Werksverlagerung nach Sachsen überraschend auf dem Prüfstand Homann überdenkt Umzug

Dissen  (WB). Überraschende Entwicklung beim Feinkosthersteller Homann in Dissen: Das Management hat die bei Mitarbeitern und regionaler Politik über Monate heftigst kritisierten Umzugspläne nach Sachsen vorerst auf Eis gelegt. »Alle Pläne werden überdacht«, verlautet jetzt aus dem Unternehmen.

Von Edgar Fels
Die Zentrale von Homann Feinkost in Dissen. Fest steht, dass das alte Gebäude nicht mehr zukunftsfähig ist. Wo ein Neubau entsteht – diese Frage ist nun offenbar wieder offen. Bisher hieß es, der Feinkosthersteller ziehe komplett nach Leppersdorf um.
Die Zentrale von Homann Feinkost in Dissen. Fest steht, dass das alte Gebäude nicht mehr zukunftsfähig ist. Wo ein Neubau entsteht – diese Frage ist nun offenbar wieder offen. Bisher hieß es, der Feinkosthersteller ziehe komplett nach Leppersdorf um. Foto: dpa

Dafür will sich Homann, Tochter des Theo-Müller-Konzerns, etwa drei Monate Zeit nehmen. Eine endgültige Entscheidung solle demnach bis spätestens Ende März oder Anfang April gefällt werden, heißt es. Die nach wie vor knapp 1000 Mitarbeiter wurden über die unverhoffte Wendung bei Homann kurz vor Weihnachten per Aushang informiert.

»Für uns hat sich nichts verändert«, kommentiert der Betriebsratsvorsitzende Andreas Straede den Sachverhalt jetzt. »Ich will hier keine Hoffnung wecken. Es gibt einen Sozialplan und einen Interessenausgleich«, sagt er und fügt hinzu: »Theoretisch ist vieles möglich.«

Gespräche der Geschäftsleitung

Tatsächlich ist derzeit völlig unklar, wohin die Reise bei Homann geht. Gestern kam die Geschäftsleitung zusammen, um in einem ersten Schritt erneut alle Optionen anzusprechen. So sei es möglich, dass der Umzug in der bisher diskutierten Größe in das 500 Kilometer entfernte sächsische Leppersdorf doch noch platzt. Wobei das Land Sachsen offenbar bereits Subvention in zweistelliger Millionenhöhe zugesichert hatte.

Ebenso sei es denkbar, dass Homann doch noch den seitens der Beschäftigten sowie der lokalen Politik gewünschten Werksneubau in Dissen angeht. Am Ende des Abwägungsprozesses könnte es aber auch heißen: Es bleibt wie geplant! Dissen verliert Homann! In diesem Fall würde der Firmensitz mitten in der Stadt im Frühjahr 2020 aufgegeben werden.

Personalpolitik des Untenehmens spielt eine Rolle

Um zu ergründen, wieso bei Homann dieser Zickzackkurs gefahren wird, muss man sich die Personalpolitik des von Theo Müller dominierten Traditionsunternehmens anschauen. Denn seit den Anfang 2017 bekannt gegebenen Umzugsplänen ist die Homann-Spitze komplett ausgetauscht.

Geschäftsführer Norbert Weichele verließ Homann nach zwei Jahren im Oktober 2016. Ihn zog es zurück zu seinem früheren Arbeitgeber Zentis. Eine Sprecherin des Mutterkonzerns Müller versicherte damals, auf die Umzugspläne des Konzerns werde die Entscheidung keine Auswirkungen haben.

Im Herbst 2017 verließ Produktionschef Volker Fiege den Feinkosthersteller. Auch er – angeblich ein Vertrauter von Molkemilliardär Müller – hatte den Umzug nach Leppersdorf forciert. Fiege war dort zuvor Produktionsleiter bei der Müller-Tochter Sachsenmilch und später für die Leitung des Neubauprojekts verantwortlich. Er wechselte an die Führungsspitze des Backwarenherstellers Lieken in Dortmund.

Für Weichele war vor gut einem Jahr Sönke Renk (52), früher Vertriebsleiter bei Bahlsen, nach Dissen gekommen. Er verantwortet als Vorsitzender der Geschäftsführung auch die strategische Neuaufstellung und operative Weiterentwicklung bei Homann.

Das Personalkarussell war nun offenbar Auslöser für die Denkpause in Sachen Neustrukturierung. Immerhin geht es um ein Investment allein für Homann von rund 290 Millionen Euro.

Umzugsplan hat ganz Dissen schockiert

Nicht nur angesichts des bestehenden Sozialplanes muss das Homann-Führungsteam auch rechtliche Fragen wälzen. Inwieweit Theo Müller seiner Homann-Tochter mit ihren etwa 600 Millionen Euro Umsatz freie Hand lässt, bleibt abzuwarten. Müller ist für sprunghafte Entscheidungen bekannt. Seine Firmengruppe mit knapp sechs Milliarden Euro Umsatz sitzt in Luxemburg.

Der Umzugsplan von Homann mit seinen Salaten und Dressings hatte nicht nur die Branche überrascht, sondern ganz Dissen schockiert. Im Spätherbst 2015 hatte Müller entschieden, dass neu gebaut wird. Wo blieb zunächst offen.

Wenig später favorisierte Müller für einen Homann-Neubau Leppersdorf – dort steht bereits seine hochmoderne Molkerei Sachsenmilch mit heute 2500 Mitarbeitern. Und dort hatte Müller bereits hunderte Millionen Euro investiert und von EU, Bund und dem Land Sachsen 70 Millionen Euro Subventionen erhalten.

20 Hektar an der A33 wurden bereitgestellt

Stehen die Umzugspläne tatsächlich auf dem Prüfstand? Der Dissener Bürgermeister Hartmut Nümann (SPD) rechnet jedenfalls nicht damit, dass Homann tatsächlich noch mit einem größeren Teil in Dissen bleiben könnte.

Um Homann in Dissen zu halten, hatte die Stadt an der A33 gut 20 Hektar in einem Gewerbegebiet organisiert und bereitgestellt. »Jetzt streben wir kleinteiligere Lösungen an«, sagt Nümann. »Es gibt aktuell ein halbes Dutzend Interessenten.«

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