden Vergütung gilt das Ehrenamt allerdings als wenig attraktiv.

Grindel: Deshalb ist es notwendig, dass der Staat das Ehrenamt mehr stützt. Denn das Steuer- und Sozialversicherungsrecht macht das Leben der engagierten Menschen an der Basis immer schwerer. Ehrenamtler bringen doch in der Regel eher Geld mit, als dass sie etwas für ihren Einsatz bekommen. Deshalb sollte der Staat alles dafür tun, damit diese Menschen in Ruhe mit beiden Beinen auf dem Rasen stehen können, und keine Angst haben müssen, in einer für sie unübersichtlichen Rechtslage vielleicht mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

»Wir haben einen ersten ausführlichen Dialog mit den Ultras geführt«

Ruhig war es zuletzt wenig um Ihre Person und den DFB. Im vergangenen Jahr mündete Kritik an den DFB in Schmähgesängen und Protestbannern in Stadien. Werden die Fans vom DFB ausreichend gehört?

Grindel: Mit der Aussetzung der Kollektivstrafen haben wir einen wichtigen Schritt getätigt und ein richtiges Signal an die aktive Fanszene gesetzt. Seitdem sind auch die Wechselgesänge gegen den DFB aus den Stadien verschwunden. Wir haben einen ersten ausführlichen Dialog mit den Ultras geführt. Ich hoffe, dass wir diesen Dialog fortsetzen können. Die Ultras spüren, dass wir uns sehr ernsthaft mit ihren Anliegen auseinander setzen.

Das Verhältnis zur Basis sehen Sie somit im DFB nicht weiter gefährdet?

Grindel: Ich kann nur wiederholen, dass ich an der Basis viele positive Rückmeldungen bekomme. Ich komme aus einem Verein mit 300 Fußballern, der dieselben Probleme hat wie viele unserer 25.000 Amateurvereine. Uns alle verbindet die Leidenschaft für den Fußball und das gemeinsame Ziel, ihn weiter zu entwickeln.

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