Medien Pulitzer-Preise: Präsidenten, Skandale und große Ehren

Die Pulitzer-Preise gelten als das Nonplusultra aller Auszeichnungen für Journalisten. Aber auch Schriftsteller und Komponisten werden damit geehrt. Zur Verkündung der 100. Preisträger 10 wissenswert-kuriose Fakten zu den Auszeichnungen.

Von dpa
Joseph Pulitzer stiftete 1904 den nach ihm benannten Literturpreis.
Joseph Pulitzer stiftete 1904 den nach ihm benannten Literturpreis. Foto: dpa

New York (dpa) - Das Filmbusiness hat die Oscars, die Musikwelt die Grammys und die Medienbranche schaut gebannt auf die Pulitzer-Preise.

Für Zeitungen gilt die goldene Medaille in der Kategorie «Verdienst für die Öffentlichkeit» als höchste aller Ehren, aber auch einzelne Journalisten, Fotografen, Schriftsteller, Komponisten und Dramatiker werden ausgezeichnet. Am kommenden Montag (18. April) werden zum 100. Mal die Preisträger verkündet - aus diesem Anlass 10 wissenswert-kuriose Fakten zu den «Oscars der Medienbranche»:

1. Sie werden anders ausgesprochen, als viele denken - nämlich nicht «puhl-it-ser» mit langgezogenem u, sondern «pull-it-ser».

2. Der Name kommt von Joseph Pulitzer (1847-1911), einem ungarisch-amerikanischen Zeitungsverleger, der die Auszeichnungen einst stiftete. Als junger Mann war Pulitzer aus einer kleinen ungarischen Stadt in die USA ausgewandert, hatte sich zunächst mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und schließlich in der Medienbranche hochgearbeitet. Er wurde Verleger unter anderem der «New York World» und setzte sich für investigativen Journalismus ein. In seinem Testament hinterließ Pulitzer seiner Branche Geld für zwei Schätze: Die heute renommierte Journalismus-Fakultät an der Columbia-Universität in New York und die Pulitzer-Preise.

3. Ursprünglich hatte sich Pulitzer in seinem Testament vier Journalismus-Preise, vier für Autoren und Dramatiker und einen im Bereich Bildung gewünscht, Änderungen aber zugelassen. Heute werden die Preise in 21 Kategorien verliehen - an Zeitungen, Journalisten, Fotografen, Sachbuch- und Belletristikautoren, Dichter, Komponisten und Dramatiker. Gewinner bekommen eine Urkunde und 10 000 Dollar (etwa 8900 Euro). Die Zeitung, die den Preis in der als am wichtigesten angesehenen Kategorie «Verdienst für die Öffentlichkeit» bekommt, erhält eine goldene Medaille.

4. Zugelassen sind nur US-Staatsbürger - es sei denn, der Bewerber hat ein Buch über US-Geschichte geschrieben oder seine Artikel sind in US-Medien erschienen, dann ist die Nationalität egal.

5. Gefällt der Jury in einer der Kategorien keine der Bewerbungen richtig gut, vergibt sie auch keinen Preis. Das passiert gar nicht selten: 2012 gab es zum Beispiel keinen Gewinner in der Belletristik-Kategorie und 2014 keinen in der Kategorie für journalistische Features.

6. Unter den Preisträgern der letzten 100 Jahre ist auch ein US-Präsident: John F. Kennedy gewann 1957 den Pulitzer für sein Buch «Zivilcourage».

7. Die Verleihung der Pulitzer-Preise läuft deutlich weniger glamourös ab als etwa die Oscars: Rund einen Monat nach der Verkündung der Preisträger bekommen die Gewinner ihre Urkunden und Medaillen bei einem Mittagessen in einer Bibliothek der Columbia-Universität.

8. Oft gewinnen Platzhirsche wie die «New York Times», das «Wall Street Journal» oder die «Washington Post» (zum Beispiel für die Aufdeckung des Watergate-Skandals 1973) in den wichtigsten Kategorien - aber nicht immer: 1995 wurde beispielsweise die «Virgin Islands Daily News» geehrt, eine auf der zu den USA gehörenden kleinen Karibikinsel St. Thomas erscheinende Zeitung, die dort einen Korruptionsskandal aufgedeckt hatte. Auch kleine Regionalzeitungen aus den USA wurden schon mehrfach ausgezeichnet.

9. Der Pulitzer-Preis gilt als riesige Ehre - aber viele Menschen haben in ihrem Leben nicht nur einen, sondern gleich mehrere gewonnen. Bei vier liegt der Rekord, den unter anderem der Dichter Robert Frost, der Dramatiker Eugene O'Neill und die Fotografin Carol Guzy halten.

10. Die Entscheidungen von Jury und Aufsichtsrat der Pulitzer-Preise wurden immer wieder kontrovers diskutiert. So schlug die Jury 1963 das Theaterstück «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» von Edward Albee vor, heute längst ein Klassiker. Aber der Aufsichtsrat lehnte den Text als zu wenig «moralisch aufrichtend» ab. Aus ähnlichen Gründen gab der Rat 1941 Ernest Hemingway keinen Preis für den Roman «Wem die Stunde schlägt». Zwölf Jahre später bekam er ihn dann für «Der alte Mann und das Meer» doch noch. Für den wohl größten Skandal in der Geschichte der Pulitzer-Preise sorgte aber die Journalistin Janet Cooke. Sie musste 1981 eingestehen, dass sie sich die Geschichte über einen achtjährigen Heroin-Süchtigen ausgedacht hatte und den Preis zurückgeben.

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