Geschichte Museen erinnern an Kriegsende vor 70 Jahren

Ob Deutsch-Russisches Museum in Berlin oder Dokumentationszentrum Reichsparteitagegelände in Nürnberg - viele Kultureinrichtungen widmen sich dem Kriegsende vor 70 Jahren.

Von dpa
Ein restaurierter und ein unrestaurierter Schildträger des Künstlers Tullio Lombardo sind in der Ausstellung «Das verschwundene Museum» im Bode-Museum zu sehen.
Ein restaurierter und ein unrestaurierter Schildträger des Künstlers Tullio Lombardo sind in der Ausstellung «Das verschwundene Museum» im Bode-Museum zu sehen. Foto: Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Mit der deutschen Kapitulation endete Anfang Mai 1945 in Europa der Zweite Weltkrieg. 70 Jahre später erinnern Ausstellungen an das damalige Geschehen.

DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM, BERLIN: Vom 24. April bis zum 25. Oktober zeigt das Museum die Ausstellung «1945 - Niederlage. Befreiung. Neuanfang. Zwölf Länder Europas nach dem Zweiten Weltkrieg.» Die Schau zeige auch Einblicke in den Alltag der Menschen, hieß es in einer Ankündigung. Mehr als 500 Ausstellungstücke sollen präsentiert werden - aus den Beständen des Deutschen Historischen Museums und Leihgaben aus 14 Ländern. Außerdem will das Museum Filme, Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstalten.

TOPOGRAPHIE DES TERRORS, BERLIN: Gleich mehrere Projekte zu «70 Jahre Kriegsende» bietet das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Die zentrale Ausstellung zum Thema heißt «Deutschland 1945. Die letzten Kriegsmonate.» Im Begleitprogramm wird beispielsweise eine Veranstaltungsreihe zur Kunst im NS-Staat angeboten. Unter freiem Himmel - im Ausstellungsgraben - wird eine zweite Ausstellung gezeigt: «Berlin 1933-1945. Zwischen Propaganda und Terror.» Sie sei zwar schon zuvor gezeigt worden und nicht extra zum Anlass des Jahrestages entwickelt worden, passe aber - und beziehe sich sehr speziell auf Berlin, sagte ein Sprecher.

BODE-MUSEUM, BERLIN: Das Bode-Museum widmet sich den Kunstwerken, die während des Krieges und in den Wirren der Nachkriegszeit zerstört oder gestohlen wurden. Dabei soll es auch um Probleme der Restaurierung beschädigter Bilder gehen. Titel der Ausstellung ist «Das verschwundene Museum. Die Berliner Skulpturen- und Gemäldesammlungen 70 Jahre nach Kriegsende.» In der Ankündigung heißt es, die Folgen des Krieges für die Sammlungen des heutigen Bode-Museums wirkten bis heute nach. Früher hieß das Haus Kaiser-Friedrich Museum. Dessen Gemäldegalerie habe 400 Bilder und ein Drittel der Skulpturen verloren. Die Werke, die wieder aufgetaucht seien, seien schwer beschädigt gewesen.

DEUTSCH-RUSSISCHES MUSEUM, BERLIN: Kultur am historischen Ort: In Berlin-Karlshorst, wo heute das Deutsch-Russische Museum ist, wurde in der Nacht auf den 9. Mai 1945 die Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Das Museum bietet zum Jahrestag den ganzen Sommer über Ausstellungen, Tagungen und Vorträge. Laut Programm geht es dabei vor allem um drei Aspekte: Erinnerungen und Formen des Gedenkens an das Kriegsende, die individuelle und gesellschaftliche Auf- und Verarbeitung von Kriegserfahrungen und der Umgang mit «vergessenen Opfergruppen», die bis heute wenig Beachtung erfahren haben.

IN BERLIN: An mehreren Orten im Stadtgebiet der Hauptstadt wird die Open-Air-Ausstellung «Mai '45. Frühling in Berlin» gezeigt. Dort sollen große Fotos Momente und Szenen vor 70 Jahren an genau diesen Orten zeigen - am Brandenburger Tor, Lustgarten, Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Joachimsthaler Platz und Wittenbergplatz. In einer Broschüre hieß es, Thema sei immer der Alltag zwischen Krieg und Frieden. Die Ausstellung beginnt am 21. April - dem Tag, an dem vor 70 Jahren die ersten sowjetischen Einheiten die Stadtgrenze Berlins überschritten.

GEDENKSTÄTTE SEELOWER HÖHEN: Im Oderbruch östlich von Berlin werden immer noch Kriegstote ausgegraben. Vom 18. April an zeigt die Gedenkstätte Seelower Höhen die Sonderausstellung «Vermisst in Klessin». Der kleine Ort hatte im Frühjahr 1945 bei der Schlacht um Berlin besondere Bedeutung: Klessin war der einzige Punkt, von dem die Oder und damit der Anmarsch der Roten Armee zu sehen war. Zur Festung erklärt, blieben nach den verlustreichen Kämpfen nur Ruinen. In der Nähe entstand eine neue Siedlung. Der Verein zur Bergung der Gefallenen in Osteuropa e.V. informiert in der Ausstellung über diese Kämpfe sowie die Bergung von sterblichen Überresten von Gefallenen beider Seiten.

