Kriminalität Tausende erweisen ermordetem Kremlkritiker Nemzow letzte Ehre

Moskau trauert um den Oppositionellen Boris Nemzow. Tausende Menschen legen am Sarg des erschossenen Putin-Kritikers Blumen nieder. Doch nicht alle Trauergäste dürfen nach Russland einreisen.

Von dpa
Seine Verwandten nehmen Abschied vom ermordeten Kremlkritiker Boris Nemzow.
Seine Verwandten nehmen Abschied vom ermordeten Kremlkritiker Boris Nemzow. Foto: Sergei Ilnitsky

Moskau (dpa) - Unter dem Geleit von Weggefährten und Trauergästen ist der ermordete Kremlkritiker Boris Nemzow auf einem Moskauer Friedhof beigesetzt worden. Angehörige legten Kränze mit Schleifen in den Farben der russischen Flagge an Nemzows Grab auf dem Trojekurowo-Friedhof im Westen der Hauptstadt nieder.

Bei einer ergreifenden Zeremonie im Moskauer Sacharow-Zentrum erwiesen zuvor Tausende Menschen dem 55 Jahre alten Oppositionspolitiker die letzte Ehre. Auch deutsche Politiker nahmen Abschied von Nemzow, der am Freitagabend hinterrücks von einem Unbekannten erschossen worden war.

«Ob er Gouverneur war oder Vizeregierungschef oder Oppositioneller, das hat nichts geändert. Auf jedem Posten blieb er Mensch - hell und aufrichtig», sagte Naina Jelzina, die Witwe des russischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin. Nemzow war 1997/1998 unter Jelzin stellvertretender Ministerpräsident.

Der litauische Außenminister Linas Linkevicius und der britische Ex-Premierminister John Major waren ebenfalls unter den Trauergästen. Der EU-Botschafter in Moskau, Vygaudas Usackas, bezeichnete Nemzow als «russischen Patrioten und Freund der EU».

Der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), betonte bei der Trauerzeremonie am Sacharow-Zentrum Nemzows herausragende Rolle als Oppositionspolitiker. «Es ist ein schwerer Abschied, weil man natürlich weiß, dass Nemzow eine der wenigen gewichtigen Stimmen der Opposition war und dass es sehr schwer sein wird, ihn zu ersetzen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Für internationale Verstimmung sorgten Einreiseverbote für EU-Politiker. Das polnische Außenministerium reichte eine Protestnote ein, weil Senatspräsident Bogdan Borusewicz nicht zur Trauerfeier kommen durfte. In Riga kritisierte das lettische Außenministerium das russische Einreiseverbot für die lettische Europaabgeordnete Sandra Kalniete.

Bei winterlichem Wetter standen die Trauernden stundenlang in einer gut 1000 Meter langen Schlange an, um sich am geöffneten Sarg zu verneigen. Viele Trauernde waren in Tränen aufgelöst. Ein buntes Meer aus Blumen umgab den mit weißem Stoff ausgelegten Sarg, der in dem Menschenrechtszentrum aufgebahrt war.

Auf dem Friedhof nahmen Berichten zufolge rund 600 Menschen an der Beisetzung teil. Neben Nemzows Mutter Dina Ejdman waren auch enge Vertraute wie der Oppositionelle Michail Kasjanow dort. Auf dem Trojekurowo-Friedhof ist auch die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja begraben.

Nemzow war am Freitag in Kremlnähe auf offener Straße erschossen worden. Der Täter entkam unerkannt. Nemzows Begleiterin Anna Durizkaja blieb unverletzt. Die 23-Jährige kehrte nach tagelangen Vernehmungen russischer Ermittler in ihre ukrainische Heimat zurück. Ein Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde sagte, Aufzeichnungen von Überwachungskameras beim Tatort seien bereits ausgewertet.

Kanzlerin Angela Merkel forderte in Berlin erneut eine umfassende Aufklärung des Mordfalls. «Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch die, die anders denken in Russland, eine Chance haben, ihre Gedanken zu artikulieren - wenngleich ich weiß, dass das alles andere als einfach ist.»

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