350 Mitarbeiter von Insolvenz betroffen Käufer von Weltbild aus Ahaus ist pleite

Ahaus - Knapp fünf Monate nach dem Kauf von 67 Filialen des Buchhändlers Weltbild ist auch der neue Besitzer aus Ahaus pleite. Wie ein Sprecher des Landgerichts Münster am Donnerstag erklärte, war bereits zur Wochenmitte das Insolvenzverfahren für die Buchhandelskette Lesensart aus Ahaus eröffnet worden.

Von Andreas Fier
Foto: Bernd Thissen

Die Lesensart GmbH mit ihrem Besitzer Rüdiger Wenk war vor einem knappen halben Jahr auch für Branchenkenner überraschend auf der Bildfläche aufgetaucht und hatte einen Teil der Niederlassungen von Weltbild übernommen. Betroffen von der Pleite sind rund 350 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte am Donnerstag, die Insolvenz von Lesensart sei „leider keine Überraschung“. Wenk hatte zuletzt offenbar im Wochentakt Filialen geschlossen, unter anderem in Dortmund und Offenburg. Als Nachmieter ist in mehreren Fällen eine Kette von Ein-Euro-Shops aufgetreten. Ende Juli war bereits das Aus für die Lesensart-Filiale in Ahlen verkündet worden. Ausgerechnet die Weltbild-Filiale in der Innenstadt von Ahaus ist von der Pleite nicht betroffen – sie gehört nicht zu Wenks Unternehmen.

Die Weltbild-Zentrale in Augsburg erklärte, dort sei man von der Insolvenz bei Lesensart überrascht. Das verbliebene Filialnetz von Weltbild sei aber „in keiner Weise berührt“, hieß es.

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Es brennt es nach wie vor an allen Ecken und Enden im Konzern.

Gesamtbetriebsrat Weltbild

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Weltbild war ursprünglich im Besitz der katholischen Kirche. Der Medienhändler hatte Anfang 2014 ebenfalls Insolvenz anmelden müssen und sich daraufhin von nahezu jeder zweiten Filiale getrennt. Der verbliebene  Teil der Geschäfte war vom Düsseldorfer Geschäftsmann Walter P. J. Droege aufgekauft worden, der mit seinem Familienunternehmen seinerzeit auch als heißer Kandidat für eine Schlecker-Übernahme gehandelt worden war.

Nach der Übernahme der Weltbild-Filialen durch die Lesensart Rüdiger Wenk GmbH hatte es bereits wiederholt Irritationen gegeben. Selbst ein knappes halbes Jahr nach dem Deal waren etliche Ladenlokale bis zuletzt noch immer mit Weltbild-Leuchtreklame ausgestattet.

Sowohl der Betriebsrat von Lesensart als auch von Weltbild hatten sich erst im vergangenen Monat an die Öffentlichkeit gewandt. Der Lesensart-Betriebsrat sprach in einem offenen Brief von einer „verzweifelten Lage“. Nach Ansicht des Gesamtbetriebsrats von Weltbild wiederum „brennt es nach wie vor an allen Ecken und Enden im Konzern“.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Münster den Betriebswirt Ulrich Zerrath aus Recklinghausen . Weder Zerrath noch Lesens­art standen am Donnerstag für weitere Auskünfte bereit.

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