Archäologie Der restaurierte Sarg des kleinen Sonnenkönigs

Wolfenbüttel (dpa) - Er soll eine schillernde und auch etwas protzige Persönlichkeit gewesen sein: Anton Ulrich, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Von dpa
Eine Restauratorin arbeitet an einem Zinnsarg der Welfenfamilie in der Fürstengruft unter der Hauptkirche in Wolfenbüttel. Foto: Peter Steffen
Eine Restauratorin arbeitet an einem Zinnsarg der Welfenfamilie in der Fürstengruft unter der Hauptkirche in Wolfenbüttel. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

Mit prachtvoller goldgelockter Perücke und aufwendigem Umhang blickt er von Gemälden. Der Welfe liebte Bücher, pflegte Kontakt zu dem Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Er mochte Bildung, Kunst und Prunk.

So wie sein Vorbild Ludwig XIV. «Er war der kleine Sonnenkönig von Wolfenbüttel», sagt Andreas Ströbl über Anton Ulrich. Der Archäologe von der «Forschungsstelle Gruft» in Lübeck hat den Leichnam des Fürsten kürzlich umgebettet - im Auftrag der Landeskirche Braunschweig. Rund 300 Jahre nach Anton Ulrichs Tod im Jahr 1714 war sein Sarg alles andere als repräsentativ. Nun werkeln Spezialisten in der Gruft der Hauptkirche zu Wolfenbüttel.

Anton Ulrich wurde in einem Zinn-Doppelsarg beerdigt, gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth. Ein solches Begräbnis ist selten. «Sie haben sich sehr geliebt, deshalb hat das auch einen sehr romantischen Aspekt», sagt Ströbl. Um sie herum liegen die Särge verwandter Welfen. Unter anderem vom «tollen Christian», einem wilden Feldherren aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Auch die letzten Ruhestätten der Verwandtschaft von Anton Ulrich sind angegriffen. Zu oft war die Gruft mit Wasser vollgelaufen. «Dadurch, dass sie alle im Hochwasser standen, haben alle Zinnsärge im Bodenbereich das gleiche Problem», sagt die Restauratorin Mandy Reimann, die mit ihrem Berliner Team an den Särgen arbeitet.

Über die Jahre und durch die Wassereinbrüche sei das Zinn brüchig geworden und trage die Last des Sarges nicht mehr richtig, sagt die 34-jährige Reimann. Teilweise seien die Böden durchgebrochen und die Überreste der Leichname auf den Gruftboden gefallen. Kein «würdevolles Totenbehältnis», wie Reimann es nennt.

Nun hat ihr Team vielen Särgen einen neue Boden und im Inneren ein stabiles Edelstahlgestell verpasst. Ein enormer Aufwand: Rund neun Monate werkelten fünf Spezialisten daran.

Andreas Ströbl hat die Überreste von Anton Ulrich während der Arbeiten am Sarg herausgeholt - zum ersten Mal seit 300 Jahren. Der Leichnam ist nicht besonders gut erhalten. «Das ist kein Skelett, wie Sie es aus dem Biounterricht kennen, nicht so blitzblank.» Anton Ulrich wurde nach seinem Tod in einen Innensarg aus Holz gelegt, der in den prächtigen Zinnsarg geschoben wurde.

Insgesamt stehen 21 Zinnsärge in der Wolfenbütteler Gruft. Reimann, mit Mundschutz vor dem Gesicht wegen des Staubes, reinigt die aufwendigen Inschriften und Verzierungen auf den Zinnwänden mit kleinen Bürstchen und Pinseln. Wie neu sehen die Särge danach aber nicht aus, eine Patina wird bleiben. «Man soll ihnen ihr Alter ja auch ansehen.» Im Laufe des Jahres soll die Gruft Besuchern zugänglich gemacht werden.

Anton Ulrich ist schon wieder zurück in seinem Sarg. «Jetzt bleibt er hoffentlich zu bis zum Jüngsten Tag», sagt Ströbl. Der Welfe sei noch immer in einen wertvollen Samtmantel gehüllt. Darin habe man ihn gelassen. «Die Neugierde hört da auf, wo man den Toten an die Würde geht.» Und auch der geliebte Kopfschmuck des Fürsten sei noch erhalten: «Diese blonde Perücke trägt er bis heute».

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