MILITÄRHISTORISCHES MUSEUM DER BUNDESWEHR in DRESDEN: Noch bis zum 12. Mai thematisiert die Sonderausstellung «Schlachthof 5» die literarische Auseinandersetzung mit der Zerstörung Dresdens durch Alliierte im Februar 1945. Zu sehen sind Originalhandschriften, Fotografien, Werke oder persönliche Gegenstände unter anderen von Erich Kästner, Harry Mulisch, Martin Walser, Gerhart Hauptmann oder Marcel Beyer. Namensgebend für die Präsentation ist ein Roman des Amerikaners Kurt Vonnegut, in dem er seine Erlebnisse als Kriegsgefangener in der Dresdner Bombennacht beschreibt. Ein Teil der Schau widmet sich dem heutigen Gedenken an den Jahrestag der Zerstörung, das immer wieder von Neonazis missbraucht wird.

LVR-LANDESMUSEUM BONN: «1945 - Köln und Dresden» heißt die Ausstellung mit berühmten Fotografien der zerstörten Städte (bis 7. Juni). Grundlage sind das Fotobuch von Hermann Claasen (1899-1987) «Gesang im Feuerofen» von 1947 mit Aufnahmen des zerbombten Köln und das 1950 erstmals erschienene Buch von Richard Peters (1895-1977) «Dresden, eine Kamera klagt an». Mit zahlreichen Neuauflagen war dies das erfolgreichste Fotobuch der DDR. Claasens Buch zeigt fast ausschließlich Trümmer von Kölner Kirchen aus katholisch-rheinischer Sicht. Demgegenüber klagt Richard Peters Buch ganz im Sinne der Politik des Kalten Krieges sowohl Hitlerdeutschland als auch den angloamerikanischen Imperialismus an.

LWL-FREILICHTMUSEUM DETMOLD: Unter dem Titel «Geraubte Jahre. Alltag der Zwangsarbeit in Westfalen» ist bis zum 31. Oktober eine Ausstellung über das Schicksal von Zwangsarbeitern auf dem Land zu sehen. Allein im ländlich geprägten Westfalen arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges mehrere Hunderttausend Menschen aus dem ganzen besetzten Europa. Durften Zwangsarbeiter auf den Höfen mit am Tisch sitzen oder nicht? Wie gingen einzelne Familien mit den von den Nationalsozialisten aufgestellten Vorgaben um? Es wird verdeutlicht, dass Zwangsarbeit ein Verbrechen war, das vor aller Augen stattfand.

DOKUMENTATIONSZENTRUM REICHSPARTEITAGEGELÄNDE NÜRNBERG: Mit der Auseinandersetzung Nürnbergs mit dem früheren Reichsparteitagsgelände von 1945 bis heute beschäftigt sich vom 17. Oktober 2015 bis 6. Januar 2016 eine Ausstellung im Nürnberger Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Gezeigt werden unter anderem Pläne, die unvollendet geblieben Nazi-Kongresshalle als Kaufhaus zu nutzen. Aber auch die aktuelle Diskussion über den Umgang mit der Zeppelintribüne - einst Aufmarschgelände der Nazis - soll die Ausstellung reflektieren.

KZ-GEDENKSTÄTTE MITTELBAU-DORA: «Zwischen Harz und Heide. Todesmärsche im April 1945» heißt eine Sonderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Anhand neuer Forschungen zeigt sie zum 70. Jahrestag der Befreiung das ganze Ausmaß der Räumungen der Lager durch die SS kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Fast 40 000 Zwangsarbeiter aus Mittelbau-Dora und seinen 39 Außenlagern wurden laut Gedenkstätte vor den anrückenden Alliierten bei Todesmärschen über den Harz getrieben oder mit Waggons in andere Lager transportiert. Insgesamt seien fast 60 000 Häftlinge aus Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora und Neuengamme unterwegs gewesen, viele starben. Die Ausstellung ein Projekt mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.

SPIELZEUGMUSEUM NÜRNBERG: Vom 26. Juni bis 1. Februar 2016 zeigt das Museum in der Ausstellung «Notspielzeug» selbst hergestelltes Spielzeug aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu sehen seien unter anderem Autos aus Brennholzscheiten, selbst gestrickte Puppen und Städte aus leeren Streichholzschachteln. Vorgestellt werden sollen auch die Menschen, die das Notspielzeug einst aus einfachsten Materialien schufen. Nürnbergs Bürger wurden in den vergangenen Monaten aufgerufen, ihr aufbewahrtes Notspielzeug für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

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