Mode Fashion Week in Berlin

Paris zeigt die Haute Couture, Berlin setzt auf Kreativität und Avantgarde. Die Fashion Week zeigt, was ist im nächsten Sommer angesagt ist.

Von dpa
Aktivistinnen der Tierrechtsorganisation Peta in Berlin.
Aktivistinnen der Tierrechtsorganisation Peta in Berlin. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - «Lieber nackt als in Seide, Daune, Leder, Pelz oder Wolle» - die Aktivistinnen von der Tierschutzorganisation Peta haben zum Auftakt der Berliner Fashion Week mit Abstand das passendste Outfit. Bei Temperaturen um 30 Grad protestieren sie am Dienstag leicht geschürzt vor dem Brandenburger Tor gegen Tierquälerei in der Bekleidungsindustrie - nur mit einem Hauch von Unterwäsche bekleidet.

Im tiefgekühlten Modezelt auf der anderen Seite des Platzes zeigen gleich die ersten Designer, welche Bandbreite die Mode für den nächsten Frühling und Sommer verspricht. Der in Israel geborene Berliner Modemacher Daniel Blechmann schickt für sein Männerlabel Sopopular die Models mit rußgeschwärzten Gesichtern und in japanisch angehauchtem Purismus auf den Laufsteg. Neben Schwarz, Weiß und Grau gibt es allenfalls Oliv. Überlange Oberteile, oft zwei- oder dreilagig in edlem Materialmix, sind mit raffiniert geschnittenen Hosen kombiniert. Der gute alte Ärmelhalter kehrt als modisches Accessoire zurück.

Kontrastprogramm bei der Österreicherin Lena Hoschek, die mit ihrem kreativ aufgepeppten Landhausstil zu den besonderen Lieblingen des coolen Berlinern Publikums zählt: Neben farbigen Paisleymustern dominieren diesmal hellgrundige Blütenstoffe in romantischem Schnitt. Gegen die fast maskenhaft erstarrten Puppengesichter, die zeitgleich in Paris die neuesten Kreationen von Mode-Ikone Karl Lagerfeld für Chanel präsentieren, wirken Hoscheks Blumenmädchen wie frisch von der Almwiese hereingeschneit.

Dass die Fashion Week mit ihrem Zelt jedes halbe Jahr wochenlang die beliebte Straße des 17. Juni blockiert, ist vielen Berlinern schon lange ein Dorn im Auge. Erstmals sind die Veranstalter nun zumindest mit der kleineren «Stage» (Bühne) in das Galerieviertel an der Auguststraße gezogen, das noch einen Rest von Wendecharme verströmt.

Im Me Collectors Room, in dem sonst die «Wunderkammer» des Wella-Erben Thomas Olbricht lockt, stellte sich zum Auftakt das klassisch-moderne Männerlabel Brachmann vor. Auch Ivanman, Steinrohner und sogar Dorothee Schumacher (Freitag) haben sich für das neue Ambiente zwischen Kristall-Lüster und röhrendem Hirsch entschieden.

Ausgesprochen rar machen sich zumindest zu Beginn Stars und Sternchen - vielleicht auch, weil die Organisatoren mit Rücksicht auf die noch laufenden Haute-Couture-Schauen in Paris den Schwerpunkt eher auf die zweite Halbzeit legen. So steht der mit Spannung erwartete Gemeinschaftsauftritt von rund 30 profilierten deutschen Designern im neuen Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais erst für Freitag auf dem Programm. Initiatoren sind die Modeexperten Christiane Arp und Marcus Kurz.

Und auch die Premium, inzwischen Spitzenreiter unter den rund ein Dutzend begleitenden Einzelmessen, öffnet erst am Mittwoch ihre Tore am ehemaligen Güterbahnhof Station-Berlin. «Mit mehr als 1000 Marken und 1800 hochwertigen Kollektionen sind wir inzwischen die weltweit einzige Messe, die Fashion und Lifestyle in dieser Größenordnung und Qualität präsentiert», sagt Geschäftsführerin Anita Tillmann stolz.

Bei der einst bahnbrechenden Messe für Alltagsmode, der Bread & Butter im ehemaligen Flughafen Tempelhof, herrscht dagegen Katerstimmung. Das Unternehmen ist in der Insolvenz, nur wenige Freunde halten dem Gründer Karl-Heinz Müller die Treue. «Wir waren von Anfang an dabei und haben davon profitiert», sagt etwa Vorstand Emin Cezairli vom türkischen Jeanslabel Mavi. «Deshalb bleiben wir, egal wie groß oder klein es ist.»

Der Online-Anbieter Zalando will als neuer Besitzer die Messe künftig in ein Publikumsfestival umwandeln. Vorerst aber werden in den leeren Hallen des Flughafens die kiloschweren Prachtbände zum zehnjährigen Jubiläum der Bread & Butter verramscht, das Modeangebot erinnert mit Silberschmuck, Ledergürteln und Jogginghosen eher an einen Flohmarkt denn an die glänzenden Zeiten der Müllerschen Großevents.

Das Publikum hat derweil Mühe, sich die Hitze erträglich zu machen. Bei den Herren dominiert behaartes Bein zu kurzen Hosen, die Damen setzen auf zehenteilende Kork-Treter in allen Varianten - strassbesetzt, in Micky-Maus-Form oder mit indianischem Federschmuck.

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