Kommentar zur Lage an der Adria Grenzen der Befriedung

Die Europäische Union (EU) ist auch – und für die ältere Generation in erster Linie – ein Friedensprojekt. Das erkennt man derzeit zum Beispiel daran, wie sehr der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU die befriedete Grenze zwischen Irland und Nordirland schon jetzt belastet. Es gibt die nicht ganz unbegründete Sorge, dass der Brexit den überwunden geglaubten Konflikt befeuern könnte.

Von Andreas Schnadwinkel
Sloweniens Ministerpräsident Miro Cerar (l) gibt am 19.12.2017 bei einer Pressekonferenz in Zagreb (Kroatien) dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenkovic die Hand.
Sloweniens Ministerpräsident Miro Cerar (l) gibt am 19.12.2017 bei einer Pressekonferenz in Zagreb (Kroatien) dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenkovic die Hand. Foto: dpa

Beim Blick an die Adria wird allerdings auch deutlich, dass die Befriedung territorialer oder po­litischer Streitigkeiten innerhalb der EU ihre Grenzen hat. Erst recht, wenn es um Grenzen geht – und ganz besonders, wenn diese im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien verlaufen.

Auf der kroatischen Seele hat der Bürgerkrieg (1991-1995) Wunden hinterlassen. Dass diese nicht verheilt sind, macht der Adria-Konflikt mit Slowenien ebenso deutlich wie der öffentliche Selbstmord des bosnisch-kroatischen Ex-Generals Slobodan Praljak vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Hier geht es um mehr als um Seegrenzen oder Gefängnisstrafen. Den Kroaten geht es um ihre Identität.

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