Kommentar zur Kruzifixdebatte Neuer Kulturkampf

Im 19. Jahrhundert wollte Reichskanzler Bismarck den Einfluss der Kirchen zurückdrängen. Der erbitterte Streit ging als »Kulturkampf« in die Geschichte ein. Was wir gegenwärtig erleben – in Bayern, aber nicht nur dort – ist ein umgekehrter Kulturkampf. Nicht das Zurückdrängen von Kirche und Religion, die Betonung ihrer geschichtlichen Bedeutung für das Werden des Landes rücken in den Blick.

Von Bernd Bexte
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: dpa

Der Begriff vom »christlichen Abendland« hat Hochkonjunktur – trotz immer weniger Kirchenmitgliedern. Und jetzt versuchen Vertreter des Staates, das Christentum und sein zentrales Symbol, das Kreuz, für ihre Politik zu vereinnahmen. Darf das sein, in einem Land, das sich in Religionsfragen per Grundgesetz Neutralität verordnet hat? Führende Vertreter beider großer Kirchen sagen Nein. Präses Annette Kur­schus spricht von einer »politischen Instrumentalisierung« . Theologisch hat sie recht. Das Kreuz ist für Christen nicht das Markenzeichen ihrer Heimat.

Vertreter einer traditionellen Volkskirche sehen in Söders Kruzifixpflicht jedoch ein notwendiges, identitätsstiftendes Signal. Dessen Wirkung in der breiten Öffentlichkeit sollte niemand unterschätzen.

Kommentare

Neuer Kulturkampf

Es geht doch hier primar um die Unverwechselkeit der eigenen Identität, hier im überwiegend christlichen Abendland, insbsondere im katholisch-geprägten Bayern. Die Menschen wollen nicht zu einer grossen, einheitlichen Lebensform gezwungen werden. Sie wollen kein Multikulti auf dem Weg in die Massenindentität. Sie wollen eine klare Abgrenzung zum Islam. Es hat doch nichts mit Kulturkampf zu tun, wenn Menschen ihre ureigenste Lebensform erhalten wollen, sich im Glauben sicher fühlen wollen, nicht verfolgt und diffamiert zu werden. Das Kruzifix ist ein Symbol des Glaubens, nicht mehr und nicht weniger.

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