Geschichte Friedenssymbol: Dresdner Frauenkirche vor Jubiläum

Dresden (dpa) ­ Friedenssymbol, Kulturstätte, Denkort - die aus neuen Steinen und alten Trümmern wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche ist mehr als ein protestantisches Gotteshaus. Am Ort des Glaubens wird auch musiziert und debattiert über aktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik.

Von dpa
18 Millionen Menschen haben in den letzten zehn Jahren die Dresdner Frauenkirche besucht.
18 Millionen Menschen haben in den letzten zehn Jahren die Dresdner Frauenkirche besucht. Foto: Sebastian Kahnert

Die Kirche zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und gilt neben dem Zwinger und der Semperoper als Wahrzeichen. Nicht zuletzt war sie die Initialzündung zur Wiederbelebung des seit 1945 verwaisten Herzens der Altstadt: Zehn Jahre nach der Weihe thront die «Dickmadam» der Dresdner wieder über Häusern statt Freiflächen. «Sie ist weltweit als Symbol des Friedens akzeptiert», betont Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU).

Das Jubiläum wird groß gefeiert. Bundespräsident Joachim Gauck hält am 70. Jahrestag der Bombardierung der Stadt am 13. Februar eine Gedenkrede. In der Festwoche Ende Oktober wird Altbundespräsident Horst Köhler erwartet, und die Stiftung plant ein Dankeschön-Konzert für die Spender. Seit 2005 besuchten mehr als 18 Millionen Menschen aus dem In- und Ausland das originalgetreu wiedererstandene spätbarocke Bauwerk - bei Besichtigungen, Konzerten, Andachten und Gottesdiensten.

US-Präsident Barack Obama betete im Juni 2009 ganz offiziell für die Verständigung zwischen Israel und Palästina, der muslimischen Welt und dem Westen. Russlands Präsident Wladimir Putin klopfte inkognito an die Eichentür und auch Schwedens Königin Silvia besichtigte den Innenraum. «Es ist einer der ganz herausgehobenen Kirchenbauten in Deutschland, mit europäischer und weltweiter Ausstrahlung», sagt Oberkirchenrat Roger Mielke von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Die Frauenkirche stehe für Transformation, erinnere an Zerstörung, aber auch an den Zusammenhang von Schuld und Konsequenz.

«Sie ist ein Emblem der Friedensarbeit», sagt Mielke. Und sie stehe dafür, was Kirche im Idealfall sein könne: ein Kristallisationspunkt, wo verschiedene gesellschaftliche Kräfte, Völker und Sozialformen zusammenfinden. «Sie ist ein offener Ort der Begegnung und des Diskurses, eigentlich auch Inbild für eine Kirche der Zukunft.»

Für Pfarrer Sebastian Feydt, der auch Mitglied der Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche ist, sind die hellen und dunklen Steine in der Fassade ein starker Beweis für ein Leben mit schuldbeladener Vergangenheit. «Die Frauenkirche ist ein versöhnendes Zeichen mit Vorbildfunktion für Menschen aus Regionen, wo gerade wieder alles zerschlagen wird.» Sie ziehe an, weil nicht alles glatt sei, es Zerstörung gegeben habe, aber auch Neuanfang - jährlich kommen noch immer rund zwei Millionen Besucher. 

«In erster Linie aber ist die Frauenkirche ein Gotteshaus», betont Feydt. Dabei hat sie keine eigene, sondern eine täglich neue Gemeinde, und noch immer bilden sich zuweilen an den Eingängen Warteschlangen. Zu bisher knapp 6000 Gottesdiensten und Andachten kamen 3,2 Millionen Besucher. 615 Kinder und 169 Erwachsene wurden hier getauft, mehr als 280 Paare getraut. 

Die Stiftung muss für die Unterhaltung des Bauwerks jährlich eine Million Euro aufbringen. «Das sind 2500 Euro pro Tag, und nach der Finanzkrise sind die Bedingungen nicht ganz einfach», sagt Feydt. Nach wie vor aber unterstützten viele Menschen die Stiftung - das reiche von der Kleinstspende am Ausgang bis zu großen Nachlässen.

«Der Erfolg gibt uns Recht: Es war die richtige Idee zur richtigen Zeit und die richtige Gemeinschaft», resümiert der Regisseur des Wiederaufbaus, Eberhard Burger. Für den Ex-Baudirektor liegt das Geheimnis darin, dass die Frauenkirche biete, wonach sich viele Menschen sehnten: Geborgenheit, innere Ruhe und Frieden.

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