55 fremde Tier- und Pflanzenarten gelten in NRW als gefährlich Störenfriede

Düsseldorf (WB). In Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 33 Tier- und 22 Pflanzenarten, die aus anderen Teilen der Welt stammen und als invasiv gelten. Sie können heimische Arten verdrängen oder andere Schäden anrichten.

Von Christian Althoff
Schmuckschildkröte: »Sie reduziert die biologische Vielfalt an Laichgewässern« (Nabu). Zur Nahrung zählen Insekten, Schnecken, Kaulquappen, Krebse, Fische, Muscheln, Wasserlilien, Hyazinthen.
Schmuckschildkröte: »Sie reduziert die biologische Vielfalt an Laichgewässern« (Nabu). Zur Nahrung zählen Insekten, Schnecken, Kaulquappen, Krebse, Fische, Muscheln, Wasserlilien, Hyazinthen. Foto: dpa

Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF sind in Deutschland mehr als 600 eingeschleppte Pflanzen (Neophyten) und 260 Tiere (Neozoen) bekannt, die sich fest etabliert haben. Von etabliert sprechen die Experten, wenn sich eine Art seit etwa 100 Jahren in ihrem neuen Lebensraum behauptet. Als invasiv bezeichnet das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) jene fremden Arten, die in irgendeiner Form eine negative Auswirkung auf Pflanzen, Tiere oder Menschen haben. Das Landesamt rät in diesen Fällen zur Bekämpfung.

Tiere kommen durch den Klimawandel zu uns

Einige Tiere wie exotische ­Mücken kommen durch den Klimawandel zu uns, andere werden ungewollt mit Schiffen und Flugzeugen nach Deutschland gebracht. Und gelegentlich sorgen auch Menschen, die Exoten aussetzen, für deren Verbreitung.

Das Problem ist nicht neu. »Mit der Wanderratte kam vor 650 Jahren der Pestfloh aus Asien nach Europa und führte zu Millionen Toten«, sagt ein WWF-Experte. Später rotteten Ratten und Katzen von europäischen Schiffen auf tropischen Inseln alle am Boden brütende Vogelarten aus.

»Nicht jede Art, die neu bei uns auftaucht, ist gefährlich«, sagt Wilhelm Deitermann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. »Bei den Arten, die eine Bedrohung darstellen, muss allerdings konsequent durchgegriffen werden.«

Waschbär ist fester Bestandteil der Tierwelt

Dafür ist es in einigen Fällen bereits zu spät. Der nordamerikanische Waschbär etwa – 1934 setzte ein Förster am hessischen Edersee zwei Paare aus, »um die heimische Fauna zu bereichern« – ist heute fester Bestandteil der Tierwelt in NRW. Im Naturschutzgebiet Nieheimer Tongruben (Kreis Höxter) konnten die Bestände zwar vor Jahren durch Lebendfallen reduziert werden, generell hat die Bejagung aber nach Angaben des LANUV »offensichtlich keinen bestandsreduzierenden Einfluss«. Inwieweit der Waschbär schädlich ist – darüber streiten Fachleute. Nach Ansicht des LANUV ist er eine Gefahr für Vögel und Amphibien.

Ebenfalls von Menschen in NRW verbreitet wurden nordamerikanische Flusskrebse. Weil sie bunter sind als die braunen europäischen Edelkrebse, werden sie gerne von Aquarienbesitzern gekauft. Wenn sie ausgesetzt werden, gefährden sie heimischen Arten. Sie sind nicht nur kräftiger als hiesige Edelkrebse, sie übertragen auch die Krebspest, gegen die sie selbst immun sind. Der Edelkrebs ist deshalb fast ausgestorben.

Riesenbärenklau verdrängt heimische Pflanzen

Eine der invasiven Pflanzen, deren Bekämpfung nach Ansicht des Landesumweltamtes notwendig ist, ist der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt. Er wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Kaukasus eingeführt und verdrängt heimische Pflanzen. Weil er oft an Flüssen steht und im Schatten seiner Blätter kaum etwas wächst, können Ufer erodieren. Menschen drohen beim Kontakt schwere Verbrennungen. Beim Zerstören der Herkulesstaude sollte Schutzkleidung getragen werden.

Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes Nabu NRW: »Man muss genau hinsehen, ob eine invasive Art Schäden anrichtet. Wenn das so ist, wie beim Ochsenfrosch, befürworten wir die Ausrottung.« In Gewässern, in denen der amerikanische Frosch lebe, gebe es keinen anderen Amphibien mehr. »Da sagen wir: Die heimischen Arten sind schützendwerter als eingeschleppte.«

Die Liste der 55 invasiven Arten in NRW gibt es unter: neobiota.naturschutzinformationen-nrw.de

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.