Tumultartige Szenen Dresdner Polizei löst Neonazi-Kundgebung auf

Am Ende verliert der vorbestrafte Holocaust-Leugner Gerhard Ittner völlig die Beherrschung. Vor Gesinnungsgenossen prophezeit er in Dresden das Ende der BRD und droht Polizisten mit Vergeltung.

Von dpa
Holocaust-Leugner Gerhard Ittner diskutiert auf dem Postplatz in Dresden mit Polizisten.
Holocaust-Leugner Gerhard Ittner diskutiert auf dem Postplatz in Dresden mit Polizisten. Foto: Monika Skolimowska

Dresden (dpa) - Die Polizei hat in Dresden eine Demonstration des vorbestraften Neonazis und Holocaust-Leugners Gerhard Ittner vorzeitig aufgelöst.

Nach mehreren Reden auf dem Postplatz wurde die Versammlung mit anfangs etwa 200 Teilnehmern abgebrochen, weil die Polizei bei mindestens einer Rede den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt sah.

Als die Demonstranten wie in der NS-Zeit die erste Strophe des Deutschlandliedes sangen, drehte die Polizei dem Lautsprecherwagen den Strom ab. Parallel dazu kam es zu tumultartigen Szenen. Mehrere hunderte Menschen protestierten in Sichtweite gegen die Rechten.

Ittner, Jahrgang 1958, verlor die Kontrolle, stürmte auf Polizisten zu und schrie sie als «Volksverräter» an. Auf der Kundgebung hatte er wegen eines noch schwebenden Verfahrens wegen des Verdachts der Volksverhetzung selbst nicht das Wort nicht ergreifen dürfen.

Nach Auflösung der Versammlung wandte er sich dennoch an die Menge, die zu diesem Zeitpunkt bereits bis auf ein paar Dutzend Getreue geschrumpft war. Er bezeichnete die BRD als «verbrecherisches Regime», beschwor deren Untergang und drohte den Polizisten mit Vergeltung. Die Polizei brachte Ittner später zur Befragung in einen Mannschaftswagen.

Bereits im Vorjahr hatte der aus Franken stammende Ittner beim Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg für einen Eklat gesorgt. Er bezeichnet sich damals selbst als «überzeugten Nationalsozialisten» und verherrlichte die NS-Ideologie als «Modell für die ganze Welt». Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden erhielt Ittner im August 2017 wegen Volksverhetzung einen Strafbefehl, den er aber nicht akzeptierte. Das Verfahren läuft noch. Eine Rede auf der von ihm angemeldeten Demonstration am Samstag war ihm untersagt worden.

Der Jahrestag der Zerstörung Dresdens wird jedes Jahr von Neonazis missbraucht: Sie rechnen die Opferzahlen astronomisch hoch und geißeln die Luftangriffe britischer und amerikanischer Bomber ohne Verweis auf die Ursachen des Krieges als «alliierte Kriegsverbrechen». Dagegen regt sich Widerstand. Die genehmigten Aufmärsche von Neonazis werden stets von zahlreichen Gegendemonstrationen flankiert.

Kommentare

Wie es der Mainstream erfordert

Die Ursache des Krieges rechtfertigt keine Vergeltungshandlungen gegen die Zivilbevölkerung. Das was Briten und Amerikaner mit den Luftangriffen auf Drednen vollzogen haben, war zwar kein Völkermord im engeren Sinne.
Aber so ganz Unrecht hat Gerhard Ittner da leider nicht. Das muss man ertragen, auch wenn der Mensch ansonsten eine Schande ist.

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