Spitzenbeamte verlassen Behörde Steuerfahnder zu fleißig?

Wuppertal (WB/bex). Die Wuppertaler Steuerfahndung gilt bundesweit als die erfolgreichste. War sie vielleicht zu erfolgreich und wird deshalb von der neuen Landesregierung gebremst?

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Diesen Verdacht hegen Kritiker, allen voran der ehemalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Denn zwei Spitzenkräfte der Wuppertaler Behörde verzichten jetzt auf ihren Beamtenstatus und wechseln die Seiten. Sie heuern bei der Großkanzlei Deloitte an, nachdem ihnen unerwartet ein neuer Chef vor die Nase gesetzt worden war. Beide werden nun für Deloitte nationale und internationale Mandanten betreuen, auch bei möglichen Durchsuchungen. Ihnen stehen dann die alten Kollegen gegenüber.

Als Grund für den Abgang vermuten Kritiker die angebliche Absicht der neuen Landesregierung, den Eifer der Steuerfahnder einzudämmen. »So fährt man sehenden Auges eine bestens aufgestellte Steuerfahndung vor die Wand. Da werden ein paar Champagner-Korken knallen!«, empört sich Walter-Borjans per Twitter.

Aufregung bei der Opposition

Die Vorgeschichte: Die Wuppertaler Behörde war mit dem Ankauf von Steuerdaten-CDs immer wieder in den Schlagzeilen. Diese spülten NRW gut 2,3 Milliarden Euro in die Kasse, den Löwenanteil steuerte die Wuppertaler Steuerfahndung bei. Behördenchef Peter Beckhoff ging im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Seine Kollegin Sandra Höfer-Grosjean (45) war vom damaligen Finanzminister Walter-Borjans als kommissarische Leiterin eingesetzt worden. Volker Radermacher (49) wurde ihr Stellvertreter. Nach dem Regierungswechsel bekam aber Michael Schneiderwind (49) vom Finanzamt Aachen-Stadt den Chef-Posten. Jetzt verlassen Höfer-Grosjean und Radermacher die Behörde.

Die Landtagsopposition ist empört: Die SPD spricht von »überflüssigen Schikanen gegen erfolgreiche Steuerfahnder«, die Linke von »unverschämter Klientelpolitik«. NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) versteht die Aufregung nicht: »Mit Michael Schneiderwind wird die Arbeit in Wuppertal in gleicher Qualität fortgesetzt«, teilt sein Ministerium auf Anfrage mit. Auch weiterhin könnten nach Einzelfallprüfung Steuerdaten-CDs angekauft werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.