Fast 10.000 Fälle angezeigt – sieben versuchte Tötungsdelikte Erneut mehr Übergriffe auf Polizei und Rettungskräfte

Düsseldorf (WB). Die Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte hat im vergangenen Jahr NRW-weit erneut zugenommen. Die Bilanz von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) listet sogar sieben versuchte Tötungsdelikte auf – eine besorgniserregende Entwicklung.

Von Bernd Bexte

Insgesamt sind laut Innenministerium im vergangenen Jahr 9766 Fälle angezeigt worden – zwei Prozent mehr als 2016. Die Zahl der versuchten Tötungsdelikte blieb mit sieben unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Deutlich gestiegen ist vor allem die Zahl der Bedrohungen: und zwar um zwölf Prozent auf 770. Gesunken ist hingegen die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen, um 9,5 Prozent auf 559. Das mit Abstand häufigste Delikt war Widerstand gegen Polizeibeamte. Hier wurden mehr als 7000 Fälle registriert.

Ziel sind meist Polizisten

Ziel der körperlichen und verbalen Attacken sind zumeist Polizisten: Sie sind Opfer von mehr als 92 Prozent der in der Landesstatistik erfassten Übergriffe. Diese hohe Quote ist aber vor allem der Methodik geschuldet: »Während für die Polizei als Teil der Landesorganisation die Meldung von Straftaten oder Gewalttaten verpflichtend gemacht werden kann, muss dies im Bereich der Feuerwehren und Rettungsdienste durch die kommunalen Dienstherrn erfolgen«, erklärt Reul.

Abgesehen von der amtlichen Statistik sei aber aus verschiedenen Studien ersichtlich, dass auch Einsatzkräfte im Rettungsdienst gehäuft Opfer von Gewalt würden. So listet die Polizeistatistik für das zweite Halbjahr des vergangenen Jahres 204 Angriffe auf Mitarbeiter der Feuerwehr oder sonstiger Rettungskräfte in Nordrhein-Westfalen auf. 199 Tatverdächtige wurden anschließend ermittelt – 122 standen bei der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. 144 der Verdächtigen sind laut Statistik in Deutschland geboren. In Fällen körperlicher Gewalt ist es oft der Patient selbst, von dem der Angriff ausgeht. Viele verbale und nonverbale Attacken würden aber gar nicht gemeldet, »was die Aufhellung des Phänomens und die Entwicklung geeigneter Gegenmaßnahmen erschwere«, gibt Reul zu bedenken. Es sei deshalb besonders wichtig, dass die Kommunen den betroffenen Einsatzkräften eine leicht zu handhabende Möglichkeit anböten, um Vorfälle umgehend zu melden. Es gebe beispielsweise »vereinzelt erfolgreich praktizierte Verfahren«, bei denen Einsatzkräfte per App Angriffe melden könnten. Reul erwägt hierzu eine landesweite Lösung.

Einsatz von »Bodycams«

Konkrete Maßnahmen sollen mit Polizei und Rettungsdiensten Mitte April beraten und beschlossen werden. Unter anderem verspricht der Minister sich durch den geplanten Einsatz von Körperkameras (Bodycams) eine bessere Eigensicherung der Einsatzkräfte. Gleichzeitig müssten alle Vorfälle »konsequent zur Anzeige gebracht und mit allen Mitteln verfolgt werden«, betont er. Der Innenausschuss des Landtages wird sich heute mit dem Thema befassen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.