Christian Miele über die Start-up-Szene und die Chancen für OWL Miele: »Leistung vor dem Namen«

Berlin/Bielefeld (WB). Er kennt Ostwestfalen. Und er ist ein Großer in der Internet-Start-up-Szene. Sein Lob für die Region zählt also. Mit Christian Miele, einem Neffen des derzeitigen geschäftsführenden Gesellschafters des Gütersloher Hausgeräteherstellers Miele, Markus Miele, sprach Bernhard Hertlein.

Christian Miele.
Christian Miele.

Als Principal von E.ventures entscheiden Sie mit über den Einsatz von einer Milliarde US-Dollar Wagniskapital. Welche Chance haben Start-ups aber in OWL, Unterstützung zu bekommen?

Christian Miele: Eine sehr gute Chance. Zum einen gibt es hier dank der vielen erfolgreichen Familienunternehmen genug Kapital. Zum anderen herrscht in Ostwestfalen-Lippe ein unternehmerischer Geist. Und nicht zuletzt findet man aufgrund der relativ starken Stellung der Industrie und der technischen Fächer an den hiesigen Universitäten auch das Wissen und Verständnis, das gebraucht wird, um Neuentwicklungen richtig einzuschätzen.

Welche Branchen bevorzugen die Anleger? E-Commerce? Industrie 4.0?

Miele: Internet-Start-ups, bei de­nen der Konsument im Mittelpunkt steht, sowie Software-Firmen aller Art.

Berlin, München, Hamburg, Köln – ist da OWL nicht trotzdem »Hinterland«?

Miele: Nein. Denn die Situation in Deutschland ist anders als in England, Frankreich oder den USA, wo sich die gesamte Szene in London, Paris und Silicon Valley konzentriert, föderaler. In Deutschland gibt es viele Start-up-Zentren. Es gibt einen kleinen zeitlichen Verzug. Dadurch hat OWL aber den Vorteil, dass es Fehler, die etwa in Berlin gemacht wurden, vermeiden kann.

Welche Fehler sind das?

Miele: Zu große Anfangseuphorie und Verschwendung. Aber dazu neigt man in OWL ohnehin nicht. Hier sind die Menschen grundsätzlich sehr bodenständig.

Die Konferenz »Hinterland of Things« versammelt am 8. Februar große Unternehmer und Start-ups aus der Region. Haben die Teilnehmer überhaupt eine gemeinsame Sprache?

Miele: Da gibt es in der Tat liebevolle Unterschiede. Darüber muss man nicht diskutieren. Man muss sie leben. Beide Gruppen vereint, dass sie unternehmerisch denken. Das Übrige werden sie voneinander lernen. Dafür ist die Konferenz der richtige Ort.

Sie waren für Bertelsmann in Indien, haben für Rocket Westwing und Payleven aufgebaut. Danach Todaytickets und Kreditech. Also viel Erfahrung mit Start-ups. Was sind die wichtigsten Empfehlungen?

Miele: Hart arbeiten. Und ehrlich sein – zu sich und zu den möglichen Geldgebern. Viele Gründer haben einen Hang zur Selbstdarstellung. Es spricht für OWL, das man hier auch in der Start-up-Szene sehr bodenständig und detailorientiert ist.

Abschließend die Frage: Sie tragen den Namen Miele. Ist das ein Türöffner – oder vor allem Verpflichtung?

Miele: Als Namensträger bin ich stolz darauf, was meine Vorfahren und mein Onkel Markus bei Miele geschaffen haben. Die Firma steht für Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und hohe Qualität. Daher ist der Name Miele sicherlich auch eine Verantwortung. Ich sage immer, dass ich mich der Tradition gegenüber verbunden, aber der Innovation gegenüber verpflichtet wehe. Gerade in der Gründerszene spielt mein Nachname daher keine übergeordnete Rolle. Da ist es gleichgültig, ob man Hoffmann, Meier oder Miele heißt. Am Ende zählt einzig und allein die Leistung.

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