Kommentar zu Trumps Abrechnung Ein Drama macht Hoffnung

Finstere Intrigen, permanente Indiskretionen, wilde Zweikämpfe, übelste Beleidigungen und nächtliche Einsätze des Sicherheitsdienstes – eigentlich dachte man, es gäbe nichts, was in Donald Trumps täglicher Reality-TV-Show aus dem Weißen Haus noch nicht passiert wäre.

Von Karl Doemens
US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump. Foto: dpa

Doch das Drama um den Hassprediger Stephen Bannon, der dem politisch unbedarften Milliardär einst das Rüstzeug für seine national-populistische Kampagne lieferte, stellt vieles in den Schatten: Plötzlich kennt der Präsident seinen ideologischen Mentor nicht mehr. Mehr noch: er hält ihn für verrückt.

Das sind selbst für den Twitter-Polterer Trump ziemlich harte Worte. Er sei »wütend« und »angewidert«, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. Niemand weiß, was der unberechenbare Regierungschef morgen erklären wird. Doch jenseits des hohen Unterhaltungswerts hat Trumps Bruch mit dem einstigen Weggefährten schon jetzt zwei weitreichende politische Konsequenzen: Zum einen ist die Russlandaffäre endgültig im Oval Office angekommen.

Mit seiner Kritik an dem bizarren Verschwörer-Treffen mit einer russischen Clinton-Denunziantin hat Bannon völlig recht. Er nennt diese Zusammenkunft im amerikanischen Wahlkampf nun »verräterisch« und »unpatriotisch«. Es sei eine ganz schlechte Idee gewesen, sich ohne Anwälte mit der russischen Anwältin zu treffen, argumentiert er. Nachdem ihn Trump nun so gedemütigt hat, könnte er neben dem gefeuerten FBI-Chef James Comey zu einem wichtigen Informanten der Justiz werden.

Geldgeber dürften Spenden überdenken

Noch bedeutsamer ist aber der mächtige Dämpfer für die weitere Rechtsverschiebung der Republikanischen Partei. Mit seinem Propagandablatt Breitbart war Bannon der wichtigste publizistische Verbündete Trumps im Kampf gegen das Establishment. Persönlich versuchte er, gemäßigte republikanische Kongressbewerber durch radikalere Kandidaten aus dem Rennen zu schießen. Das ist in Alabama erstmals gründlich misslungen.

Wenn nun auch noch der Präsident den Stab über den populistischen Scharfmacher bricht, dürften seine Geldgeber weitere Millionenspenden überdenken. Für die schwer lädierte politische Kultur in den USA können beide Entwicklungen nur positiv sein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.