Fußball Aus Fehlern lernen: Carvalho vor zweitem EM-Finale

2004 stand er im EM-Finale gemeinsam mit Ronaldo auf dem Platz und verlor. Zwölf Jahre später will Ricardo Carvalho nun die zweite Chance auf einen großen Titel mit Portugal nutzen. Vor dem Endspiel gegen Frankreich ist der Routinier vor allem als Ratgeber im Einsatz.

Von dpa
Ricardo Carvalho steht mit Portugal zum zweiten Mal im EM-Finale.
Ricardo Carvalho steht mit Portugal zum zweiten Mal im EM-Finale. Foto: Etienne Laurent

Saint-Denis (dpa) - Ricardo Carvalho ist in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner. Als einer von nur zwei Profis im aktuellen portugiesischen EM-Kader war der 38-Jährige schon bei der Final-Schmach gegen Griechenland vor zwölf Jahren dabei.

Vor dem zweiten EM-Endspiel Portugals gegen Frankreich am Sonntag (21.00 Uhr) in Saint-Denis sollen auch die Erfahrungen von Carvalho und Cristiano Ronaldo helfen, ein zweites Scheitern zu verhindern. «Jetzt ist die Zeit, an unsere Fehler von damals zu erinnern und daraus zu lernen», sagte der Fußball-Profi der spanischen Zeitung «AS».

Der Innenverteidiger stand beim 0:1 im EM-Endspiel im eigenen Land vor zwölf Jahren in der Startelf, genau wie Superstar Cristiano Ronaldo. Eine «Revanche» soll die Partie gegen Frankreich im Stade de France aus Sicht Carvalhos aber dennoch nicht sein. «Es ist schön, die Gelegenheit zu haben, einen Wettbewerb zu gewinnen, den wir auf so schmerzhafte Art und Weise verloren haben», sagte er. «Aber das ist die Vergangenheit, und wir müssen in der Gegenwart leben.»

Bei vielen Portugiesen sind die Bilder vom Endspiel 2004 noch sehr präsent, als die als großer Favorit in das Finale gegangenen Gastgeber überraschend gegen Griechenland verloren. «Vielleicht waren wir damals zu selbstbewusst, weil wir zu Hause gespielt und Teams wie Spanien oder die Niederlande ausgeschaltet hatten und der Gegner nur Griechenland war», urteilte Carvalho mit Blick auf die Partie, nach der im portugiesischen Team bittere Tränen flossen. «Wir waren blockiert und haben uns nie wohlgefühlt in dem Spiel.»

Bei seinem fünften großen Turnier mit Portugal schaffte es Carvalho nun zum zweiten Mal ins Endspiel. Dazu kommen das Halbfinale bei der WM 2006 und das EM-Viertelfinale 2008. Die Turniere 2012 und 2014 verpasste Carvalho wegen eines Streits mit dem Verband und dem damaligen Nationalcoach Paulo Bento. Und auch auf Vereinsebene hat der Profi von AS Monaco eine erfolgreiche Karriere hinter sich, wurde Champions-League-Sieger und Meister in England, Spanien und Portugal.

Zum absoluten Stammpersonal zählt der bei dieser EM älteste Feldspieler in der Nationalelf inzwischen allerdings nicht mehr. In den drei Vorrundenspielen verteidigte er neben Pepe im Zentrum, doch nach dem schwachen Defensivauftritt beim 3:3 gegen Ungarn wechselte Trainer Fernando Santos und setzt seitdem auf José Fonte. Doch Carvalho begnügt sich vor dem Finale klaglos mit der Rolle des Reservisten und Ratgebers. «Ich bin da, wenn der Trainer mich braucht», sagte der 89-malige Nationalspieler.

Gemeinsam mit seinen Teamkollegen will Carvalho nun alles dafür tun, dass sich gegen Frankreich die Final-Niederlage von 2004 nicht wiederholt. «Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir unser bestes Turnierspiel machen», forderte der Verteidiger vor dem Duell mit dem Gastgeber in Saint-Denis. Parallelen zu 2004 sieht er jedoch nicht. «Dass wir gegen den Gastgeber spielen und dass Frankreich als Favorit mehr Druck spürt, ist vielleicht ähnlich», sagte Carvalho. «Aber darüber hinaus sind es sehr unterschiedliche Situationen und Teams.»

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