Lehrer, Eltern und Kommunen fordern Reform ohne Wahlmöglichkeit für Turbo-Abi G9 – ohne Wenn und Aber

Düsseldorf (WB). Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren an allen Gymnasien, Ausschluss jeder Möglichkeit für das Turbo-Abi – das fordert ein neues landesweites Bündnis von Lehrern, Eltern, Gewerkschaften und Kommunen.

Von Bernd Bexte
Wahlmöglichkeit zwischen einem Abitur nach acht oder neun Jahren oder Rückkehr zu G9 ohne Ausnahme? Darüber ist eine Diskussion entbrannt.
Wahlmöglichkeit zwischen einem Abitur nach acht oder neun Jahren oder Rückkehr zu G9 ohne Ausnahme? Darüber ist eine Diskussion entbrannt. Foto: dpa

Mit einem gemeinsamen Schreiben wenden sich die Lehrergewerkschaften GEW und VBE, der DGB, die Landeselternschaft der Gymnasien, die Landeselternkonferenz, die Rheinische und die Westfälische Direktorenvereinigung der Gymnasien, der Städte- und Gemeindebund NRW und der Landkreistag NRW an die Landesregierung.

In dem vierseitigen Schreiben nehmen sie Stellung zum Vorhaben des Landes, zum Abitur nach neun Jahren zurückzukehren. Eine Möglichkeit zum Verbleib beim bisherigen G8 lehnen die Unterzeichner »ebenso ab wie die Schaffung einer Möglichkeit zur Neugründung von Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit. In der Folge soll es auch eine Möglichkeit zum Systemwechsel nicht geben«. Eine rückblickende Bewertung des bisherigen G8 sei damit aber nicht verbunden.

Laut Koalitionsvertrag von CDU und FDP sollen Gymnasien künftig zwischen G8 und G9 wählen können. »Für Gymnasien, die beim achtjährigen Bildungsgang verbleiben wollen, wird eine unbürokratische Entscheidungsmöglichkeit für G8 eröffnet«, heißt es im Vertrag. Das sei vor Ort allerdings kaum gewollt, meint nun das neue Bündnis.

Sowohl die Eltern- als auch die Lehrerverbände hätten aus ihrer Mitgliedschaft »das deutliche Signal erhalten, dass eine konsequente Rückkehr zu G9 ohne Wahlmöglichkeit gewünscht wird«, heißt es im gemeinsamen Schreiben an das Schulministerium. Die neun unterzeichnenden Organisationen bitten die Landesregierung deshalb, »ihre Position zu überdenken und auf die Schaffung von Wahl- und Wechselmöglichkeiten vollständig zu verzichten«.

Gesetzentwurf Anfang des Jahres

Auch die Kommunen stünden der Schaffung zweier unterschiedlich langer Wege zum Abitur an Gymnasien ablehnend gegenüber. Es gelte zwischen dem Bedürfnis nach organisatorischer Freiheit einerseits und nach einer befriedeten, einheitlichen Schullandschaft andererseits abzuwägen. Soweit die Familien besonders leistungsstarker Schüler ein Abitur schon nach acht Jahren wünschten, könne diesem Ansinnen durch »Einrichtung einer institutionalisierten ›Überholspur‹ im neuen G9-Gymnasium entsprochen werden«.

Der Aufwand für diesen Sonderweg sei geringer als der für die dauerhafte Vorhaltung zweier »Subtypen« des Gymnasiums. In die Ausarbeitung dieser Möglichkeit für leistungsstarke Schüler sollten Erfahrungen und Konzepte anderer Bundesländer einbezogen werden.

Das NRW-Schulministerium kündigte gestern gegenüber dem WESTFALEN-BLATT an, die Stellungnahme jetzt auszuwerten. »Anfang des Jahres werden wir dann einen Gesetzentwurf vorlegen«, erklärte ein Sprecher.

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