Kommentar zur #Metoo-Debatte Der »liebe Guido« und der Sexismus

Dialog aus der Sendung »Shopping Queen«. Männliche Stimme aus dem Off: »Ich möchte Bräute sehen«. Kandidatin: »Heiße Bräute?« Antwort der Stimme aus dem Off: »Jaaa!« Die Sexismus-Debatte ist offenbar an dem TV-Format des Senders Vox vorbeigegangen.

Von Dietmar Kemper
Guido Maria Kretschmer.
Guido Maria Kretschmer. Foto: dpa

Hier werden Frauen weiter aufs Äußerliche reduziert. Designer Guido Maria Kretschmer, der privat ganz sicher kein Sexist ist, spricht trotzdem schon mal von einem »heißen Gerät«, wenn er die Versuche der Kandidatinnen, sich hübsch anzuziehen, kommentiert.

Die Kandidatinnen betonen unisono, dass sie sich ungern in Dessous vor der Kamera präsentieren wollen, tun es dann aber doch. Eigentlich müssten sich Frauen über das in der Sendung transportierte Bild beklagen, tun sie aber nicht – jedenfalls nicht öffentlich. Das Format liefert Vox seit Jahren hohe Einschaltquoten. Beispiele wie »Shopping Queen« oder »Der Bachelor«, der zwischen zahlreichen Frauen auswählen kann wie Supermarktkunden unter Müslisorten, zeigen, dass die Sexismus- und #Metoo-Debatte nicht an der Basis ankommt, diffus und einseitig ist.

Sie wird von Wissenschaftlern, Schauspielern, Politikern und Journalisten geführt, schlägt auf den Alltag aber kaum durch. Das Beispiel »Shopping Queen« zeigt auch, dass der Vorwurf »Sexist!« auch davon abhängt, wer etwas sagt. Beim »lieben Guido« regt sich niemand auf, aber als Rainer Brüderle von der FDP einer »Stern«-Journalistin sagte, sie könne ein Dirndl gut ausfüllen, war der Aufschrei groß. Zu Recht, wohlgemerkt!

Die Debatte über die Machenschaften von Regisseuren wie Harvey Weinstein ist ohne Frage nützlich: Sie sollte auch dem letzten Chauvi klarmachen, dass Machtmissbrauch für Sex genauso inakzeptabel ist wie anzügliche Bemerkungen über die Figur einer Kollegin. Aber das Beispiel »Shopping Queen« zeigt, dass die Debatte an ihre Grenzen stößt, wenn Frauen selbst Rollenmodelle offenbar nicht so schlimm finden und es Kretschmer nicht übel nehmen, wenn er sie als »Mäuse« bezeichnet. Würden sonst so viele jeden Tag einschalten?

Eine Sexismus-Debatte kann tief verankerte Stereotype nicht beseitigen. Aber das muss sie auch gar nicht. Die Debatte sollte auf Auswüchse wie sexuelle Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen und Männern den Spiegel vorhalten. Gleichzeitig sollte sie sich vor einem inquisitorischen Eifer hüten, denn der führt dazu, dass harmlose Gedichte wie »Avenidas« von Eugen Gomringer plötzlich in die Nähe von Sexismus gerückt werden. Außerdem drängt die Sexismus-Debatte Frauen zu stark in die Opferrolle und macht sie schwächer als sie sind. Eine Ohrfeige für einen unverschämten Kollegen kann wahre Wunder bewirken.

Kommentare

„Meinungsdiktatur“

, Zitat Makatsch.

Es gibt sie also doch noch. Wirklich emanzipierte, gleiche Frauen mit einer wirklich unabhängigen Meinung.

Fast alle anderen scheinen einfach nur und immerzu und wenn es nur aus Solidaritaet ist, nicht nur Opfer sondern Daueropfer zu sein.

Damit erweist man der Sache wiederum, die ja in vielen Fällen aber eben nicht ausschließlich und immer auf Fakten beruht, einen Baerendienst.

Frau Makatsch hat recht.

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