Beschuss von Flüchtlingslager Mindestens 50 Tote bei Luftangriff in Nigeria

Das nigerianische Militär kämpft im Nordosten gegen die Terrorgruppe Boko Haram. Nun hat ein Luftangriff versehentlich ein dicht besiedeltes Flüchtlingslager getroffen. Die Folgen sind fatal.

Von dpa
Das nigerianische Militär kämpft im Nordosten gegen die Terrorgruppe Boko Haram. 
Das nigerianische Militär kämpft im Nordosten gegen die Terrorgruppe Boko Haram.  Foto: Edwin Kindzeka Moki

Paris/Abuja (dpa) - Ein nigerianisches Kampfflugzeug hat versehentlich ein Flüchtlingslager bombardiert und dabei mindestens 52 Menschen getötet. In dem Lager in Rann nahe der Stadt Maiduguri seien bei dem Angriff zudem 120 Menschen verletzt worden, erklärte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Der Luftangriff hatte dem Militär zufolge Extremisten der islamistischen Terrororganisation Boko Haram zum Ziel, wie Generalmajor Lucky Irabor erklärte. Eine Untersuchung des schrecklichen Fehlers im nordöstlichen Bundesstaat Borno sei eingeleitet worden.

«Dieser große Angriff auf hilflose Menschen, die bereits vor extremer Gewalt geflohen sind, ist schockierend», erklärte ein führender Vertreter von MSF, Jean-Clément Cabrol. Nun müsse alles getan werden, um die schnellstmögliche Evakuierung der Verletzten zu garantieren, sei es aus der Luft oder am Boden. Teams von MSF im Tschad und in Kamerun stünden bereit, die Verletzten zu behandeln. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Die Regierung werde den örtlichen Behörden bei der Bewältigung der Situation beistehen, wie er auf Twitter erklärte.

Das Rote Kreuz erklärte, sechs örtliche Mitarbeiter der Hilfsorganisation seien getötet und mindestens 13 weitere verletzt worden. Sie gehörten zu den Teams, die in dem Lager rund 25 000 Binnenflüchtlinge versorgen, wie die Organisation auf Twitter erklärte. Es war zunächst unklar, ob die getöteten Rot-Kreuz-Mitarbeiter unter den 52 von MSF gemeldeten Toten waren.

Der Vater eines Rot-Kreuz-Mitarbeiters, Mohammed Bashir, sagte telefonisch aus Maiduguri, sein 23 Jahre alter Sohn sei bei dem Bombardement umgekommen. «Etwa 20 Helfer sind heute zu dem Lager, um dort Lebensmittel zu verteilen», erklärte er. Viele der Helfer seien dabei getötet worden.

Die Streitkräfte schickten nach eigenen Angaben Hubschrauber, um die Verletzten zu bergen. Sie hatten zunächst von «Dutzenden Toten» gesprochen. Wie viele Menschen genau getötet oder verletzt worden seien, sei noch unklar, hieß es.

Die sunnitischen Fundamentalisten von Boko Haram haben seit 2009 bei Angriffen und Anschlägen im Nordosten Nigerias und angrenzenden Gebieten mindestens 14 000 Menschen getötet. Rund 2,7 Millionen Menschen sind UN-Angaben zufolge vor der Gewalt geflohen. Auch die Menschen im Lager Rann haben zum Großteil Schutz vor dem Terror der Boko Haram gesucht.

Die nigerianischen Streitkräfte haben Boko Haram seit vergangenem Jahr militärisch deutlich geschwächt. Die Extremisten kontrollieren nur noch ein kleineres Gebiet im Nordosten des Landes, aber sie führen immer wieder Anschläge aus. Die Versorgungslage in der Region ist katastrophal, besonders in vor Kurzem erst zugänglich gewordenen Gebieten. In der Region sind den Vereinten Nationen zufolge fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, rund zwei Millionen von ihnen gelten bereits als mangelernährt.

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