Kommentar zu Netanjahus Besuch bei Merkel Taube trifft Falke

Echte Freunde werden Angela Merkel und Benjamin Netanjahu wohl nicht mehr. Das war nach dem Treffen der beiden unüberhörbar. Es gebe nicht in allen Punkten Übereinstimmungen, so die Kanzlerin. Wohl wahr. Während sich Netanjahu mit Nachdruck hinter US-Präsident Donald Trump und dessen Iran-Politik stellt, befindet sich Merkel im Lager derjenigen, die am Atomabkommen unbedingt festhalten wollen.

Von Hagen Strauß
Nicht in allem einig: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.
Nicht in allem einig: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Da gibt es keine Kompromisslinie, keinen Mittelweg. Zum Iran-Konflikt gesellt sich noch etwas Grundsätzliches, was Merkel und Netanjahu unterscheidet. Man könnte auch sagen: Taube traf Falke. Die Kanzlerin versucht, die alte kooperative Weltordnung zu retten; Netanjahus Politik im Nahen Osten basiert auf Abschreckung durch Konfrontation und Stärke. Für Merkel ist das besonders bitter, weil die Beziehungen zu Israel auch für sie persönlich etwas ganz besonderes sind.

Nicht zuletzt deshalb hat die Kanzlerin vor Jahren einmal davon gesprochen, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsraison sei. Doch mit Trump und Netanjahu auf der Bühne dürfte es ihr schwerfallen, diesen Satz mit konkreter Politik zu verbinden.

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