Kommentar zur DFB-Elf vor dem WM-Start Ein Desaster nicht nur für den DFB

Warnende Beispiele gibt es genug. 2002 die Franzosen, 2010 die Italiener, 2014 die Spanier. Bei drei der letzten vier Weltmeisterschaften war der amtierende Titelträger schon nach der Vorrunde raus. Doch auch wenn die jüngsten Darbietungen dürftig waren: So richtig vorstellen mag man sich nicht, dass die Deutschen schon nach ihrem dritten und letzten Gruppenspiel gegen Südkorea sagen werden: »Do swidanja.«

Von Dirk Schuster
Joachim Löw hat zu knabbern.
Joachim Löw hat zu knabbern. Foto: dpa

Bloß so ganz auszuschließen ist natürlich nichts.

Erst recht vor dem Hintergrund, dass abgesehen von den sportlichen Problemchen ein echtes und zudem hausgemachtes Problem aber mal so richtig Ärger macht. Die Pfiffe in Leverkusen galten zwar zuvorderst Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Doch auch der Verband durfte sich angesprochen fühlen,  ist sein Krisenmanagement in der pikanten Affäre um den Besuch des DFB-Duos beim türkischen Präsidenten Erdogan doch als gescheitert zu bezeichnen .

Zugeben würde das natürlich niemand

Zugeben würde das natürlich niemand. Joachim Löw nicht, Oliver Bierhoff sowieso nicht und Reinhard Grindel schon mal gar nicht. Darum müssen Trainer, Manager und Präsident nun damit leben, dass Reinhard Rauball ausgesprochen hat, was viele denken. Das Thema, kritisierte der DFL-Boss in einer großen Sonntagszeitung, sei »unterschätzt worden. Und ich glaube auch, dass man es nicht alleine mit den Maßnahmen und Erklärungen, die bisher erfolgt sind, aus der Welt schaffen kann.«

Rauball hat die DFB-Spitze unter Druck gesetzt. Die Pfiffe des Publikums tun dies zusätzlich. Man stelle sich vor, die Deutschen treten am Sonntag in Moskau zu ihrem ersten Gruppenspiel an, und Tausende pfeifen Mesut Özil auf der größtmöglichen Bühne dieser Sportart vor den Augen der Weltöffentlichkeit bei jedem Ballkontakt aus. Der deutsche Verband rühmt sich – teils vollkommen zurecht – gern und oft für gelungene Integrationsarbeit. Die Affäre und das Krisenmanagement im Fall Gündogan/Özil aber ist nicht nur für den DFB ein (PR-)Desaster gravierenden Ausmaßes.

Er habe mit seinem Besuch bei Erdogan kein politisches Statement abgeben wollen, betonte Gündogan. Das politische Ausmaß der Aktion aber ist beträchtlich. Nutznießer hierzulande ist ausgerechnet die AfD. Die aktuelle Debatte ist Wasser auf ihre Mühlen. Es hätte nicht schlimmer kommen können.

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