Ruf nach längerem Arbeiten Deutsche bekommen fast 20 Jahre Rente

Rentner bekommen ihre Bezüge heute fast doppelt so lange wie 1960. Das kostet Milliarden - und könnte bei Koalitionsverhandlungen für Streit sorgen. Der CDU-Wirtschaftsrat fordert längeres Arbeiten.

Von dpa
In den vergangenen 20 Jahre ist die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs um 3,6 auf 19,6 Jahre gestiegen.
In den vergangenen 20 Jahre ist die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs um 3,6 auf 19,6 Jahre gestiegen. Foto: Jens Büttner

Berlin (dpa) - Rentner in Deutschland beziehen ihre Altersbezüge immer länger. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre stieg die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs um 3,6 auf 19,6 Jahre.

Aus der Union kommt der Ruf nach längerem Arbeiten. Die Rentenversicherung ermahnte die kommende Regierung am Donnerstag, keine neuen Ausgabenprogramme zu Lasten der Rentenkasse aufzulegen.

Das durchschnittliche Alter, bis zu dem die Rente gezahlt wird, lag im vergangenen Jahr bei 79,5 Jahren. Männer haben ihre Rente im Schnitt bis 77,1 Jahre erhalten - Frauen sogar bis 81,8 Jahre.

«Grund für diese Entwicklung ist vor allem, dass die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen hat», sagte der Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 2017 geborene Jungen könnten laut Statistischem Bundesamt im Schnitt bis zu 90 Jahre alt werden - Mädchen bis zu 93 Jahre.

«Die Rentnerinnen und Rentner profitieren erheblich von den längeren Rentenlaufzeiten», sagte Annelie Buntenbach, die dem Bundesvorstand im Wechsel mit Gunkel vorsitzt. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte habe sich die Rentenleistung deshalb insgesamt deutlich erhöht.

Doch die finanziellen Belastungen der Rentenkasse steigen damit auch. Das überschattet die politische Debatte um eine Rentenreform. In den kommenden Jahren gehen zudem immer mehr ältere Arbeitnehmer aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen in den Ruhestand.

Auf einer Bundesvertreterversammlung der Rentenversicherung in Berlin fächerte Gunkel zentrale Entwicklungen auf. Bis 2045 dürfte der Beitragssatz von 18,6 Prozent im kommenden Jahr auf dann 23,2 Prozent steigen - und das Absicherungsniveau der Rente im Vergleich zum Lohn von 48,2 auf 42,2 Prozent sinken. Die Reserve für finanzielle Nachhaltigkeit der Rentenkasse dürfte in wenigen Jahren auf die gesetzlich festgelegte Untergrenze von 0,2 Ausgaben für einen Monat absinken. 2017 beträgt dieses Geldpolster mit 32,9 Milliarden Euro 1,59 Monatsausgaben.

Der CDU-Wirtschaftsrat rief die Union dazu auf, die Bürger in einer neuen großen Koalition auf eine längere Lebensarbeitszeit einzustimmen. «Die Menschen müssen länger arbeiten als jetzt, sonst wird es nicht gehen», sagte Verbandsgeneralsekretär Wolfgang Steiger der «Rheinischen Post» (Donnerstag). Im Jahr 2021 müssten schon über 100 Milliarden Euro Steuermittel für die Rente aufgebracht werden.

Steiger forderte eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Zudem unterstützte er freiwilliges längeres Arbeiten. Nachdem das jüngste Flexirenten-Gesetz nach Einschätzung von Kritikern zu kurz gesprungen war, könnte eine neue Bundesregierung mehr für flexiblere Übergänge in die Rente tun, wird in Unionskreisen spekuliert. Generellem längeren Arbeiten hatte die SPD in ihrem Wahlprogramm eine Absage erteilt: «Keine Anhebung der jetzigen Regelaltersgrenze. Wir werden dafür sorgen, dass die Regelaltersgrenze gesund und leistungsfähig erreicht werden kann.»

Die IG Metall stemmt sich gegen längeres Arbeiten. «Die Gleichung vom Arbeiter im Rentenalter als Retter vor der vermeintlichen demografischen Katastrophe geht nicht auf», sagte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban der dpa. Wegen der Belastungen der modernen Arbeitswelt erreichten viele nicht einmal die Regelaltersgrenze.

Gunkel mahnte: «Angesichts der sich abzeichnenden demografischen Herausforderungen kann ich nur dringend empfehlen, die langfristige Entwicklung der Rentenversicherung im Blick zu behalten.» Neue Leistungen, für die keine Beiträge gezahlt wurden, müssten voll aus Steuermitteln bezahlt werden.

