Kommentar zu sieben Jahre Krieg in Syrien Wir sollten wenigstens schreien

Es gibt eine Hölle auf Erden. Sie heißt derzeit Ost-Ghouta. Für die Anderen heißt sie Afrin. Auch Rakka, Itlib, Aleppo und viele weitere Städte und Regionen Syriens stehen für einen Krieg, bei dem die letzten Funken Menschlichkeit mit jedem Tag weiter verlöschen.

Von Bernhard Hertlein
Ein Junge rennt in Douma an durch Luftangriffe zerstörte Häuser vorbei.
Ein Junge rennt in Douma an durch Luftangriffe zerstörte Häuser vorbei. Foto: Samer Bouidani/dpa

Giftgas, Fassbomben und andere Horrorwaffen werden zum alltäglichen Mittel in einem erbarmungslosen Kampf, bei dem es noch nicht einmal möglich ist, für Stunden eine Waffenruhe einzurichten, damit Hilfstransporte wenigstens Medizin, Decken, Verbandmaterial und wieder etwas Wasser und Essen zu den verzweifelten Menschen bringen. Zivilisten, darunter viele Kinder, werden durch ständiges Bombardement daran gehindert, aus der Todeszone zu fliehen und so wenigstens ihr Leben zu retten.

Innenpolitische und geostrategische Ziele

Fast auf den Tag genau sieben Jahre währt der Krieg in Syrien nun schon. Er begann, als der Diktator Bassar al-Assad den auch in seinem Land aufkeimenden arabischen Frühling sofort mit Gewalt unterdrückte. Mit der Bekämpfung des barbarischen »Islamischen Staates« bekam er zwischendurch ein Kriegsziel, das auch Demokraten unterstützen konnten. Doch spätestens mit dem Eintritt der Türkei verschwanden diese Kriegsziele. Den ausländischen Mächten geht es in Syrien heute allein um innenpolitische und geostrategische Ziele. Die Menschen und die Zukunft des Landes sind ihnen egal.

Der heutige Bundespräsident und damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat versucht, alle Kriegsparteien an einen Tisch zu bringen. Das war richtig. Aber der Versuch ist nicht zuletzt am Widerstand Russlands und der Türkei gescheitert, die sich das, was sie als Sieg vor ihren Augen sehen, nicht nehmen lassen wollen.

USA als diplomatische Null-Macht

Heute gibt es nur noch zwei Instanzen, die theoretisch die Macht hätten, friedensstiftend auf den Krieg in Syrien einzuwirken: die Vereinigten Staaten und den UN-Sicherheitsrat. Doch die USA wurden unter Donald Trump im Nahen Osten zur diplomatischen Null-Macht, die noch nicht einmal in der Lage ist, ihren einzigen Verbündeten, die Kurden, zu schützen. Dem Sicherheitsrat aber sind durch die russische Blockade die Hände gebunden.

Und wir? Wir Menschen in Europa? Die Machtlosigkeit der westlichen Politik ist eine Sache. Doch die Sprachlosigkeit der hier Lebenden ist angesichts von Zehntausenden kriegsversehrten und hungernden Menschen genauso erschütternd. Was hindert uns, angesichts allgemeinen Schweigens selbst zu schreien? Sicher, Frieden entsteht so noch nicht. Doch zumindest könnten Massendemonstrationen dazu beitragen, dass Assad, Putin, Erdogan & Co. schlechter schlafen. Stattdessen reisen als Gipfel moralischen Verfalls AfD-Politiker nach Syrien, wo sie nach dem Treffen mit Kriegsverbrecher Assad zu dem Schluss gelangen, man könne syrische Flüchtlinge zurückschicken.

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Wir sollen wenigstens schreien

Die Al Nusra, also eine islamische Terroristengruppe in Syrien sind Verbündete der Amerikaner. Das wurde bei den Vereinbarungen von Februar 2016 deutlich, als die USA Russland gebeten haben, die Gruppe nicht zu bombadieren. Assad, der übrigens demokratisch gewählt wurde und seine syrische Armee, mit Hilfe der iranischen Militärberater, den Kämpern der Hisbollah und mit Militärhilfe aus der Luft durch Russland, ist eben nicht zu stürzen. Das CIA-Dokument "Bringing Real Muscl To Bear Syria" aus 1983 sollte man lesen. Der Westen will den "Regime Chance" und Russland steht dem im Wege.Schon in Afghansistan haben sich die USA islamistischer Fanatiker bedient und versuchen nun mit Hilfe der sunnitisch-arabischer Vasallen den Krieg gegen eine säkulare und realtiv einheitliche Regierung weiterzuführen. Dies hat den Massenmord erst möglich gemacht. Warum werden die Terroristen von Al Nusra und anderen internationl geächteten Organisation totgeschwiegen? Wenn hier von den "Öffentich-rechtlichen" behauptet wird, Assad und seine Verbündeten würden "gemässigte Rebellen" oder Zivilisten bekämpfen ,dann zeugt das von moralischer Verkommenheit und Menschenverachtung. Warum dieses Leid und die aussichtslose Flucht? Weil Syrien unter den Sanktionen des Westens leidet. In den 1990 Jahren haben die ähnlichen Sanktionen im Irak zum Tode von einer halben Million Kinder geführt. Martti Abtisaari hat es im "Guardian" 2015 deutlich gesagt, dass der Westen im Jahre 2012 schon damals eine politische Lösung des Syrienkonflikt hintertrieb. Und er war immerhin Friedennobelpreisträger 2008. Fazit: Wir betrauern die Toten und die Waffenlobby frohlockt angesichts des Chaos in Syrien. Das ist der wahre Grund zum schreien.

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