Singer und Songwriter Literaturnobelpreis geht an Bob Dylan

Stockholm -

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an Bob Dylan (75). Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit.

Von dpa
Sein Name wurde in den letzten Jahren immer wieder genannt - jetzt hat Bob Dylan den Literaturnobelpreis erhalten.
Sein Name wurde in den letzten Jahren immer wieder genannt - jetzt hat Bob Dylan den Literaturnobelpreis erhalten. Foto: Istvan Bajzat

Rund 20 Jahre lang wurde Bob Dylan mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging der Dauerbrenner unter den Kandidaten leer aus. Zu gewagt erschien es offenkundig der Jury, einem Musiker - und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt - die höchste Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Nun hat sie sich getraut. Diesmal haben die favorisierten Romanautoren und Dramatiker das Nachsehen.

Von einigen Skeptikern abgesehen, dürften die meisten gut 50 Jahre nach Dylans Karrierestart anerkennen, dass der Autor von Folk-, Blues- und Rock-Lyrik wie „Masters Of War“, „Like A Rolling Stone“ oder „Visions Of Johanna“ ein würdiger Preisträger ist. Den Pulitzer-Preis für „lyrische Kompositionen von außerordentlicher poetischer Kraft“ hatte er ja bereits.

Seinen Ruf als Revolutionär der Folk- und Rockmusik erwirbt sich Dylan schon Anfang der 60er Jahre, als er die Zeichen einer unruhigen Zeit richtig deutet. Seinen Start als Singer-Songwriter beschreibt er später in der literarisch anspruchsvollen Autobiografie „Chronicles“ (2004) so: „Amerika wandelte sich. Ich ahnte eine schicksalhafte Wendung voraus und schwamm einfach mit dem Strom der Veränderung.“

Der als Robert („Bobby“) Allen Zimmerman geborene junge Mann aus Duluth/Minnesota benennt sich vermutlich nach einem literarischen Idol um, dem walisischen Dichter Dylan Thomas. Der Erfolg stellt sich mit dem Song „Blowin' In The Wind“ (1963) ein. Wütende Lieder wie „Masters Of War“ oder „A Hard Rain's A-Gonna Fall“ qualifizieren Dylan für die weltweite Jugend- und Protestbewegung.

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Bob Dylan sei ein "Poet, dessen bildreiche und kraftvolle Poesie gerade auch durch die Musik dauerhafte Wirkung erlangte", schreibt unser Redaktionsmitglied Johannes Loy. Sein Kommentar: hier .

Danach mutiert er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre, komponiert und textet Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Seine mit Metaphern, Symbolen und Anspielungen durchsetzten Lyrics sind von beispielloser Qualität.

Die Nobelpreisträger 2016

Frieden: Der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos

Literatur: US-Sänger Bob Dylan.

Chemie: Die Molekülforscher Jean-Pierre Sauvage (Frankreich), James Fraser Stoddart (in den USA lebender gebürtiger Brite) und Bernard Feringa (Niederlande)

Physik: Die theoretischen Physiker David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz (alle in den USA lebende gebürtige Briten)

Medizin: Der Zellforscher Yoshinori Ohsumi (Japan)

Wirtschaft: Die US-amerikansichen Vertragsforscher Oliver Hart und Bengt Holmström .

Nach wechselvollen, künstlerisch oft unbefriedigenden 70er und 80er Jahren kommt Dylans Rehabilitierung 1997 mit dem ersten großen Alterswerk „Time Out Of Mind“ - einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie „Modern Times“ (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde „Tempest“ (2012). Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben.

Bob Dylan wurde überrascht

Für Bob Dylan (75) dürfte die Zuerkennung des Preises eine genauso große Überraschung gewesen sein wie für alle anderen. Die Jury habe vor der Verkündung am Donnerstagmittag nicht mit ihm gesprochen, sagte die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, nach der Bekanntgabe. Sie wollte ihn aber so schnell wie möglich anrufen. „Ich denke, ich habe eine gute Botschaft“, sagte Danius in Stockholm.

Seinem deutschen Biografen Heinrich Detering zufolge beziehen sich die Songtexte des Amerikaners „auf Dichtungen unterschiedlichster Zeitalter und Kulturen: von der Bibel und Homers „Odyssee“ über die Dichtungen der römischen Kaiserzeit (Ovid, Vergil, Juvenal), die mittelalterlichen Mysterienspiele und Shakespeares Dramen bis zur amerikanischen Romantik, den französischen „poètes maudits“ und dem Theater Bertolt Brechts“. Und nicht zuletzt hebt der Literaturwissenschaftler die Geistesverwandtschaft Dylans mit „Beat-Poeten“ wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg hervor.

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