Die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, unterstrich, dass die sieben Milliarden Euro, die für die von der CSU geforderte Ausweitung der Mütterrente nötig sei, «keinesfalls den Beitragszahlern aufgebürdet werden dürfen». Um Selbstständige besser abzusichern, favorisierte Roßbach auf der Vertreterversammlung eine Einbeziehung in die gesetzliche Rente.

Kommentare

Schade, dass das hier ...

...keiner liest.

Vor Allem Politiker (und/)oder Entscheider koennten was lernen.

Zimindest mal um die Ecke zu denken.

Encore une fois ...

Wiederholung eines Kommentars mit Zusatz:


Wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen, haben die vorher jahrelang eingezahlt. Davon wurden die Renten von nicht Babyboomer-Generationen finanziert.

Es müßte also ein gewaltiger Überschuß in den Rentenkassen sein.

Ach nein, stimmt ja nicht. Dieses Geld wurde ja zweckentfremdet.

Egal, da wird es wieder gezogen, dieses durch nichts zu beweisende Schwert der demografischen Entwicklung. Zum einen weiss niemand was morgen ist, zum anderen, ist die demografische Entwicklung wirklich nur schlecht?

An dieser Stelle sei auch nochmal erwaehnt, dass die Rentenbeitragszahler Beitraege für sich selber und nicht etwa für andere einzahlen. Dass der Staat bzw. die Gesetzliche Rentenversicherung dieses Geld in der Zeit, in der er sowieso nicht an sein Geld herankommt, nimmt, um die jeweils aktuellen Renten zu finanzieren, aendert daran nichts. Wirtschaftswissenschaftler vergleichen dieses Umlageverfahren zuweilen mit Staatsanleihen.

Niemand käme schliesslich auf die Idee zu meinen, sei es er haette nur ein normales Sparbuch, er wuerde damit einen anderen aus- bzw. bezahlen.

So, nun die Wiederholung:





eFrauZipation in Gaenze gescheitert ;-)


...wobei Maenner im Durchschnitt bis 77,1 und Frauen bis 81,8 also fast vier Jahre laenger Rente bekommen.

Wieder ein Beweis dafuer, dass die Emanzipation in Gaenze gescheitert ist. Wie kann es sein, dass Maenner derartig benachteiligt werden und fast vier Jahre kuerzer Rente bekommen.
Dies ist scherzhaft gemeint und doch ein Problem und zwar ein grosses. Hier geht es naemlich auch wenn auch nicht nur um Renten, die nicht auf Beitraegen fussen (ein Beitrag in gleicher Hoehe bei einem Single und bei Verheirateten).

Dies ist nicht schlimm, wird aber aus der falschen Kasse bezahlt. Auf der anderen Seite ist dies eine der wenigen Punkte, an der die Rente eine Solidarrente ist. Wenn man das wieder rausbekommt, was man einbezahlt hat (zwingende Voraussetzung, man lebte lange genug), ist es keine Solidarrente.

Nebenbei bei fast 20 Jahren Bezugsauer muesste das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei Maennern bei 57 und bei Frauen bei 61 liegen.

Hab ich da was falsch verstanden?

Quintessenz:

Die Rente ist komplett falsch organisiert. Man sollte das Rentenregeleintrittsalter auf 63 festlegen und die Renten dann 15 Jahre aus der Rentenkasse und danach aus der Steuerkasse bezahlen. Ferner sollte die Deckelung entfallen und es sollte eine Einheitsrente von 1500 bis 1600 Euro fuer jede Person geben, also bei Paaren dann zwei Renten. Das gilt auch fuer Beamte und andere.

Dann waere es eine echte Solidarkasse, die sich mehr an dem Bedarf und nicht an dem orientiert, was man einbezahlt hat.

Ein Gedanke an eine Lebenstandardssicherung durch die gesetzliche Rente ist schon immer abwegig gewesen. Das klappte doch immer nur bei den Leuten, die gar keine Beitraege bezahlt haben, also bei Beamten.

Allein, es wird nicht passieren, da die voellig verkrusteten Denkstrukturen aus ihren eingefleischten Mustern nicht herauskommen.

Was will man machen. Die Sonne hat sich ja auch trotz besseren Wissens 400 Jahre weiter um die Erde gedreht.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

An dieser Stelle sei nochmal die Daenische Koenigin, die die Staendeordnung fuer Gott gegeben hielt, zitiert, die angeblich zu Klaus Stoertebeker sagte: "Will er denn die goettliche Ordnung anzweifeln?"

Wo geht's uebrigens zur Steinigung?
Mann zweifelt die Emanzipation nicht an. Niemals!

2 Kommentare

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