Ausstellungen Die älteste Taschenuhr der Welt - Schau in Nürnberg

Nürnberg (dpa) - Den Streit um die älteste erhaltene Taschenuhr der Welt macht eine neue Ausstellung in Nürnberg anschaulich. Von diesem Donnerstag (4. Dezember) an ist im Germanischen Nationalmuseum (GNM) unter anderem die sogenannte Henlein-Uhr des Nürnberger Schlossermeisters Peter Henlein zu sehen.

Von dpa
Die Melanchthon-Uhr, die älteste und sicher datierbare Bisamapfeluhr von 1530. Foto: Daniel Karmann
Die Melanchthon-Uhr, die älteste und sicher datierbare Bisamapfeluhr von 1530. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa

Die Henlein-Uhr galt lange als älteste erhaltene Taschenuhr. Mit Hilfe eines zweijährigen Forschungsprojekts wurde dieser Mythos nun jedoch entkräftet: Denn die kleine dosenförmige Uhr stammt zwar aus dem 16. Jahrhundert, sie wurde dreihundert Jahre später jedoch erheblich umgearbeitet - so stark, dass sie gar nicht richtig funktionieren konnte.

Mehrere Fachleute hatten acht Kleinuhren unter anderem mit Hilfe eines Computertomographen untersucht - darunter auch die «Henlein-Uhr», die seit 1897 im Besitz des GNM ist. Dabei stellte sich heraus, dass einige Teile gar nicht zueinander passen. «Die Kette etwa würde bei jedem Aufziehen abspringen», sagte Sammlungsleiter Thomas Eser am Dienstag. «Das Uhrwerk ist wie ein schiefes Haus. Das hat nie funktioniert.» Es gebe auch kaum Abnutzungsspuren, was darauf hinweist, dass die Uhr nie lief. Sie wurde wohl erst vor gut 100 Jahren aus alten und neuen Materialen zusammengefügt. Auch die Inschrift auf dem Deckel - «Petrus Hele me f. Norimb. 1510» - wurde viel später wahrscheinlich von Fälschern angebracht, um die Uhr wertvoller zu machen.

Die Experten betrachten daher nun die «Melanchthon-Uhr» aus dem Jahr 1530 als den Zeitmesser mit den wenigsten Veränderungen. «Dies wäre meine Favoritin für die möglicherweise älteste Taschenuhr», sagte Eser - wobei man mit solchen Superlativen vorsichtig sein müsse. «Sie ist nicht so zusammengestückelt wie unsere «Henlein-Uhr», sondern sehr viel homogener.» Das kleine runde Werk - auch «Bisamapfeluhr» genannt - gehörte dem Reformator Philipp Melanchthon. Es trägt die Inschrift «Gott allein die Ehr - Phil. Mel. 1530». Der Rat der Stadt Nürnberg habe solche Uhren von Henlein gekauft und als Geschenke vergeben. Für die Ausstellung kam die Uhr als Leihgabe aus Baltimore.

Für das GNM sei es zwar enttäuschend, nicht im Besitz der ältesten Taschenuhr zu sein, sagte Eser. «Doch die Forschung ist wichtiger als die fragwürdige Ehre, sie zu besitzen.» Der 1542 gestorbene Henlein war im Jahr 1512 der erste namentlich genannte Kleinuhrmacher. «Doch einen Erfindungsmoment der Taschenuhr gibt es nicht», sagt Eser. Die Entwicklung der Taschenuhr sei um 1500 langsam und wohl an mehreren Stellen in Europa vonstattengegangen. «Henlein hat dazu jedoch einen wichtigen Beitrag geleistet.»

Für neue Diskussionen sorgte unterdessen eine weitere Bisamapfeluhr eines Privatmanns, die angeblich aus dem Jahr 1505 stammen soll. Der Besitzer will dies anhand von mikroskopisch kleinen PH-Monogrammen auf mehreren Bauteilen beweisen können, die für Peter Henlein stehen sollen. Die Experten des GNM wollten diese Uhr im vergangenen Jahr begutachten, doch dazu ist es nicht gekommen. Der Besitzer hatte den Termin kurz vorher abgesagt.

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