Früherer Mainzer Bischof verstorben Kardinal Lehmann ist tot

Mainz/Münster -

Er war 33 Jahre Mainzer Bischof und 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Karl Lehmann. Der Kardinal ist nun mehrere Monate nach einem Schlaganfall gestorben. Münsters Bischof Felix Genn würdigte Lehmann als „entscheidende Gestalt“ für die Kirche in Deutschland.

Von dpa/wn
Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen im Bischöflichen Ordinariat.
Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen im Bischöflichen Ordinariat. Foto: Fredrik von Erichsen

Kardinal Karl Lehmann, einer der beliebtesten Katholiken Deutschlands, ist tot. Der frühere Mainzer Bischof starb nach Angaben des Bistums an diesem Sonntagmorgen in seinem Haus in Mainz. Er wurde 81 Jahre alt.

Kräfte schwanden zuletzt deutlich

Lehmann hatte seit September vergangenen Jahres mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung gekämpft. Nachdem sein Gesundheitszustand monatelang stabil war, schwanden seine Kräfte zuletzt deutlich. Der frühere Bischof genoss weltweites Ansehen.

Lehmann war nach dem Schlaganfall zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden. Seit Dezember vergangenen Jahres wurde er schließlich zu Hause in Mainz versorgt. Nach Angaben seines Nachfolgers Peter Kohlgraf hatte er zuletzt selbst signalisiert, dass er sich «auf den Weg macht». In einem Schreiben an Pfarrgemeinden und Mitarbeiter hatte Kohlgraf jüngst zum Gebet für Lehmann aufgerufen und um dessen Leben gebangt.

Mit 80 in den Ruhestand

Der gebürtige Sigmaringer war von 1983 bis 2016 rund 33 Jahre lang Bischof des Bistums Mainz, das sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, dazu kommt die Exklave Wimpfen in Baden-Württemberg. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Nachdem er 2011 zwei künstliche Kniegelenke erhalten hatte, bereitete ihm das Gehen Probleme.

Im Mai 2016 ging er mit 80 Jahren in den Ruhestand. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Danach wollte Lehmann weiter in Theologie, Philosophie und Ökumene tätig sein. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an - das war der letzte öffentliche Auftritt von Lehmann.

Bezog in Debatten klar Stellung

Er bezog in vielen Debatten klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis. Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Genn dankbar für den Respekt und die Wertschätzung

"Er hat sich nicht gescheut, sich in alle Auseinandersetzungen dieser immer mehr säkularisierten Zeit für die Verkündigung des Evangeliums einzusetzen und mit großer theologischer Kompetenz und einem umfassenden Wissen dem Glauben und der Kirche Stimme zu geben", sagte Felix Genn laut einer Pressemitteilung am Sonntag. Das habe Lehmann ein hohes Ansehen verschafft, "und ich habe immer wieder bewundernd wahrgenommen, mit wie vielen Fragen er sich detailreich und minutiös beschäftigt hat". Genn sei ihm dankbar für die Wertschätzung und den Respekt, den Lehmann ihm und seiner Arbeit entgegen gebracht habe. "Nach dem Tod von Joachim Kardinal Meisner im vergangenen Jahr markiert der Tod von Karl Kardinal Lehmann ebenfalls das Ende einer kirchengeschichtlichen Ära, die er ganz wesentlich mitgestaltet und geprägt hat", so Genn weiter.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) trauerte am Sonntag um einen großen Freund und Förderer: "Die Nachricht vom Tod unseres Freundes und langjährigen Mitglieds, Kardinal Karl Lehmann, haben wir mit großer Trauer und Betroffenheit aufgenommen", so der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, in einer Pressemitteilung. Lehmann sei "in seiner freundlich-fröhlichen und herzlichen Art ein authentischer Zeuge der Freude am Evangelium" gewesen.

Autor zahlreicher Bücher

Kardinal Lehmann war zudem Autor zahlreicher Bücher - und Ehrenmitglied des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Als einen der Höhepunkte in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er einmal den Katholikentag 1998 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Tiefpunkte waren für ihn die Fälle sexuellen Missbrauchs und die Auswirkungen der Affäre um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut und war im März 2014 unter anderem deswegen abberufen worden. Dieser Finanzskandal hatte viele Kirchenaustritte zur Folge.

 

 

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