Melania Trump lässt bislang nur Blicke und Gesten für sich sprechen Die rätselhafte First Lady

Washington (WB). Ein knappes halbes Jahr nach Donald Trumps Amtsantritt ist Melania Trump immer noch ein unbeschriebenes Blatt. Es gibt von ihr weniger Worte als Gesten. Letztere bieten jedoch jede Menge Raum für Spekulationen.

Von Kerstin Heyde
Einzug ins Weiße Haus: Donald Trump holt am Sonntag die First Lady und den gemeinsamen Sohn Barron vom Hubschrauber ab. Er will Melania die Tasche abnehmen, doch sie lässt nicht los.
Einzug ins Weiße Haus: Donald Trump holt am Sonntag die First Lady und den gemeinsamen Sohn Barron vom Hubschrauber ab. Er will Melania die Tasche abnehmen, doch sie lässt nicht los.

Sie ist die erste First Lady, die in einem kommunistischen Land geboren wurde und nach der Britin Louisa Adams (1775 bis 1852) erst die zweite, die nicht in Amerika zur Welt kam. Das und die Tatsache, dass sie früher als Model ihr Geld verdiente, machen sie automatisch zur Außenseiterin. Eine Außenseiterin, die noch dazu mit einem superreichen, 24 Jahre älteren Mann verheiratet ist. Da will natürlich jeder wissen: Wie tickt diese Frau?

Während des Wahlkampfes sah man sie aber – wenn überhaupt – nur brav in der Rolle der hübschen, stillen Begleiterin ihres Mannes. Auf Bildern lächelte sie selten und wirkte oft so, als sei ihr die neue Rolle äußerst unangenehm. Melania zog nicht einmal sofort ins Weiße Haus ein, sondern blieb mit Sohn Barron (11) in New York, damit der in Ruhe das Schuljahr beenden konnte. Diesen Bruch mit der Tradition fand so mancher Beobachter erfrischend. Erst am vergangenen Sonntag rollten endlich die Umzugswagen – gerade noch pünktlich zum Ge­burtstag ihres Mannes, der morgen 71 wird.

Gegen Mobbing im Internet

Politisch ist die First Lady nach wie vor nicht einzuordnen. Viele ihrer Vorgängerinnen machten über die rein repräsentativen Aufgaben hinaus ihren politischen Einfluss geltend. Das wird auch von Melania Trump erwartet. Einmal sagte sie, sie wolle als First Lady gegen Mobbing im Internet kämpfen und Anwältin von Frauen und Kindern sein. Seither hat man dazu wenig gehört.

Dafür haftet das Image der naiven Schönheit fest an Melania, der viele unterstellen, ih­ren Mann nur geheiratet zu haben, um an (sein) Geld zu kommen. Sie selbst behauptete zwar, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen.

Am prominentesten zeigte sich die Präsidentengattin während der ersten gemeinsamen Auslandsreise in die Golfregion, nach Israel und Europa. Dort fiel die gebürtige Slowenin durch ein gewisses Maß an Widerspenstigkeit auf. Zweimal zeigte sie deutlich, dass sie nicht mit Donald Trump Händchen haltend über die Flughafenrollfelder der Alten Welt zu flanieren gedenkt. Spekulationen um den Zustand der Trump-Ehe ließen nicht lange auf sich warten.

Gerüchte über eine Ehekrise

Seither gibt es immer neue Gerüchte über eine Ehekrise. Auch ein heimlicher Liebhaber wurde der First Lady schon angedichtet. Und die Scheidungspapiere sollen sowieso längst unterschrieben sein. Die Möglichkeit, dass sie ihrem Mann nach zwölf Jahren Ehe nicht mehr die Hand geben möchte, beflügelt die Körpersprache-Leser: »Melanias Klaps beweist, dass sie Donald genauso hasst, wie es Amerika tut«, titelte etwa die US-amerikanische Website »The Daily Beast«.

Überraschung in Saudi-Arabien: Melania im Jumpsuit. Foto: dpa

Nur wenige Analysten zogen bislang in Erwägung, dass Melania vielleicht aus Liebe auf das Image ihres plump agierenden Ehemannes achtet und ihn gelegentlich an die Etikette erinnern möchte. Das glaubt zumindest ihr langjähriger Freund und ehemaliger Model­agent Paolo Zampolli, der im Magazin »Politico« seine Eindrücke schilderte. Inwieweit Melania die gesellschaftlichen Ausrutscher Donald Trumps peinlich sind, weiß letztlich nur sie selbst. Ihre Mimik spricht allerdings Bände.

Von nahestehenden Personen wird Melania als sehr klug und feinfühlig beschrieben. Ihre Kleiderwahl während der Auslandsreise ließ manchen daran jedoch wieder zweifeln. Das 1,80 Meter große Ex-Model trug in Saudi-Arabien keine Kopfbedeckung, dafür aber einen schwarzen Designer-Jumpsuit – laut New York Times »eine moderne Interpretation der Abaya, des traditionellen Gewands muslimischer Frauen«. Einige Berichterstatter interpretierten das als feministischen Schachzug. Die Journalistin Birgit Kelle meinte etwa in der »Welt«: »Melania Trump ist möglicherweise die emanzipierteste Präsidentengattin, die das Weiße Haus in der Neuzeit gesehen hat.«

»Distanziert-herablassender Gesichtsausdruck«

Weniger wohlwollende Beobachter fanden es dagegen unpassend, »ausgerechnet an ein Kleidungsstück zu erinnern, das symbolisch für die nicht vorhandenen Frauenrechte einer patriarchalen Gesellschaft steht«. Ob sie sich tatsächlich etwas dabei gedacht hat und ein Signal senden wollte oder ob gar keine Symbolik dahintersteckt und die modebewusste Melania einfach nur einem aktuellen Trend gefolgt ist – auch das hat sie bislang keinem verraten.

Seltener Moment: Die First Lady lacht. Foto: imago

Die First Lady bleibt also schwer einzuordnen. Zwar gibt es immer neue Bilder mit immer neuen, teils bizarren Gesten, aber die schaffen wieder nur neuen Raum für Spekulationen. Für die einen scheint es eine unumstößliche Tatsache zu sein, dass sie nur deshalb selten lächelt, weil sie sich in ihrer Ehe gefangen fühlt und nichts zu lachen hat. Für andere wie die Autorin Johanna Bruckner (»Süddeutsche Zeitung«) könnte es aber auch sein, dass Melania Trump »jenen distanziert-herablassenden Gesichtsausdruck in ihrer Zeit als Model so oft hat abrufen müssen, dass er ihr zu Eigen geworden ist«.

Die Politik-Expertin Katrina Bland, die an der Universität Toronto zum Thema Internationale Beziehungen forscht, versucht indes, ei­ne Lanze für die First Lady zu brechen: »Melania Trump ist neu, sie hat viel Kritik erfahren.« Es sei nachvollziehbar, dass sie sich mit öffentlichen Kommentaren sehr zurückhalte. Und: »Nur die Zeit wird zeigen, welche Rolle Melania wirklich einnehmen wird«, meint Bland.

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