Umsatzplus von drei Prozent bleibt hinter den Erwartungen zurück Boge hat noch Luft nach oben

Bielefeld (WB). Gemessen an der allgemeinen Konjunktur und der Entwicklung im NRW-Maschinenbau ist ein Umsatzplus von drei Prozent schon recht ordentlich. Die Geschäftsführung des Bielefelder Druckluftspezialisten Boge hatte sich allerdings mehr vorgenommen.

Von Bernhard Hertlein
Der geschäftsführende Gesellschafter Wolf D. Meier-Scheuven (rechts) und Mitgeschäftsführer Thorsten Meier (Mitte) an einem neuen Schraubenkompressor im Fachgespräch mit dem Boge-Mitarbeiter Vladica Strahinovic.
Der geschäftsführende Gesellschafter Wolf D. Meier-Scheuven (rechts) und Mitgeschäftsführer Thorsten Meier (Mitte) an einem neuen Schraubenkompressor im Fachgespräch mit dem Boge-Mitarbeiter Vladica Strahinovic. Foto: Thomas F. Starke

»Wir haben noch Luft nach oben«, sagte Geschäftsführer Thorsten Meier am Montag bei der Vorlage der aktuellen Bilanz. Mindestens fünf Prozent plus sollen es 2018 schon sein. »Ein über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegender Auftragsbestand stimmt uns optimistisch«, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Wolf D. Meier-Scheuven.

Die Voraussetzungen sind gegeben

Mit einem Aufwand von über fünf Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung, Investitionen von sieben Millionen Euro in 2017 und der Schaffung von 50 zusätzlichen Arbeitsplätzen seien die Voraussetzungen gegeben, sagte Meier-Scheuven. Zudem sei der Umsatz im vierten Quartal klar angezogen.

Die Smart Factory am Standort Bielefeld erfülle vor allem hinsichtlich Qualität die gestellten Anforderungen und werde ausgebaut. Mit dem High Speed Turbo Kompressor (HST) liege Boge auch technologisch an der Spitze. Hinzu kämen vertriebliche Angebote, die sich sehen lassen: So ist mit dem Kauf eines HST die Möglichkeit verbunden, technisch nachzurüsten und so stets auf dem aktuell modernsten Stand zu bleiben. Auf der anderen Seite bietet Boge an, dass die Firma selbst den neuen Kompressor betreibt und der Kunde die Leistung (Druckluft, Wärme) vergütet. Oder aber er wird mit den Einsparungen beim Energieverbrauch bezahlt. In diesem Fall teilen sich Boge und der Kunde den Gewinn.

Positive Erwartungen an das Nordamerika- und Asiengeschäft

Während sich die Nachfrage in Deutschland für Boge ganz erfreulich entwickelt hat, blieb sie insbesondere in Italien und in Großbritannien hinter den Erwartungen zurück. Positive Erwartungen hat Boge 2018 nicht zuletzt an das Nordamerika- und Asiengeschäft. Je ein Drittel seines Umsatzes erzielen die Bielefelder in Deutschland, dem restlichen Europa sowie in Amerika, Asien und Afrika.

Kritisch äußerte sich Meier zu den Forderungen der IG Metall , für einzelne Beschäftigtengruppen das Recht auf subventionierte Arbeitszeitreduzierung durchzusetzen. Dies gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Boge selbst habe seit 2012 ein Modell, das es dem Beschäftigten erlaube, seine Arbeitszeit in Abstimmung mit dem Abteilungsleiter von Montag bis Samstag zwischen 0 und 24 Uhr frei zu bestimmen. »Es gibt keine Kernarbeitszeit«, erklärte Meier. Diese hohe Flexibilität werde in vielfacher Weise genutzt. »Mit ist kein Fall bekannt, bei dem wir den Wunsch eines Arbeitnehmers nach Veränderung der Arbeitszeit abgelehnt haben.« Dennoch gebe es ein Problem, wenn diese völlige Flexibilität zum Arbeitnehmerrecht werde.

Auch Niedrigdruck-Kompressoren

Im vergangenen Jahr hat Boge einen Umsatz von 140 Millionen Euro erwirtschaftet. Von den 850 Beschäftigten arbeiten 470 Mitarbeiter am Stammsitz in Bielefeld. Im Vorjahr waren es insgesamt 800, davon 470 in Bielefeld. Im Zweigwerk Großenhain beschäftigt Boge über 50 und in der Produktion in China 60 Mitarbeiter.

Hauptabnehmer für die Kolben-, Schrauben-, Scroll- und HST-Kompressoren sind Lebensmittelindustrie, Pharmahersteller und Medizintechnik. Hinzu kommen Automobil- und Maschinenbau. Neu sind Geräte im Niedrigdruckbereich von drei bis vier Bar. Zehn Prozent des Umsatzes erzielt Boge mit der Zweitmarke Solid Air.

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